Vom Baum in den Saftbecher

Mittwoch, 24. September 2014

Da staunten Pauline und Alfons nicht schlecht, als Firmenchef Andreas Schulze zeigte, wie der frische Apfelsaft in Behälter abgefüllt wird.  Foto: Silke Richter
Da staunten Pauline und Alfons nicht schlecht, als Firmenchef Andreas Schulze zeigte, wie der frische Apfelsaft in Behälter abgefüllt wird. Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Ein süß-saurer Geruch liegt in der Luft. Alfons atmet tief durch. „Hm, riecht irgendwie ganz fruchtig, aber gut“, meint der Junge und staunt über die Unmengen von Äpfeln, die (noch) in einem großen Autoanhänger lagern. Denn bald werden sich diese Früchte in Apfelsaft verwandeln. Frisch gepresst und ohne chemische Zusatzstoffe.

Die Kinder kennen diese Äpfel und wissen ganz genau, wo sie herkommen. Aus Omas Garten zum Beispiel oder vom eigenen Baum, der zu Hause im Garten steht. Denn diese Äpfel haben die Kinder aus den beiden Kitas „Sausewind“ und „Wirbelwind“ selbst gesammelt und mit in ihre jeweilige Kita, die sie in Hoyerswerda und Knappenrode besuchen, mitgebracht. Über 450 Kilogramm sind so zusammengekommen. Natürlich hätten die Erzieherinnen und Kinder daraus auch nur Apfelmus herstellen oder das Obst ganz frisch verzehren können. Liegt dem Träger beider Einrichtungen, dem Stadtsportbund Lausitzer Seenland, doch tägliche gesunde Ernährung sehr am Herzen.

Aber diese Unmengen an Äpfeln sprengten dann doch den möglichen Rahmen. Und so entstand die Idee, die Äpfel doch zu frischem Saft verarbeiten zu lassen. Nichts leichter als das. Denn der Pflanzenhof Schulze vertreibt nicht nur Weihnachtsbäume, Obst und andere Pflanzen, sondern stellt auch Saft und Marmelade in einer eigenen Lohn-Mosterei her. „Vor zwei Jahren haben wir mit Unterstützung der Versorgungsbetriebe und dem Hoyerswerdaer Rotary Club schon einmal so eine Aktion gemacht. Fünfzehn Kindereinrichtungen hatten Äpfel gesammelt, die dann hier zu Saft gepresst worden sind“, erklärt Pflanzenhof-Chef Andreas Schulze. Seit dieser Zeit sind Besuche von Kindereinrichtungen, wie es gestern geschehen ist, keine Seltenheit mehr auf dem Firmengelände am Waldfriedhof.

Und damit die Kinder auch wissen, was mit ihren gesammelten Äpfeln tatsächlich passiert, gibt es gestern nicht nur eine Führung durch die Mosterei, sondern auch Einblicke in die Herstellung von Saft und Marmelade. Bevor die Äpfel verarbeitet werden, müssen sie natürlich erst einmal gewaschen werden. Dann wird das saubere Obst geschreddert, also zerkleinert. Zugegeben: Die Obstmasse sieht jetzt nicht mehr sehr appetitlich aus. „Das ist ja Matsch-Pampe geworden“, meint Pauline beim Anblick des zerkleinerten Fruchtfleisches, das plötzlich eine braune Farbe angenommen hat. „Igitt“, entfährt es Lilly, die jedoch gleich erfahren wird, dass dieser Prozess ganz normal ist. Andreas Schulze hätte jetzt auch ganz fachmännisch erklären können, dass an diesem chemischen Prozess der Farbumwandlung Enzyme und die Verbindung mit Sauerstoff schuld sind. Aber das hätte an diesem Tag zu weit geführt und wäre auch nicht altersgerecht gewesen.

Die Kinder wissen aber jetzt, dass die Verarbeitung von Äpfeln nach deren Anschnitten relativ schnell gehen muss, um alle natürlichen und gesunden Inhaltsstoffe zu erhalten. Und so passiert es dann auch. Binnen weniger Minuten ist der frisch gepresste Apfelsaft, der jetzt noch heiß ist, fertig und kann mithilfe eines Zapfhahns in Transportbehälter umgefüllt werden. In diesem Zustand ist der naturtrübe Most ein ganzes Jahr lang haltbar, so fern seine Verpackung nicht vorher geöffnet wird.

Aber was wäre eine Mosterei ohne Verkostung? Den Kindern schmeckt es jedenfalls. „Hm, lecker“, meint Alfons und ist mit dieser Einschätzung wahrlich nicht allein. Eine weitere Überraschung wartet dann in der kleinen Sitzecke des Pflanzenhofes. Auf den Tischen stehen schon Teller, auf denen kleine Schnitten mit roter und gelber Marmelade liegen. Aber nicht lange. Kaum Platz genommen, genießen die Kinder die Brotzeit. Ob es geschmeckt hat? Die Teller und gefüllten Saftbecher waren jedenfalls innerhalb kürzester Zeit leer.

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