Verspätung im Erlebnisreich

Freitag, 30. Oktober 2015

Dieser Ausstellungsraum im Schloss ist leer. Hier soll bis Weihnachten eine neue Form von Erlebnismuseum entstehen.  Foto: Uwe Schulz
Dieser Ausstellungsraum im Schloss ist leer. Hier soll bis Weihnachten eine neue Form von Erlebnismuseum entstehen. Foto: Uwe Schulz

Von Uwe Schulz

Die Entfeuchtungsanlage säuselt vor sich hin. Hier, im ersten Obergeschoss des Schlosses, wo noch vor Monaten die Bereich Ur- und Frühgeschichte und das Mittelalter der ständigen Ausstellung im Stadtmuseum Hoyerswerda gezeigt wurden, sollte eigentlich schon längst mit dem Aufbau des neuen Erlebnisreiches begonnen worden sein. Doch dann geschah Mitte November das Malheur. Ein Handwerker beschädigte eines der im Fußboden verlaufenden Heizungsrohre mit einer Schraube. „Ein Versehen“, sagt Kerstin Noack, Prokuristin der Zoo, Kultur und Bildung gGmbH. Denn die zur Verfügung stehenden Bauunterlagen aus den 1990er Jahren und der tatsächliche Verlauf der Rohre stimmten nicht so richtig überein. Und es dauerte seine zeit bis man überhaupt merkte, dass sich rund 100 Liter Wasser aus dem Heizungskreislauf in den Bereich zwischen Fußbodenbeplankung, Unterbau und dem Gewölbe über dem Saal ergossen hatten.

Glücklicherweise sickerte das Wasser nicht bis unten durch. Und so wurde der betroffene Bereich der Decke geöffnet, Füllmaterial entfernt, der Trockner installiert. Wenn die Messwerte gestimmt haben, ist er ab heute außer Betrieb – nach vier Wochen Dauerlauf. „Insgesamt haben wir jetzt fünf Wochen Verzug“, sagt Kerstin Noack. Doch nach hinten hat man nicht Zeit, wie man will. Denn mit der Fördermittelzusage seitens des Kulturraums (siehe gestriges Tageblatt) ist auch die Verpflichtung gegeben, das Geld bis zum Jahresende nicht nur ausgegeben, sondern auch abgerechnet zu haben. Zieltermin ist daher der 20. Dezember. In den kommenden Tagen werden die Wände und der Fußboden fertiggestellt. Statt Sisal wie in den 1990ern wird nun Linoleum verlegt.

Mitte November soll dann der beauftragte Messebauer kommen und mit dem Aufbau des geplanten raumhohen Spielschlosses und anderer Dinge beginnen, dann folgt die Komplettierung und Ausgestaltung durch die Firma Unikum. Wenn alles fertig ist, können die Besucher sich mit der Geschichte durchaus spielerisch beschäftigen. Man wird Exponate oder auch Nachbildungen anfassen können. Um das eine oder andere zu sehen, muss/darf man künftig mal hier einen Deckel aufklappen, seine Perspektive wechseln. In einer Ecke wird es einen kleinen archäologischen Grabungsbereich geben. Im „Erlebnisreich“ soll man eben auch was erleben können, unter anderem im zweigeschossigen Spielschloss mit Rutsche, kleiner Kriechstrecke, interaktiven Schlossfenstern. Verschiedene Spiele dürften nicht nur Kinder anlocken. Auf diese Art und Weise soll man in sieben Zeitfenster der Hoyerswerdaer Geschichte hineinschauen können – von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart.

Unabhängig von dieser Investition bereitet sich die ZooKultur schon auf ein weit größeres Vorhaben vor. Seit der letzten Schlosssanierung in den 1990er Jahren sind bekanntlich diverse Baumängel eingetreten. Vor allem Fenster und Fassade hätten eine Überholung bzw. Erneuerung nötig. Derzeit erfasst die beauftragte Gutachterin Birgit Böhm aus Leipzig den Zustand aller rund 120 Fenster und der Fassade. Abgesehen von den jüngeren Fenstern aus dem Saal dürften die meisten Kastenfenster laut eines gefundenen Belegs aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen.

Am Ende ihrer Arbeit wird die Zookultur eine Analyse haben, aus der sich der tatsächliche Arbeits- und Finanzaufwand ableiten lässt. Birgit Böhm sieht, ohne ins Detail zu gehen, Handlungsbedarf, schon aus energetischer Sicht. Und zumindest in einem Bereich am Renaissanceteil des Schlosses fand die Gutachterin einen wasserundurchlässigen Putz vor, der so an diesem Denkmal eigentlich gar nicht hätte verwendet werden dürfen. Wenn alles vorliegt, wird sich die Stadt formal auf Fördermittelsuche begeben. Mit echten Bauarbeiten an Fassade und Fenstern ist dann wohl eher erst 2017 zu rechnen. Dann soll eigentlich auch schon der nächste umgebaute Bereich der Ständigen Ausstellung eingeweiht werden.

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