OB Skora verspricht Diskussion zu Abriss im WK III

Mittwoch, 25. Juni 2014

Es war die letzte Sitzung des 2009 gewählten Stadtrates. Die Mitglieder wurden von OB Stefan Skora verabschiedet. Zwei Stunden zuvor hatte er den Beschluss zu Abriss-Fördermitteln von der Tagesordnung genommen.
Es war die letzte Sitzung des 2009 gewählten Stadtrates. Die Mitglieder wurden von OB Stefan Skora verabschiedet. Zwei Stunden zuvor hatte er den Beschluss zu Abriss-Fördermitteln von der Tagesordnung genommen.

Von Mirko Kolodziej

Ursprünglich war Siegfried Hörhold gestern vor allem zwecks kritischen Fragens in die letzte Stadtratssitzung der zu Ende gehenden Wahlperiode gekommen, doch dann sprach er auch ein Lob aus. Eine „richtige und vernünftige Entscheidung“ nannte er in der Bürgerfragestunde, was Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) vorher über Beschluss-Vorlage Nummer 921-I-14 verkündet hatte: „Ich setze sie von der Tagesordnung ab.“

Der Beschluss befasst sich mit einem Fördermittel-Antrag zum „Rückbau von Wohngebäuden“, sprich zum weiteren Abriss in der Neustadt. Es geht um zusätzliches Geld für die Jahre 2015 bis 2018. Die entsprechenden Anträge weisen unter anderem auch die Kopfzeile „genaue Bezeichnung der Einzelmaßnahme (Straße, Hausnummer...) auf. Die öffentliche Beschlussvorlage enthält neun Positionen für die Jahre 2014 bis 2017 – in den WK IV, V, VII und IX. Eine bisher nur nichtöffentlich beratene Anlage listet für 2016 bis 2018 aber auch neun Blöcke im zentrumsnahen WK III auf.

In einem, nämlich der Becherstraße 1 bis 5 (laut Geheim-Anlage 2 „geplante Realisierung: 2018“) wohnt Siegfried Hörhold. Er war gestern nicht der einzige Betroffene im Stadtrat. Denn kaum hatte das TAGEBLATT nach Einsicht in die besagte Anlage vor einigen Tagen von den Abriss-Überlegungen berichtet, wurde Protest laut. Und so war der Beginn der letzten Sitzung des aktuellen Stadtrates recht turbulent. Ohne sich groß um die Geschäftsordnung zu kümmern, machten einige Gäste ihrem Unmut Luft. Eine Besucherin zitierte gar das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Da hatte Skora allerdings schon erklärt, dass er mit den Fraktionschefs den Verzicht auf die Abstimmung zu Vorlage 921-I-14 vereinbart hatte. „Ich nehme die Briefe, die Sie mir geschrieben haben, sehr ernst“, wandte sich der OB an die anwesenden WK-III-Bewohner und fuhr fort: „Wir werden das Thema bei der Weiterführung des Stadtentwicklungskonzeptes mit der von Ihnen geforderten Bürgerbeteiligung diskutieren.“

Zwar haben die Wohnungsunternehmen der Stadt, wie Wohnungsgesellschafts-Chefin Margitta Faßl erklärt, durchaus die Möglichkeit, bewilligtes Fördergeld auch auf andere Gebäude umzuleiten. Nur ist auch klar: Es werden aus verschiedenen Gründen langsam die Alternativen knapp. Schon 2012 hieß es in einer Broschüre des Bundesbauministeriums zum Stadtumbau bezüglich Hoyerswerdas Stadtentwicklungskonzept: „Es macht sichtbar, dass langfristig weitere Eingriffe in die Baustruktur einschließlich weiterer deutlicher Bestandsreduzierungen in derzeit noch nachgefragten und zu erhaltenden Quartieren notwendig sein werden.“ Denn voriges Jahr hat Hoyerswerda immer noch fast 700 Bewohner verloren – etwa hundert mehr passen in die neun Häuser im WK III.

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Kommentar von A.Mücke |

Sehr demokratiebezogen finde ich die Ansicht des OB Herrn Stefan Skora, dass er das aktuelle Thema Abriss mit den Bürgern öffentlich diskutieren will.

Er selbst wohnt nicht direkt in der City von Hoyerswerda, sieht aber wie ernst es um die Bewohner vom WK III steht.

Es geht nicht nur um Zahlen, sondern um Menschen, deren Großteil schon seit 1961 in den Wohnungen lebt. Leute, die sich eingelebt haben, ihre Kinder zur Schule gehen sahen und jetzt Rentner sind. WK III liegt im Stadtinneren. Seit 1961 ist viel Zeit vergangen, die Leute sind froh, dass sie nur einige Minuten zum Lausitz-Center brauchen und sich dort auch treffen und unterhalten können, z. T. mit Rollator. Es hieß früher, dass nur die Randzonen von Hoyerswerda abgerissen werden sollten. Zu Recht sieht hier die Stadt mit Stadtrat und O-Bürgermeister einen Diskussionsbedarf.

Es ist für mich ein gutes Zeichen, dass ein Oberbürgermeister die Sorgen der einfachen Menschen ernst nimmt.

Kommentar von W. Haupt |

Ich musste aus dem Hochhaus Einsteinstr. 1-4, nachdem es für Millionen saniert wurde. Jetzt wohne ich seit 16 Jahren im WKIII und fühle mich hier wohl. Das ist ein WK in direkter Zentrumnähe. Anbindung an Ärzte, KH, Einkaufseinrichtungen +Lausitzcenter sind super. Es ist nur ein geringer Leerstand. Warum baut man nicht vom Stadtrand zurück? Wenn von hier 800 Personen weg müssen ist die Auswirkung auf oben genannte (positive Einrichtungen) sehr negativ.
Ich glaube das interessiert den OB und die Wohnungsgesellschaft wenig. Man hat sich ja auch über "das Bürgerbegehren Krokuswiese am Zoo" hinweggesetzt. Ich glaube eher dem OB geht es weniger um die Menschen als um die Belegung "seiner kleinen feinen Altstadt" und vielleicht gibt es schon neue Bauinteressen, die mehr Geld bringen.
An die Sorge des OB glaube ich erst, wenn er dem Begehren der Bürger nachgibt.