Nur acht Jungstörche haben überlebt

Samstag, 21. September 2013

Ein Weißstorch unterwegs bei fast wolkenlosem Himmel. Als die Jungtiere in diesem Jahr zur Welt kamen, hätten sie häufiger solche Bedingungen gebraucht. Foto: Rico Hofmann (A)
Ein Weißstorch unterwegs bei fast wolkenlosem Himmel. Als die Jungtiere in diesem Jahr zur Welt kamen, hätten sie häufiger solche Bedingungen gebraucht. Foto: Rico Hofmann (A)

Seit 2005 ist Marko Zischewski ehrenamtlicher Weißstorchregionalbetreuer. Über das Jahr 2013 sagt der Lohsaer. „Es war das schlechteste bisher.“ Die Einschätzung bezieht sich auf die Zahl der Jungtiere, die in den vergangenen Monaten flügge geworden sind. Gerade einmal acht waren es im Altkreis Hoyerswerda, nach 32 im Vorjahr. Eigentlich waren es nur sieben, die in den hiesigen Nestern flügge geworden sind, denn ein Jungtier konnte nur im Görlitzer Tierpark aufgepäppelt werden. In anderen Regionen sah es ähnlich schlecht aus, weiß Zischewski. Die Tiere hatten in diesem Jahr mit extremem Regen zu kämpfen. Die meisten Jungstörche haben den Kampf verloren.

Es gab im Frühjahr zwei Regenperioden, erklärt der Weißstorchbetreuer. „Die erste hat bei uns den Störchen noch nicht so viel ausgemacht.“ Es war eine frühe Phase, in der die Tiere noch nicht geschlüpft, bzw. noch so klein waren, dass sich der Altvogel draufsetzen konnte. Die zweite starke Regenperiode hat die Tiere dann stärker getroffen. Und so häuften sich in diesem Frühjahr die Meldungen von toten Jungtieren.

Aus Seidewinkel, wo im Vorjahr noch drei Jungtiere groß geworden sind, wurden vier tote Störche gemeldet, aus Wiednitz drei Jungtiere aus dem Nest geworfen. Das vierte hat es überlebt und ist groß geworden. Ebenso die beiden Jungen aus Keula, dem Ort, in dem Herbert Schnabel lebt, der Vorsitzende der Ortsgruppe des Wittichenauer Naturschutzbundes. Er sagt, die Nester können sich verhältnismäßig schnell mit Wasser zusetzen, nicht nur, wenn die Störche zum Teil auch Folie zum Nestbau verwenden. Das geschehe auch mit anderen Materialen. „Wenn die Nester dauerhaft klamm sind, können die Tiere eine Lungenentzündung bekommen.“

Völlig unterkühlt waren auch die Tiere, die im Nest der Wittichenauer Stadtbrauerei geschlüpft sind. Sie wurden zunächst in einer Rettungsaktion mit einer Hubbühne Ende Juni von Tierpflegerin Kerstin Vollrath übernommen. Ein Tier konnte im Tierpark Görlitz durchgebracht und im Biosphärenreservat Wartha ausgewildert werden. „Für das natürliche Brutpaar wäre er verloren gewesen“, sagt Marko Zischewski. Wie viele Küken es nicht überlebt haben, ist dem Regionalbetreuer nicht bekannt.

Vor dem großen Regen konnte er mit der Ausgangslage zufrieden sein. 16 Brutpaare hatten sich im Altkreis niedergelassen. Das Schwarzkollmer Nest war wie schon vor zwei Jahren wieder besetzt. Ebenso ließ sich seit langer Zeit wieder ein Paar auf dem Hoyerswerdaer Nest am Kinderhaus am Zoo nieder. In Spohla hoffte man vergeblich. Rückblickend lief die Geschichte sehr unglücklich: Als bereits Störche dabei waren, sich wie im Vorjahr auf einem bestehenden Nest auf einem Strommasten einzurichten, baute der Stromversorger enviaM das Nest ab – um Schäden für Tiere und Mast zu vermeiden.

Für den neuen Mast, recht schnell zwei Tage später 75 Meter weiter aufgestellt, interessierten sich die Tiere zwar, dauerhaft niederlassen wollten sie sich aber nicht. Die Anwohner hofften vergeblich auf das vertraute Geklapper.
Mittlerweile sind die Störche längst in ihre Winterquartiere aufgebrochen. Herbert Schnabel hat die letzten Tiere am 28. August in Groß Särchen sowie in Wartha gesehen. Negative Auswirkungen für die Population der Tiere muss das Jahr mit den wenigen Jungtieren nicht zwangsläufig haben. „Wenn es bei einem Jahr bleibt, ist es nicht kritisch“, sagt Zischewski. Das extreme Jahr hat nicht die Störche so sehr getroffen, auch andere Arten, wie die Wiedehopfe. „Die haben aber Zeit für eine zweite Brut“, so Zischewski.

Orte, in denen Jungstörche in diesem Jahr groß geworden sind: Steinitz (2), Wiednitz (1), Keula (2), Dörgenhausen (2). das Jungtier von Wittichenau wuchs in Görlitz auf

Zurück

Einen Kommentar schreiben