So viel Neues in Hoyerswerdas Altstadt

Samstag, 14. November 2015

Enrico Pohl und Kollegen vom Landschaftsbüro Buder haben den neuen Fußweg an den drei Eichen in der Fischerstraße fertiggestellt und beginnen mit Gestaltung sowie Bepflanzung der umliegenden Grünanlagen. Zaun und Gehweg an der Straße verschwinden.
Enrico Pohl und Kollegen vom Landschaftsbüro Buder haben den neuen Fußweg an den drei Eichen in der Fischerstraße fertiggestellt und beginnen mit Gestaltung sowie Bepflanzung der umliegenden Grünanlagen. Zaun und Gehweg an der Straße verschwinden.

Von Uwe Schulz

Ausgerechnet das kleinste Projekt dauerte am längsten. Aber vielleicht ist die Umgestaltung des ehemaligen Geheges an der Fischerstraße zum Platz der drei Eichen ja auch das i-Tüpfelchen für das, was in den vergangenen zwei Jahren in der Hoyerswerdaer Altstadt geschaffen wurde. Ein kleiner geschwungener Weg führt zwischen Eichen und Schlossgraben entlang. Der alte Zaun muss noch entfernt werden, zudem ist am Schlossgraben ein neuer Zaun zu ziehen. Dann gibt es hier eine neue kleine innerstädtische Wohlfühloase.

Weit über 20 Millionen Euro wurden in den letzten Monaten im Herzen der Altstadt verbaut. Unterschiedliche Projekte, verschiedene Bauherren – eine bunte Mischung. Es war für alle Beteiligten ein großer Kraftakt, es gab gewaltigen Krach ebenso um die Größe des Einkaufszentrums am Zoo wie um das Aussehen des Anbaus am Bürgerzentrum. Über beides redet aber praktisch keiner mehr. Man hat sich dran gewöhnt. Es gab Baulärm und Behinderungen im Straßenverkehr. Dutzende Parkplätze sind einerseits weggefallen und andererseits neu geschaffen worden. Völlig neue Wegebeziehungen entstanden und der nördliche Rand des Altstadtkerns veränderte praktisch komplett sein Aussehen. Gleich mehrere Brachen, dunkle Ecken und Missstände sind so im Stadtbild getilgt worden.

Der Handelskomplex Centrum Altstadt hat das erste Geschäftsjahr hinter sich. Aldi, Rewe, dm-Drogeriemarkt und das Griechische Restaurant sind hier zu finden. 120 Parkplätze wurden geschaffen, der Zoo-Parkplatz mit seinen rund 65 Stellplätzen wurde neu gestaltet. Und auch der Rest der Krokuswiese konnte in diesem Frühjahr zeigen, dass es ihn noch gibt. Die Zoo-, Kultur- und Bildung gGmbH investierte ihrerseits in ein neues Besucherzentrum für Zoo und Schloss, Shop inbegriffen.

Das ehemalige Bürgermeisterhaus/Standesamt wurde von einem Privatmann zum Mehrfamilienhaus umgebaut. Es grenzt an das Bürgerzentrum Braugasse, neue Heimstatt von KulturFabrik und Naturwissenschaftlich-Technischem Zentrum. Damit ist eines der ehrgeizigsten Projekte der Stadt in Betrieb gegangen. Nicht nur die Resonanz am Eröffnungswochenende, sondern auch der Grad der Nutzung seitdem zeigen, wie Kultur so eine Innenstadt beleben kann.

Von hier kommt man über einen neu geschaffenen Fußweg zur Spremberger Straße, wo die Stiftung Diakonie Görlitz-Hoyerswerda das Seniorenheim „Goldener Stern“ mit 92 Heimplätzen geschaffen hat. Der Name nimmt Bezug auf das gleichnamige Hotel, dass hier einst stand. Auf der anderen Straßenseite investierte die LebensRäume-Genossenschaft in den Bau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage und 34 Wohnungen. Das Haus trägt den Namen Altstädter Eck. Lediglich eine Drei-Raum-Wohnung steht noch leer.

Beide Gebäude gaben nach über 25 Jahren Brache der Spremberger Straße in diesem Bereich eine neue Fassung. Zwei kleine neue Straßen wurden gebaut. Die Spremberger Straße hat jetzt zwischen Seniorenheim und Wohnanlage „Krokuswiese“ eine neue Stichstraße. Neben dem Altstädter Eck beginnt die Kleine Bleiche. Sie ist die Erschließungsstraße für ein Eigenheimgebiet mit zwei Bauabschnitten.

Es gehört wohl eher zu den Zufällen, dass ausgerechnet in dieser Zeit auch die Landestalsperrenverwaltung den Elsterfließ zwischen Schwarzer Elster und dem ehemaligen Stadtmühlenwehr komplett umgestalten ließ. Der Blick vom ebenfalls neu gebauten Mühlensteg Richtung Fischerstraße über den mäandernden Fließ gehört wohl zu den idyllischsten, die Hoyerswerda derzeit zu bieten hat. Nebenan entstand ein Apartmenthaus. Und jetzt wirkt das alles schon fast wie selbstverständlich.

Doch wie geht es weiter? Das massive Baugeschehen hat sich offenbar gerade in den Bereich der Frentzelstraße verlagert. Hier baut der Freistaat ein Gebäude zum Sitz der Kriminalpolizei um, private Investoren bauen die alte Orthopädie, das ehemalige Wehrkreisersatzkommando und das ehemalige Gesundheitsamt jeweils zu Mehrfamilienhäusern um. Auf dem Förderzentrum für Körperbehinderte wird das Dach repariert und auf dem Pforzheimer Platz baut das Druckhaus Scholz neu. Die Stadt selbst hat das Parkraumkonzept auf dem Schirm. Die Erneuerung des Neumarktes samt Bau eines Parkplatzes sind in diesem Zusammenhang noch offen. In der Kleinen Bleiche sind noch nicht alle Grundstücke bebaut. Und an der Kolpingstraße kann bald gebaut werden. Aber einen Bauboom wie in den vergangenen zwei Jahren kann es in der Altstadt so schnell nicht wieder geben – es ist kein Platz mehr. Jedenfalls nicht in dieser Größenordnung.

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