Objekt extrem

Donnerstag, 20. November 2014

Im Außenbereich der Energiefabrik Knappenrode soll die Zahl der Großexponate reduziert werden. Ende des Jahres soll nun feststehen, was bleibt.
Im Außenbereich der Energiefabrik Knappenrode soll die Zahl der Großexponate reduziert werden. Ende des Jahres soll nun feststehen, was bleibt.

Von Uwe Schulz

Die Situation im größten Bergbaumuseum der Lausitz ist etwas kompliziert geworden. Die bisherige Leiterin der Energiefabrik Knappenrode, Kirstin Zinke, ist eigentlich beim Zweckverband Sächsisches Industriemuseum angestellt, derzeit aber abgeordnet zum Landkreis Bautzen, um den angestrebten Umbau des Museums zu koordinieren. Die Leitung in Knappenrode übernahm der bisherige Technische Leiter. Der geht aber in den nächsten Tagen in den Ruhestand. Bei Presseanfragen, wir haben sie der Einfachheit halber an den Landkreis Bautzen als Museumsbesitzer gestellt, werden die Antworten dann von mindestens drei verschiedenen Stellen zugearbeitet – teils vor Ort von den Museumsmitarbeitern, teils vom Zweckverband, teils vom Landratsamt. Gern mit dem Verweis der Zuständigkeit auf den jeweils anderen. Man merkt schnell – hier ist eine Behörde am Werk. Doch das Bergbaumuseum, vor Jahren in Energiefabrik umgetauft, soll nun unter dem Arbeitstitel „Der Koloss von Knappenrode. Objekt extrem“ fit gemacht werden für die Zukunft. Das zugrunde liegende Konzept ist etwa zehn Jahre alt und beinhaltet im Wesentlichen die drastische Flächenreduzierung des Museums und vor allem des Außenbereichs, Aufgabe und Vermarktung nahezu aller Nebengebäude im Eingangsbereich, Schaffung von neuer Zufahrt und Parkplätzen, Konzentration auf das Wesentliche. Das Ganze wurde schon mehrfach vorgestellt, auch vor den Kreisräten und den Hoyerswerdaer Stadträten. Die Strategie klingt großartig, vor allem, wenn sie im Brustton der Überzeugung vorgebracht wird. Nur wenn es um Details geht, dann wird es schnell einsilbig und schmallippig. Denn derzeit ist das meiste auch nur vage. Mit dem Einsatz von 8,74 Millionen Euro soll das Bauliche umgesetzt werden. Die Landkreis-Beigeordnete Birgit Weber ist überzeugt davon, dass es mit den dabei erhofften 6,9 Mio. aus einem Förderprogramm des Bundes klappt. Von einer Zusage ist nichts bekannt. Beim Inhaltlichen verweist man auf den Zweckverband. Aber der hat alles andere als ein unerschöpfliches Budget und muss auch um Fördermittel kämpfen. Nicht einmal der Personalbestand für den normalen Museumsbetrieb, geschweige denn für die Zeiten des größten Umbaus seit vielen Jahren, ist derzeit in Knappenrode gesichert.
„Die Besetzung von Stellen bzw. die Schaffung neuer Stellen ist abhängig vom Zuschuss des Freistaates Sachsen an den Zweckverband und der sich daraus ergebenden Umlage der Träger“, teilt Andrea Riedel, Direktorin des Sächsischen Industriemuseums Chemnitz mit. Der Stellenplan werde mit dem Doppischen Haushalt 2015 beschlossen. „Bis dato erfolgten Vorgespräche zwischen dem Zweckverband und dem Träger der Einrichtung, dem Landkreis Bautzen.“
Im Ortsteil Knappenrode ist man nervös, weil befürchtet wird, dass die Fabrik von der einstigen Werkssiedlung immer weiter abgenabelt wird. Und mancher, der sich ehrenamtlich mit Herzblut der Fabrik, der Bergbautradition gewidmet hat, sagt jetzt deutlich, dass er keine Lust mehr hat, weil vieles von dem in den letzten 20 Jahren Geschaffenen nun mit einem Fingerschnippen aufgegeben werden soll. Genaueres ist in einigen Wochen zu erfahren. Vielleicht.
Für die bauliche Umgestaltung der Energiefabrik Knappenrode wurde seitens Projektmanagerin Kirstin Zinke dieser Tage eine „AG Museum“ etabliert. Diese soll als eine Kommunikationsplattform für die Bereiche, welche an der baulichen Umgestaltung direkt beteiligt sind, verstanden werden. Der gehören laut Mitteilung des Landratsamtes neben der Projektmanagerin Vertreter von Museum, Zweckverband, Gebäude- und Liegenschaftsamt, Kreisentwicklungsamt (beides Landratsamt), Förderverein, Planungsbüros und LMBV an. Zu tun gibt es wirklich reichlich.

Fragen zur Energiefabrik, beantwortet von Landratsamt und Zweckverband Sächsisches Industriemuseum.

Im Oktober gab es vom Freistaat 500 000 Euro. Was wird davon bezahlt?
Aus diesem Budget werden vom Zweckverband Sächsisches Industriemuseum Maßnahmen zur Flächenreduzierung der musealen Einrichtungen in der Energiefabrik Knappenrode umgesetzt. Dabei handelt es sich unter anderem um die Bestandsanalyse und die Bewertung der Maschinen- und Anlagentechnik, um Sicherung und Verwahrung von Objekten und Exponaten und die Entkernung für künftig zu nutzende Ausstellungs- und Depotbereiche.

Welche der Großobjekte bleiben im Bestand, welche werden verschrottet?
Eine entsprechende Liste wird im Rahmen der oben genannten Maßnahme erstellt. Der Zweckverband ist bestrebt, im engen thematischen Verständnis des Standortes als Repräsentant der Lausitzer Bergbaugeschichte, als historische Brikettfabrik und als Identifikationsort vieler im Bergbau Beschäftigter eine möglichst große Zahl an Objekten zu konzentrieren und zu erhalten. Ende Dezember, so heißt es in der Antwort weiter, soll die Liste fertig sein.

Wann wird der Außenbereich reduziert?
Erste Reduzierungen beginnen im Rahmen der Maßnahme zur Flächenreduzierung. (Anm. d. Redaktion: Das ist die Original-Antwort!)

Welche umbaubedingten Sperrungen, Einschränkungen wird es geben?
Wie bei jeder größeren Baustelle wird der Baufortschritt die Einschränkungen/Sperrungen bestimmen. Diese werden zeitig kommuniziert.

Wer kümmert sich um die Ausstellungsinhalte und das Geld dafür?
Für die Inhalte der Ausstellung erarbeitet der Zweckverband ein Konzept. In Abhängigkeit vom Baufortschritt werden Anträge auf Fördermittel gestellt.

Wird es auch 2015 die Fabrikfestspiele geben?
Die Fabrikfestspiele sind im Plan für das Jahr 2015 vorgesehen, die Durchführbarkeit ist jedoch abhängig von konkreten Baumaßnahmen.

Wann wird mit der Vermarktung nicht mehr benötigter Objekte begonnen?
Nach Fertigstellung des räumlichen Nutzungskonzeptes durch das Museum wird gemeinsam ein Umsetzungsplan erarbeitet. Dann kann mit der gezielten Ansprache von Interessenten begonnen werden. Zuständig ist das Gebäude- und Liegenschaftsamt des Landkreises. Die inhaltlich notwendigen Zuarbeiten leistet das Projektmanagement. Der Landkreis favorisiert Partner, welche durch ihre Angebote die kulturelle und touristische Entwicklung des Standortes und des Lausitzer Seenlandes vorantreiben. Vermietung, Verpachtung, aber auch Verkauf sind dahingehend zu prüfen, ob sie im Einklang mit dem denkmalgeschützten Ensemble stehen, welches auch die Bedeutung der ehemaligen Kolonie Werminghoff benennt. 

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