Wenn ein Labrador auf Erdmännchen trifft

Montag, 27. Juli 2015

Labrador Lacy, hier mit Besitzerin Karin Hauser, schaute wie hypnotisiert auf die putzigen Erdmännchen in der neuen Anlage.
Labrador Lacy, hier mit Besitzerin Karin Hauser, schaute wie hypnotisiert auf die putzigen Erdmännchen in der neuen Anlage.

Von Silke Richter

Der Affe schneidet Grimassen und hebt seine Augenbrauen. Sein Kopf ist dabei leicht zur Seite geneigt. Das sieht lustig aus. Die Besucher lachen. Ihren Hunden, die Gino, Lacy, Betty und Emma heißen, ist das relativ egal. Denn für einige Hunde, die einen ausgeprägten Jagdinstinkt haben, ist nicht nur der Affe als Zootier ein Beutetier, das sie, wenn sie es denn dürften, natürlich jagen würden. Das tun sie aber nicht. Aufgeregtes Hochspringen an den Absperrungen und Bellen bleibt bei den Hunden am Samstag jedenfalls aus.

Denn am anderen Ende ihrer Leine stehen Hundebesitzer, die ihre Haustiere sehr gut im Griff haben, gemeinsame Besuche im Zoo machen oder ihre Tiere als Therapiehunde einsetzen wollen. Sie haben am Wochenende an einem zweitägigen Kurs „Hunde im Zoo“ teilgenommen, den der Verein der Hundefreunde Hoyerswerda und die Zoo, Kultur und Bildung gGmbH (ZooKultur) angeboten haben (siehe Kasten). Wird der Kurs bestanden, dürfen Hundehalter künftig den Zoo gemeinsam mit ihrem Vierbeiner besuchen.

„Gino soll sich vor allem an Kinder gewöhnen und die Zootiere akzeptieren und dabei möglichst ruhig bleiben. Das ist für seinen Einsatz als zukünftiger Therapiehund sehr wichtig“, meint Birgit Hüttner aus Bernsdorf, eine der Kursteilnehmerinnen. Als Außenstehender mag man kaum glauben, dass die Besucher auf vier Pfoten mit ihren Herrchen und Frauchen überhaupt einen „Führerschein“ für den Zoo brauchen. „Diese Gruppe ist wirklich top, so wie ihre Vorgänger auch. Man merkt, dass sich die Menschen mit ihren Hunden und ihrer Erziehung beschäftigen“, freut sich Zookuratorin Dr. Kathrin Kaltwaßer, die Tipps zum Verhalten im Zoo gibt und die Führung gleich dazu nutzt, Neuigkeiten über den Zoo zu erzählen.

Doch erst einmal müssen die Hunde- Mensch-Teams an einem Bienenstock vorbei – und das möglichst zügig. Denn Insektenstiche können auch für Hunde durchaus gefährlich werden. „Björn“ sieht das ziemlich gelassen. Der Bär nimmt gerade ein Bad im Schlossgraben und beobachtet dabei seelenruhig die Vierbeiner und ihre Menschen. Die meisten Zootiere haben sich bereits an Hunde, die von weitem neugierig in ihre Gehege schauen, gewöhnt. Außer die Pelikane. Bei diesen Vögeln sollten die Hundebesitzer mit ihren Tieren möglichst größeren Abstand zum Gehege einhalten. Denn in solch einen Pelikanschnabel passen gut zehn Liter Wasser hinein. Sprich: „Einen kleinen Bolonka Zwetna hätten diese Vögel wohl auch zum Fressen gern“, meint Dr. Kathrin Kaltwaßer.

Es geht weiter Richtung Raubtiere. Lacy zieht plötzlich stark an der Leine. Die Labrador-Hündn mag nicht in die Nähe der Großkatzen. Gut, dass Fritz der Löwe nicht zu sehen ist, der mit seinem lauten Brüllenschon so manchen Hund im Zoo deutlich gemacht hat: Komm mir bloß nicht zu nahe! Ob Lacy ahnt, dass die Löwin Irina zu Scheinangriffen neigt und damit schon so manchen Besucher erschreckt hat, bleibt ein Geheimnis. Die Hündin sucht jedenfalls schnell das Weite.

Und dennoch gebe es immer wieder Besucher, die nicht nur fahrlässig handelten, sondern auch ein sehr schlechtes Vorbild für ihre Kinder seien, so Dr. Katrin Kaltwaßer. So soll vor kurzer Zeit eine Mutter vor den Augen ihrer beiden Kinder über die Absperrung geklettert sein, um den Löwen durch den Gehegezaun streicheln zu können.

Nun gehört die Aufmerksamkeit einiger Hunde Heidi Sladek. Nellys Hundenase nimmt Witterung auf. Die stark ausgeprägten Riechnerven der Hündin lassen etwas sehr Leckeres erahnen. In dem Fall sind es tote Ratten, die von der Tierpflegerin gleich an die Adler verfüttert werden sollen. Also ist auch hier bei Hundebesitzern Vorsicht geboten, damit sich ihre Vierbeiner nicht von der Leine losreißen und sich einfach bedienen. Diese Versuchung kann im Zoo auch mitten auf den Wegen lauern. Hier liegt nämlich manchmal Fischfutter dass eigentlich für die Pinguine gedacht ist aber von Graureihern gern gemopst und fallen gelassen wird. Das schmeckt Hunden im ersten Moment, kann aber auch krank machen, erklärt Dr. Katrin Kaltwaßer.

Am gestrigen Sonntag stand die eigentliche Prüfung mit Prüferin Cornelia Henke von den „Hundefreunden“ auf dem Programm, die alle Hundebesitzer mit ihren Tieren bestanden haben. Und weil man bei der ZooKultur nur gute Erfahrungen mit Hundebesitzern gemacht hat, die den Zookurs belegt haben, dürfen deren Hunde ab sofort auch das Museum im Schloss und das Zoorestaurant Sambesi besuchen.

Seit zwei Jahren wird der Benimm-Kurs im Zoo für Hundehalter und Hunde angeboten. Nach bestandener Prüfung gibt es ein Zertifikat. Hundehalter können damit eine Hundejahreskarte für 10 Euro kaufen. Sie gilt ab Ausstellungsdatum genau ein Jahr. Ist sie abgelaufen, so kann nach Vorlage des Impfpasses (nötig sind Impfungen gegen Tollwut und Staupe) eine Folgekarte erworben werden, ohne dass erneut ein Kurs belegt werden muss.

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