Reichlich Arbeit im Asylbewerberheim

Donnerstag, 09. Januar 2014

Neben dem Eingang wurde der Bereich für die Heimbetreuer abgetrennt. Nächste Woche muss er fertig sein.
Neben dem Eingang wurde der Bereich für die Heimbetreuer abgetrennt. Nächste Woche muss er fertig sein.

An der Pinnwand in der Küche steht Januar, daneben ein Rezept für Hähnchenkeule auf Paprikagemüse. Doch in der künftigen Hoyerswerdaer Asylbewerberunterkunft in der Dillinger Straße kann noch nicht gekocht werden. Die Pinnwand ist ein Überbleibsel der Albert-Schweitzer-Schule, die hier bis zum Ende des letzten Schuljahres untergebracht war. Jetzt baut der Landkreis Bautzen das Schulgebäude zum Asylbewerberheim um. Am 17. Januar soll der erste Teilbereich fertig sein und am 20. Januar an den Betreiber des Heimes übergeben werden.

Dabei handelt es sich um die beiden Obergeschosse des alten Schulgebäudes, den Betreiberbereich, Küchen und Gemeinschaftsräume. Einen Monat später muss dann auch der Rest des Heimes fertig sein. Tobias Handank, Sachbearbeiter Hochbau beim Gebäude- und Liegenschaftsmanagement des Landkreises, ist für das Bauprojekt zuständig. Und er hat keinen Zweifel daran, dass die Firmen dann so weit sind. Vor zehn Jahren, als die Schule noch der Stadt Hoyerswerda gehörte, war hier schon mal teilsaniert worden. Elektrik, Fenster und Türen sind in gutem Zustand, auch die Sanitärbereiche neben dem ehemaligen Sportraum kann man eher als neu denn als gebraucht bezeichnen.

Der Fußbodenbelag bleibt erhalten, auch da, wo er schon sehr abgewetzt ist. Dass einige Wände zu Schulzeiten farbig gestrichen wurden, empfindet nicht nur Tobias Hadank als angenehm. Man lässt es so. Was neu gestrichen werden muss, wird allerdings weiß. Und doch muss der Landkreis 900 000 Euro investieren, um aus der Schule ein Asylbewerberheim zu machen. Von diesem Geld werden unter anderem einbruchhemmende Fenster für die Wohnbereiche im Erdgeschoss sowie im Souterrain angeschafft, aber auch Brandschutztüren. Sanitärräume und Teeküchen werden auf jeder Etage hergerichtet. Neben dem Eingang ist schon der Betreiberbereich abgetrennt. Hier laufen auch die Kabel der künftigen Videoüberwachung des Außenbereiches zusammen. Der wird gerade noch zum Stadtarchiv hin mit einem Zaun abgetrennt.

Überall sind Handwerker aus der Region am Arbeiten, um im Auftrag des Landkreises das Gebäude gemäß den Mindestanforderungen für die Unterbringung von Asylbewerbern herzurichten. Die alten Schulmöbel sind raus, auf andere Schulen im Landkreis verteilt oder eingelagert. Was jetzt noch da ist, soll ebenfalls noch eine Nachnutzung finden. Was aus dem riesigen Pappmaché-Elefanten und dem bunten Afrika-Bild im Foyer wird, ist noch nicht klar. Ansonsten sind derzeit nur die beiden Küchen im Souterrain möbliert.

Es sind die Lehrküchen der Schweitzer-Schule, für die das Schulamt des Kreises keine neue Verwendung sah. Der Heim-Betreiber, die in Essen ansässige European Homecare GmbH, übernimmt die Küchen. Nebenan ist ein Speiseraum denkbar, der aber eher multifunktional genutzt werden soll, wie Renate Walkenhorst, die Pressesprecherin von European Homecare, sagt. Anfang nächster Woche gibt es den nächsten Vor-Ort-Termin zwischen Kreis und Betreiber. Dann soll auch geklärt werden, wann es den vom Landkreis angekündigten Tag der offenen Tür im Heim geben wird.

Der Landkreis ist nur dafür zuständig, die Räume zur Verfügung zu stellen. Der Betreiber sorgt hingegen für die Ausstattung. Die wird laut Renate Walkenhorst teils neu gekauft, teils aus dem Depot des Unternehmens entnommen. Immerhin ist die Firma seit 1989 im Geschäft, betreibt deutschlandweit Heime, so auch das in Bischofswerda. Im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung hatte man den Zuschlag für Hoyerswerda bekommen. Am 20. Januar sollen die ersten Möbel geliefert, die Zimmer eingerichtet werden. Gemäß der entsprechenden sächsischen Verwaltungsvorschrift müssen jedem Bewohner eines Asylbewerberheimes mindestens sechs Quadratmeter Wohn- und Schlafraumfläche, ein Bett, ein abschließbarer Schrank (oder ein Schrankteil), ein Tischplatz und dreißig Liter Stauraum in einer Kühleinrichtung zur Verfügung gestellt werden.

Gemeinschaftsküchen, nach Geschlechtern getrennte Gemeinschaftsbäder, Wasch- und Trockenmöglichkeiten für die Wäsche gehören ebenfalls zu einer Heimausstattung. Wie die Gemeinschaftsräume ausgestattet werden, welche Angebote der Heimbetreiber unterbreitet, ist ihm überlassen. Dass es draußen einen Sandkasten, eine Tischtennisplatte und einen Kinder-Basketballkorb gibt, dürfte Familien freuen. Doch ob und wie viele Familien aus der Erstaufnahmeunterkunft in Chemnitz nach Hoyerswerda geschickt werden, weiß niemand. Es ist gängige Praxis, dass Kreis und Betreiber erst wenige Tage vorher erfahren, wie viele Personen aus welchem Land und mit welchem Familienstatus ankommen. Und dann muss der Betreiber auch immer noch ein paar Plätze in Reserve haben für überraschende Zuweisungen. Platz wird im Asylbewerberheim in der Dillinger Straße 4 für insgesamt 120 bis 140 Personen sein.

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