So schmeckt Heimat

Montag, 13. Oktober 2014

Bei den Kostehappen von Spreewald-Koch Peter Franke aus Werben griffen die Besucher des Erntedankmarktes gern zu.
Bei den Kostehappen von Spreewald-Koch Peter Franke aus Werben griffen die Besucher des Erntedankmarktes gern zu.

Von Andreas Kirschke

Ist Erntedank nur noch historische Rückschau? Ist es der Lobpreis auf Billig-Erdbeeren im Supermarkt? Der Verweis auf Gentechnik und die damit hergestellte Nahrung? „Erntedank ist Rückbesinnung auf die Abhängigkeit von Mutter Natur. Das zu erkennen, ist uns allemal eine Feier wert“, meinte Dr. Wolfgang Køesák, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Wittichenau, am Sonnabend bei der Einweihung des neuen Kuhstalls in der Krabat-Milchwelt Kotten im Zuge des Erntedank- und Kirmesmarktes (TAGEBLATT berichtete). Über 50 Erzeuger, Direktvermarkter, Handwerker und Händler aus Sachsen und Brandenburg stellten sich auf dem Markt vor. 
„Wir wollen für die heimische Wertschöpfung sensibilisieren“, unterstrich Mitorganisator Tobias Kockert, Geschäftsführer im Bereich Vermarktung der MKH Agrar-Produkte-GmbH Wittichenau. Traditionell feiert Wittichenau am zweiten Oktober-Sonntag Kirmes. Der Markt in der Krabat-Milchwelt stimmt darauf ein. Diesmal widmete er sich unter anderem dem Kürbis. Spreewald-Koch Peter Franke aus Werben erfreute mit Kürbis-Suppe, Kürbis-Aufstrich und weiteren schmackhaften Speisen. Die Krabat-Milchwelt bot Kürbis-Käse feil. Die Erntekrone stammte vom Verein Krabatmühle e. V. Schwarzkollm. 
Für Holger Schulz, Geschäftsführer Feldbau und Milchproduktion der MKH Agrar-Produkte-GmbH, heißt Erntedank vor allem Dank an die 70 Mitarbeiter. Lief doch die Produktion während des gesamten Stallbaus weiter. Erntedank ist für ihn auch Dank an die über 800 Verpächter. Rund 2 500 Hektar Flächen zwischen Hoyerswerda und Kotten sowie zwischen Liebegast und Groß Särchen stellen sie dem Betrieb zur Verfügung. „Rein quantitativ war es eine sehr gute Ernte“, sagte der Geschäftsführer. „Doch die Qualität – vor allem des Roggens – litt wegen der ungünstigen Witterung zur Erntezeit.“ Diese zog sich bis Ende August hin. Üblich ist die Ernte bis Mitte August. Sie brachte dieses Jahr Erträge mit 46 Dezitonnen pro Hektar Roggen, 60 bis 70 Dezitonnen pro Hektar Weizen und Wintergerste, 420 Dezitonnen pro Hektar Kartoffeln und 450 Dezitonnen pro Hektar Silomais. „Zwar waren die Erträge sehr gut. Doch vor allem die Getreidepreise liegen im Keller“, schätzte der Geschäftsführer ein. „Die Erlöse sind nicht zufriedenstellend.“
Umso dankbarer ist er für die enge Vernetzung mit anderen Direktvermarktern in der Region. „Wir können uns gegenseitig unterstützen“, unterstrich André Noack, Verantwortlicher für Vermarktung im Hofgut Kaltenbach Thiendorf-Welxande. Von Anfang an nimmt der Betrieb am Kottener Erntedank- und Kirmesmarkt teil. Im Verein „Direktvermarktung Sachsen e. V.“ mit 190 Mitgliedern und in der Initiative „Die Lausitz schmeckt“ engagiert sich der Familienbetrieb mit seinen zwölf Mitarbeitern. „Mit der Direktvermarktung sichern wir dem Kunden kurze Wege. Damit sichern und schaffen wir Arbeitsplätze in der Region“, unterstrich André Noack. „Wir sensibilisieren für den Geschmack der Heimat.“ Erntedank heißt für André Noack vor allem Rückbesinnung, Entschleunigung und Innehalten. Es ist der Dank für eine segensreiche Aufzucht der Tiere und Ernte auf dem Feld. 
Wie er legt auch der Demitz-Thumitzer Bäckermeister Willy Bleschke Wert auf kurze Wege. Sieben Sorten Brot in Bioqualität stellt er her. Das Mehl liefert ihm die Mühle Robert Bresan aus Sollschwitz. Das Biomehl kommt aus der Rätzemühle Arndt Unger Spittwitz. „Die Vielfalt an Brotsorten, die vollen Läden und Regale sind nicht selbstverständlich“, meinte er. Der Erntedank führt ihn zu mehr Genügsamkeit und Innehalten zurück. Brot aus Natursauerteig, Quark-Kräuterbrot, Gemüseleib, Gutsherrenbrot und weitere Brote bot er auf dem Kottener Markt feil. Das wussten Renate und Wilfried Rochor aus Dörgenhausen zu schätzen. Erntedank heißt für sie der Dank für die Ernte im Garten. Dort freuen sie sich dieses Jahr über reichlich Möhren, Bohnen, Kohlrabi, Erdbeeren, Sellerie, Porree und Gurken. Mit viel Liebe legt Renate Rochor das Gemüse in Salz ein. „Das mache ich seit 50 Jahren“, meinte sie stolz. „Salz konserviert. So haben wir den gesamten Winter immer genug Suppengrün für Eintöpfe. Damit beglücken wir auch Familie und Freunde.“ Es ist ihr ganz persönlicher Erntedank. Und das Jahr für Jahr. „Wir wollen den Erntedank- und Kirmesmarkt als Tradition fortsetzen“, versicherte Tobias Kockert. „Der Besucheransturm gibt uns Recht. Begonnen hat jetzt vielerorts der Verkauf der Kartoffeln. Wer einkellern und bevorraten kann, sollte handeln. Denn jetzt können die Landwirte ihre Kartoffeln frisch vom Feld liefern.“ 

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