Startschuss für den Fabrikumbau

Samstag, 11. Oktober 2014

Die Energiefabrik Knappenrode soll künftig weniger Kosten verursachen, aber im Kern erhalten bleiben. Das bedeutet einen gravierenden Umbau des Bekannten
Die Energiefabrik Knappenrode soll künftig weniger Kosten verursachen, aber im Kern erhalten bleiben. Das bedeutet einen gravierenden Umbau des Bekannten

Von Uwe Schulz

Als einen energiegeladenen Startschuss bezeichnete gestern Nachmittag Thomas Früh die Übergabe des Fördermittelbescheides zur Umgestaltung der Energiefabrik Knappenrode. Der Abteilungsleiter des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst war nach Knappenrode gekommen, um den Bescheid an den Zweckverband Sächsisches Industriemuseum zu übergeben. Der ist Betreiber der Energiefabrik Knappenrode, die wiederum dem Landkreis Bautzen gehört.

Eine stolze Summe zum 100. Jubiläum der Fabrik-Grundsteinlegung und zum 20. Jahrestag der Gründung des Bergbaumuseums. Jetzt kann losgehen, was seit über zehn Jahren immer mal wieder geplant wurde und wofür die Kreisräte vor einem halben Jahr ihr Einverständnis gaben – nämlich die bauliche Umgestaltung der Energiefabrik. Das große Ziel ist: Kosten sparen und gleichzeitig die Qualität erhöhen. Denn das Museum besteht abgesehen von der Fabrik aus etwa 20 Einzelgebäuden und 27 Hektar Fläche. Beides soll erheblich reduziert werden, was mit einer Verdichtung der Besucherbereiche einhergeht.

Der bisherige Museumseingang soll aufgegeben und auf die Westseite der Fabrik verlegt werden. Die Zufahrt soll sowohl von Knappenrode als auch über die alte Betriebsstraße von Koblenz aus möglich sein. Ein neuer Museumszugang ist geplant. Dazu ein Besucherleitsystem. Was nicht mehr benötigt wird, soll verkauft oder sonst irgendwie vermarktet werden – Verschrottung inbegriffen. Freilich gibt es solch unantastbare Dinge wie die Dampfspeicherlok oder jene Lok, die ein MiG-Triebwerk zum Auftauen von Weichen an Bord hat.

Das ist alles nicht neu. Wenn alles klappt, wird man 2017 das Bergbaumuseum nicht wiedererkennen. Es soll dann auf wirtschaftlich solideren Füßen stehen, weniger Kosten verursachen und eben attraktiv sein. Über das, was die Energiefabrik attraktiv macht, lässt sich gerade vor dem Hintergrund, was man weggibt, trefflich streiten und hängt stark von den persönlichen Neigungen und Ansichten ab.

Doch über das Geld lässt sich nicht streiten. Das braucht man für ein solches Vorhaben. Und auch da gab es gestern erstmals öffentlich neue Ansagen. Der Kreistag hat der Kreisverwaltung am 12. Mai 2014 zugestanden, die bauliche Umgestaltung der Energiefabrik mit maximal 5,1 Millionen Euro mitzutragen, wobei der Eigenanteil 2,04 Millionen nicht überschreiten darf. Gestern war plötzlich von Umbaukosten in Höhe von 8,1 Millionen Euro die Rede. Die sind vom Kreistag aber nicht gedeckelt. Und zumindest bei einigen Abgeordneten aus dem Süden des Kreises war schon im Mai keine Sympathie für die Fabrik zu spüren. Offenbar hat die Verwaltung starke Hoffnung, Gelder vom Bund zu bekommen, die die bisher geplante Förderquote von 75 Prozent deutlich übersteigen. Der Rest sind eben der Eigenanteil und die Kosten aus der Vermarktung.

Auf die TAGEBLATT-Nachfrage, was man denn mache, wenn diese Förderung nicht kommt, antwortete die Landkreis-Beigeordnete Birgit Weber: „Na, dann müssen wir noch einmal auf den Freistaat zugehen.“ Eine gesicherte Finanzierung sieht anders aus.

Zumal gestern auch bestätigt wurde, dass die 8,1 Millionen Euro noch kein Geld für weitere inhaltliche Ausgestaltungen der Energiefabrik beinhalten. Denn zwar finden sich in den Kreistagsunterlagen vom Mai auch die Positionen „Neubau 1 400 qm Dauerausstellung“ und „Ausstattungen“, doch ist schwer zu sagen, was das am Ende bedeutet, vor allem dann, wenn man von gesteigerter Attraktivität spricht.

Landrat Michael Harig sagte gestern lächelnd in Richtung des Hoyerswerdaer Bürgermeisters Thomas Delling: „Als wir die Fabrik im Zuge der Funktionalreform übernahmen, wussten wir nicht, worauf wir uns da eingelassen haben.“ Thomas Delling lächelte zurück: „Wir wussten es …“

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