Stolpersteine erinnern in Wittichenau an Naziopfer

Donnerstag, 26. Juli 2012

Auf der Oberseite der fünf Stolpersteine sind Namen und Lebensdaten der Opfer in Messing eingraviert.
Auf der Oberseite der fünf Stolpersteine sind Namen und Lebensdaten der Opfer in Messing eingraviert.

Fünf Stolpersteine erinnern seit gestern in Wittichenau an das Schicksal der jüdischen Familie Neufeld. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat sie am Nachmittag in das Pflaster des Gehweges in der Hosker Straße 30 eingelassen. Sie sind Teil einer Kunstaktion, mit der seit 1997 europaweit an Opfer der Nationalsozialisten gedacht wird. Mittlerweile gibt es mehr als 750 Orte in Europa mit Erinnerungssteinen, gestern Vormittag wurden fünf weitere in Görlitz verlegt.

In Wittichenau hat
sich die Pfadfindergruppe sehr dafür stark gemacht, dass auf diese Art der Familie gedacht wird. „Ich lade Sie ein, über die Steine zu stolpern“, sagte Projektleiter Eric Schimann gestern bei der Gedenkfeier. „Denken Sie nach über die Schicksale und laden Sie auch andere dazu ein.“

Die Recherchearbeit der
Gruppe ist beeindruckend. Das lobte auch Bürgermeister Udo Popella (CDU). Es sei gelungen, etwas Licht ins Dunkel der Stadtgeschichte zu bringen. „Sie haben mit viel Akribie, Liebe und Aufwand gearbeitet“, sagte er. Ein Jahr lang haben die Pfadfinder geforscht, dabei Zeitzeugen befragt, in Archiven geblättert sowie eine umfangreiche Ausstellung erarbeitet, die im März dieses Jahres in der katholischen Pfarrkirche zu sehen war.

Erinnert wurde gestern
, wie Juden während der NS-Zeit in Wittichenau schikaniert wurden, zum Beispiel mit einem Schild auf dem Marktplatz, dass sie verhöhnte. Kinder kannten Spottlieder.
Der jüdische Textilhändler Herman Neufeld und seine Familie wurde 1938 aus Wittichenau deportiert. Mutter Zipora und die Töchter Klara und Rut wurden 1942 im Vernichtungslager Be³¿ec vergast, Vater Hermann in Lemberg (Lwow) ermordet. Tochter Rosa starb 1943 in Galizien.

Das Projekt der Pfadfinder ist zwar abgeschlossen. Aber mittlerweile hat sich ein Mann gemeldet, der in den 30er Jahren gegenüber dem Haus der Familie Neufeld gewohnt hat. Die Pfadfinder wollen auch ihn befragen. Zudem soll die Ausstellung im Landtag zu sehen sein. Und die Ergebnisse der Geschichtsforschungen könnten auch für Schüler in Wittichenau aufgearbeitet werden, hieß es gestern.

 http://stolpersteine.wittichenauer-pfadfinder.de

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