Sportler kümmern sich selbst um ihre Hallen

Dienstag, 05. März 2013

Mario Adolphs, Vereinsmanager des Karate-Do Hoyerswerda, steht in der Halle, die der Verein seit zehn Jahren bewirtschaftet.
Mario Adolphs, Vereinsmanager des Karate-Do Hoyerswerda, steht in der Halle, die der Verein seit zehn Jahren bewirtschaftet.

Es ist jetzt zehn Jahre her, als Mario Adolphs sagte: „Wir haben uns nicht darum gerissen, die Halle zu übernehmen.“ Adolphs ist Vereinsmanager des Karate-Do Hoyerswerda. Rund 150 Mitglieder treiben dort Sport. Nun steht Adolphs in der Sporthalle in der Stauffenbergstraße, die Anfang der 90er Jahre für die 12. Polytechnische Oberschule gebaut worden ist, und sagt: „Die Hallenübernahme ist das Beste, was uns passieren konnte“,
Vor zehn Jahren galt die Abgabe von Sporteinrichtungen durch die Stadt Hoyerswerda an Vereine als ein Modellversuch. In Leipzig wurde es zuvor schon ausprobiert. Es ging um Sportplätze und um Hallen. An den Hallen lässt sich das Prinzip, vereinfacht sehr gut erklären: Die Stadt bleibt Eigentümer der Halle, gibt aber die Verantwortung zum Betrieb an die Vereine ab. Im ersten Jahr zahlt der Eigentümer 100 Prozent der Betriebskosten, diese Summe verringert sich innerhalb der fünf Jahre auf 75 Prozent. Wer also mehr spart, als die Zuschuss-Reduzierung ausmacht, hat zusätzliches Geld in der Kasse.
Mario Adolphs erklärt, der Verein habe sich damals die Entscheidung nicht einfach gemacht. Ihr ging ein langer Diskussionsprozess voraus. Auf der einen Seite hat der Verein mehr Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung. „Die Leute identifizieren sich jetzt mehr mit der Halle.“

Zunächst wurde jede zweite Leuchtstoffröhre rausgedreht. Zusammen mit Eltern und Sponsoren ging es zudem an diverse Arbeiten: Die Heizung wurde modernisiert und die Halle mit einem riesigen Theatervorhang geteilt. In einer Hälfte, die die Karateka zur Erwärmung nutzen, ist es zwei, drei Grad kühler als in der anderen. Die Sanitäreinrichtungen wurden erneuert, es entstand ein Aufenthaltsraum mit Spielecke. Hier ist das Arbeiten auch einfacher, wenn der Verein und nicht die Stadt die Verantwortung hat. „Das klappt ganz gut durch den persönlichen Kontakt zu den Firmen“, sagt Mario Adolphs. Und auch die Eltern haben viel geholfen. Man sieht es schön am Umfeld. Die benachbarte Schule ist längst abgerissen, dort wuchert das Gras. Das Areal des Karate-Do sieht aber top aus. „Wir haben einen Zaun gesetzt, die Zufahrt gemacht und Parkplätze gestaltet“, erklärt der Vereinsmanager. Als ganz besonderes Plus sieht der Verein die Verantwortungshoheit über die Vergabe der Nutzungszeiten. „Wir können sie nutzen, wenn es uns passt“, sagt Adolphs, also auch mal kurzfristig. „Das sind wichtige Freiheiten, die der Sport auch braucht.“

Ähnlich argumentiert Stefan Thielemann, der Vorsitzende des TTC Hoyerswerda. Der TTC hat Ende 2005 „seine“ Trainings- und Wettkampfhalle in der Schumannstraße von der Stadt übernommen. „Ohne gute Strukturen und eine feste Strategie geht das nicht“, sagt der Vorsitzende. Es sei ein Geben und Nehmen. Denn der Eigentümer bleibt in der Verantwortung. Vor fünf Jahren haben die TTC-Mitglieder den kompletten Parkettboden aus der Halle gerissen. Der neue, deutlich rutschfester für die Tischtennisspieler, hat 40 000 Euro gekostet. Die Hälfte davon übernahm die Sächsische Aufbaubank, die andere Hälfte teilten sich Stadt und Verein. Auch im WK IV wurden die Sanitäreinrichtungen erneuert, Außenanlagen verschönert. Bei jeder Trainingseinheit wurde der Stromverbrauch abgelesen, es gibt eine allgemeine Hallenbeleuchtung und eine für den Wettkampfbetrieb. „Wir würden es wieder so machen“, sagt Stefan Thielemann zur Übernahme der Halle. Das setzt einen gut funktionierenden Vorstand voraus und darüber hinaus auch verantwortungsvolle Mitglieder. „Es ist ein kleines Unternehmen.“
Das gilt auch für den Sportclub Hoyerswerda, der seit 1. Januar 2004 unter anderem die Jahnsporthalle bewirtschaftet. Dort ist seitdem viel mit Vereinsgeldern umgebaut worden, zuletzt der Prallschutz an den Säulen und eine zusätzliche Tribüne hinter einem Tor. Um den größten finanziellen Brocken der Hallensanierung wurde in den letzten Jahren lange gerungen, bis im Herbst das Dach für gut eine halbe Million Euro erneuert werden konnte. Finanziert wurden die Arbeiten mit Fördermitteln aus dem Landesprogramm „Investive Sportförderung“ (ca. 230 000 Euro) sowie durch Eigenmittel der Stadt aus der Investitionspauschale des Landkreises. SC-Geschäftsführerin Daniela Fünfstück sagt, mit der Eigenverantwortung würden die Mitglieder mehr aufpassen. „Das macht ja jeder zu Hause auch so.“

Mario Adolphs, Manager des Karate-Do, erklärt, das Bewusstsein um den Wert von Eigentum und den sorgsamen Umgang mit Finanzen ist auch ein Stück Lebensschule. „Die Kinder nehmen nach dem Training auch ihren Müll mit nach Hause.“

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