Neue Rasthütte krönt Mammut-Verfahren

Donnerstag, 14. August 2014

Mit in sein Büro nehmen kann der Spreetaler Bürgermeister Manfred Heine zwar nicht die große Holzkonstruktion, wohl aber das Modell davon. Foto: Gernot Menzel
Mit in sein Büro nehmen kann der Spreetaler Bürgermeister Manfred Heine zwar nicht die große Holzkonstruktion, wohl aber das Modell davon. Foto: Gernot Menzel

Von Mirko Kolodziej

An der Stelle, die man in Burghammer als „Schneiderplatz“ kennt und an der 1963 die Tagebau-Bagger mit der Braunkohleförderung begannen, steht jetzt eine Schutzhütte: zwei Bänke, ein Tisch und ein Dach – alles fest verbunden. Obendrüber ein Schild: „Am Wehr“. Denn in der Nähe fließt Wasser aus der früheren Grube, dem heutigen Bernsteinsee, in die Kleine Spree.

Von der hölzernen Rasthütte nahe dem Seerundweg kann man aufs Wasser schauen. Gebaut haben das Häuschen aus Fichtenholz Jürgen Thietz aus Burghammer und der langjährige Ortsvorsteher Hans-Peter Frey. Das nötige Geld ist bei einem aufwendigen Verwaltungs-Verfahren übriggeblieben. Spendiert hat es die sogenannte Teilnehmergemeinschaft des Flurneuordnungsverfahrens Burghammer. Das sind alle jene Grundstückseigentümer, deren Flächen vom Tagebau betroffen waren. Eigentums- und Nutzungsverhältnisse in Liegenschaftskataster und Grundbüchern wieder in Ordnung zu bringen, ist Ziel der bergbaubedingten Flurneuordnung.

Allein rund um Hoyerswerda laufen acht solcher Verfahren – für die früheren Bergbaugebiete Laubusch, Skado, Bluno, Spreetal, Scheibe, Dreiweibern, Knappenrode und eben Burghammer. Wobei Landrat Michael Harig (CDU) am Dienstag auch bezüglich 26 aus anderen Gründen angestrebten Flurneuordnungen im Kreis Bautzen feststellen durfte: „Burghammer ist die erste, die wir jetzt abschließen können.“ Nach ungefähr elf Jahren sind Handtuchstückchen zusammengelegt, verfügen wieder alle Grundstücke über eine Zuwegung, stimmen Aufmaße und Nutzungsarten in den behördlichen Unterlagen. „Für solche Verfahren ist immer viel Fingerspitzengefühl nötig“, bemerkte Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) am Dienstag am Bernsteinsee. Schließlich muss man bei der Veränderung von Flurstücken hier oder da jemandem etwas wegnehmen oder irgendwo etwas zuschlagen. Manchmal werden Ausgleichszahlungen nötig. Und je mehr Eigentümer beteiligt sind, desto mehr Kompromisse sind erforderlich.

Für das Gebiet des Bernsteinsees hat das geklappt. Die neuen Flurstücke sind vermessen, ihre Werte bestimmt, Kataster und Grundbuch angepasst. Das heißt zum Beispiel, dass die Gemeinde Spreetal den besagten Rundweg übernehmen kann. Das heißt aber auch, dass die Eigentümer der nunmehr neuen Flurstücke sie nun wirtschaftlich nutzen können. „Ohne Flurneuordnung klemmt es mit Investitionen. Wir als Gemeinde Spreetal freuen uns, dass hier im Verfahren alle Sorgen geheilt werden konnten“, meinte am Dienstag Bürgermeister Manfred Heine.

Und auch der staatliche Bergbausanierer LMBV, der das Verfahren am Bernsteinsee auf Grundlage einer 2001 mit dem Land Sachsen getroffenen Rahmenvereinbarung für alle Gebiete beantragt hatte, kann zufrieden sein, erklärte Abteilungsleiterin Evelyn Künzler: „Bei Anträgen für wasserrechtliche Genehmigungen oder für die Beendigung der Bergaufsicht sind korrekte Flurstücksnummern nötig.“ Auch Flächenverkäufe gehen rascher über die Bühne, wenn die Verhältnisse klar sind.
Für Spaziergänger und Radfahrer am Bernsteinsee ist das alles sicher weniger interessant. Wenn sie es wissen wollen, werden sie an der Schützhütte aber darauf hingewiesen. „Flurbereinigung Burghammer 2003-2014“ steht dort auf einer Plakette.

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