So viele wie nie wollen hoch hinaus

Montag, 20. Juli 2015

Wer die ersten Schikanen, und dazu gehörte auch das Schlammloch, gemeistert hatte, der hatte es dann fast bis an die Spitze des Steilhanges geschafft. Aber nur fast.
Wer die ersten Schikanen, und dazu gehörte auch das Schlammloch, gemeistert hatte, der hatte es dann fast bis an die Spitze des Steilhanges geschafft. Aber nur fast.

Von Rainer Könen

Rita ist schuld. Wenn sie es doch bloß getan hätte. Aber alles Bitten, alles Flehen war letztendlich vergebens. Denn Rita ließ sich einfach nicht überreden. Selbst die einschmeichelnden Worte von Tobias Kempe, einem Mitglied des Organisations-Teams, fruchteten nicht. Seine wiederholten Aufrufe via Mikrofon, sie möge sich doch einen Ruck geben, und es einfach machen, nein, sie zeigten keine Wirkung. Hätte Rita sich am Samstag auf ein Simson-Moped gesetzt und an den Start der Qualifiying-Runde gegangen, ja dann wäre die neunte Ausgabe des Simson-Steilhangrennens eine internationale gewesen. Denn Rita ist Schweizerin. Und die, das hatten die Organisatoren vor dem Start von ihr erfahren, hätte sich schon gerne mal versucht, mit einem dieser kultigen Mopeds den 50 Meter langen Steilhang hochzufahren. Aber ihr Lebenspartner legte da sein Veto ein. Zu gefährlich für jemanden, der wie sie nur zwei oder drei Mal überhaupt auf einer Simson gesessen habe.
Schade. Nun ja, aber vielleicht probiert Rita es im kommenden Jahr. Es ist anzunehmen, dass sie am Wochenende genau hingeschaut hat, was man alles beherrschen muss, um sich möglichst lange auf so einem Simson-Moped zu halten. Etliche der 100 teilnehmenden Fahrer hatten da jedenfalls so ihre Probleme.
100 Simson-Piloten waren beim diesjährigen Steilhangrennen dabei. Rekordbeteiligung. „Also, damit kommen wir allmählich an unsere logistischen Grenzen“, meinte Sandro Päsler, Mitglied des Organisationsteams. Waren es im vergangenen Jahr mit 67 teilnehmenden Fahrer bereits „irre viele“ gewesen, wie man aus dem Org-Team hören konnte, so wurde die Teilnehmerzahl in diesem Jahr getoppt. 100 Fahrer aus der gesamten Bundesrepublik. Und die konnten sich beim Qualifiying am Samstag gleich einen Eindruck von der steilen Sandpiste verschaffen. Zwei Wertungsläufe hatte jeder, der beste entschied über die Startnummer am folgenden Tag.
Sebastian Bräuer war zum ersten Mal in diesem Jahr dabei. Der Großdubrauer fiel in zweierlei Hinsicht auf. Zum einen mit seiner auf „rattenhässlich“ getrimmten Maschine. Zum anderen erregte sein Outfit für Aufsehen, jedenfalls sein Helm. Der war von einem riesigen Teddybären umhüllt. So begab sich der 30-jährige Elektriker an den Start. Und staunte nicht schlecht, dass sein erster Auftritt nach ein paar Sekunden schon vorbei war. Im Schlammloch blieb er stecken. Pech. „Das habe ich doch total unterschätzt“, meinte er. Aber das sei kein Grund nun Trübsal zu blasen, so der Großdubrauer. Denn schließlich sei er des Spaßes wegen nach Geierswalde gekommen.
Wenn das Steilhangrennen am Koschendamm ansteht, geht es vordergründig nicht um Leistung, sondern ist für die meisten der Spaßfaktor entscheidend. Denn rings um das Rennen ist an den drei Tagen Party angesagt. Nichtsdestotrotz gebe es jedoch immer „einige wenige“, so Sandro Päsler, die das Rennen sehr sportlich sähen, es unbedingt gewinnen wollen. Was man schon verstehen kann, denn wer es am Wochenende mit seiner Simson am weitesten nach oben schaffte, der durfte sich über eine weinrote Simson SR 50 freuen.
Aber auch die Kreativität der Fahrer wurde belohnt. Wer mit dem schrillsten und augenfälligsten Kostüm an den Start ging, hatte die besten Chancen auf den ersten Kostüm-Platz (Ergebnisse in der morgigen TAGEBLATT-Ausgabe). Und in dieser Wertungs-Kategorie rechnete sich der Großdubrauer Sebastian Bräuer dann schon was aus.

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