Richtig zu stürzen, das will gelernt sein

Dienstag, 11. November 2014

Physiotherapeutin Claudia Winkler zeigt dem 69-jährigen Rainer Lapstich Übungen zur Kräftigung der Rückenmuskulatur. Foto: SiRi
Physiotherapeutin Claudia Winkler zeigt dem 69-jährigen Rainer Lapstich Übungen zur Kräftigung der Rückenmuskulatur. Foto: SiRi

Die Gefahr eines Sturzes kann alle Altersgruppen betreffen. Aber Senioren sind in dieser Hinsicht besonders gefährdet. Denn im Alter ändert sich die Körperhaltung, wird damit das Risiko eines Sturzes erhöht. Auch ein Schlaganfall kann den Gleichgewichtssinn oder die Fähigkeit zu gehen, empfindlich schädigen. Die Folgen eines Sturzes können bei Senioren fatal sein. So verlieren ältere Menschen häufig nach einem Sturz das Vertrauen in ihre eigenen Kräfte, trauen sich kaum aus dem Haus zu gehen. In der Hoy-Reha bietet man seit einiger Zeit auch Sturzpropyhlaxe-Kurse an. TAGEBLATT sprach mit einer der dort arbeitenden Physiotherapeuten.

Frau Winkler, was bedeutet Sturz-Prophylaxe eigentlich aus physiotherapeutischer Sicht?
Sturzprophylaxe in der Physiotherapie heißt so viel wie körperliche Voraussetzungen zu schaffen, um einen Sturz nach Möglichkeit zu vermeiden. Dazu gehört die Schulung der Beweglichkeit von Gelenken. Die Kräftigung der Muskulatur steht im Mittelpunkt sowie die gezielte Reaktion des Gleichgewichtssinnes zur Vermeidung von Stürzen. Und ganz wichtig ist auch immer wieder die richtige Einschätzung von Gefahrensituationen im Alltag.

Welche Altersgruppen sollten besondere aufpassen?
Auf jeden Fall ältere Menschen. Das gilt aber auch für Menschen mit Vorerkrankungen wie Osteoporose und Diabetes. Auch Patienten, die einen Gelenkersatz haben, müssen sehr aufpassen.

Welche Präventionsmaßnahmen gibt es, um Stürze zu vermeiden?
Unbefestigte Teppiche und auch Brückenläufer können zur Unfallquelle werden, weil man daran hängen bleiben kann. Da kann man im schlimmsten Fall stürzen und sich verletzen. Also am besten die Teppiche aus dem Wohnraum entfernen. Im Dunklen beispielsweise ist es auch nicht ratsam, zur Toilette zu gehen. Des Weiteren hilft daheim auch das Tragen von festem Schuhwerk. Zudem ist eine regelmäßige körperliche Betätigung für eine kräftige Muskulatur wichtig, dadurch bleibt man nicht nur fit, sondern verletzt sich bei einem möglichen Sturz nicht so schwer.

Gibt es ein „Fallmuster“, also wie man richtig fällt, um Verletzungen zu vermeiden?
Nein, das gibt es in dieser Form für den normalen Menschen nicht. Es sei denn, man ist beispielsweise als Sportler aktiv und betreibt etwa Judo oder Karate. Bei diesen Sportarten wird ja das richtige Fallen und Abrollen im Training immer wieder geübt. Solche Fallübungen können natürlich auch ältere Menschen erlernen. Und die sind im Alltag auch überaus hilfreich.

Es gibt in der Hoy-Reha aber auch Kurse in Bezug auf Sturzprophylaxe.
Es gibt tatsächlich spezielle Sturzprophylaxe-Kurse für interessierte Teilnehmer. Dort kann man sich nicht nur theoretisch informieren, sondern es wird mit den Teilnehmern auch praxisnah geübt. Etwa wie sich Stürze vermeiden lassen. Auch bieten wir sportive Trainingsangebote je nach Altersklasse. Aber auch bei unserem Seniorensport, der in unserer Einrichtung regelmäßig stattfindet, wird regelmäßig auf das Thema Sturzprophylaxe eingegangen, geben wir den Teilnehmern Orientierungshilfen für den Alltag und wie sie sich fit halten können.

Was können Senioren denn selbst tun, um körperlich fit zu bleiben?
Körperlich, aber auch geistig rege zu bleiben, das ist immer die beste Sturzprophylaxe. Wer geistig fit bleibt, ist auch im Alltag aufmerksamer, sieht oder bemerkt schon im Vorfeld Dinge, die zu einem Sturz oder Stolpern führen können. Walken als eher mäßiges Laufen je nach individuellem Gesundheitszustand oder täglich regelmäßige Spaziergänge, Gymnastik und Dehnungsübungen können auch daheim oder draußen problemlos durchgeführt werden. Das macht nicht nur Spaß, sondern schult Körper und Geist gleichermaßen. Wenn man dann auch so etwas gemeinsam mit Freunden und Bekannten durchführt, fördert das obendrein auch noch den Gemeinschaftssinn.

Gespräch: Silke Richter

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