Mühsame Pionierarbeit

Dienstag, 21. Oktober 2014

Mit dem E-Trikke ist Andreas Mühle rasant unterwegs.
Mit dem E-Trikke ist Andreas Mühle rasant unterwegs.

Von Anja Wallner

Andreas Mühle sitzt über der Abrechnung. Seine erste Saison am Dreiweiberner See ist für dieses Jahr vorbei. Am Weißkollmer Strand verleiht und verkauft der Unternehmer mit seiner Firma e-speed & Solar (Elektro-)Mobile – E-Trikkes, die dreirädrigen Gefährte mit einem V-förmigen Rahmen, Lenker und Akku, die muskelkraftbetriebenen Me-Mover, sozusagen eine Mischung aus sattellosem Fahrrad und Stepper sowie weitere Fahrzeuge (TAGEBLATT berichtete mehrfach). Andreas Mühles Traum ist es, für die Trikkes und andere Mobile, die außerhalb der gängigen Norm liegen, die Straßenzulassung in Deutschland zu bekommen. Er ist Pionier auf diesem Gebiet, und er hat gemerkt, wie mühsam es ist, Pionierarbeit zu verrichten. 
Erst Anfang Juni hat Andreas Mühle mit Unterstützung der Gemeinde Lohsa die behördliche Ausnahmeerlaubnis für E-Trikkes auf kommunalen Radwegen bekommen – eine deutschlandweit einmalige Sache. Lohsas Verwaltung hat wie berichtet sogar ein E-Trikke als Dienstfahrzeug fürs Ordnungsamt angeschafft. 
Mit der Radwegzulassung begann für den engagierten Unternehmer aus Radibor auch der Verleihbetrieb in seiner provisorischen Station am Dreiweiberner See. „Zögerlich“ war der Start, sagt Andreas Mühle. „Später kamen mehr Leute, die Umsatzzahlen sind gestiegen, aber die Regelmäßigkeit fehlt.“ Genau abzählen kann er, wie viele Gäste er hatte: Im Juni waren es 14, im August immerhin schon 65. Klar: „Davon wird man nicht satt, das kann man eigentlich nicht mal als Hobby machen.“ 
Der Dreiweiberner See steht für ihn noch ganz am Anfang. Er, der, wie er sagt, „an der Basis“ arbeitet, meint, dass im Allgemeinen noch viel mehr Touristen in die Region kommen müssten. „Es kann nicht sein, dass wir 28 Grad haben, 20 Grad Wassertemperatur, schönstes Sommerwetter – und dann sind nur 24 Leute am Strand.“ Andreas Mühle rührt zumindest kräftig die Werbetrommel für den Standort. Im sozialen Internet-Netzwerk Facebook findet sich nahezu täglich mindestens ein neuer Eintrag. Etliche Sachen liefen aber noch nicht so, wie er sie sich vorstellt. Seit August kann man bei e-speed & Solar auch vier Wassertretboote und drei Angelboote leihen. „Das wurde nur teilweise angenommen. Es war einfach nicht bekannt.“ Seiner Ansicht nach muss der Strand ordentlich ausgeschildert werden. Die Strandzuwegung durch den Wald sei von der Staatsstraße aus schlecht gekennzeichnet. Er hat diesbezüglich einen Antrag bei der Gemeindeverwaltung gestellt, die sein Ansinnen aber an übergeordnete Behörden weiterreichen muss. Der Kommune ist Andreas Mühle dankbar, auf sie lässt er nichts kommen. „Sie hat mich sehr unterstützt.“ Ansonsten kann er sich aber hinsichtlich der Behördenarbeit etwas in Rage reden. Lange und nervenzehrend war sein Ringen um die Zulassung für die E-Trikkes und auch für das E-Taxi, wobei er bei Letzterem immer noch auf der Stelle tritt. „Die Behörden handeln nicht zugunsten der Unternehmer, dabei sollten sie ihnen beratend und unterstützend zur Seite stehen.“ 
Durch bürokratische Hindernisse werde der Region geschadet, sagt er. Und es sei kein Wunder, dass sich mancher das nicht gefallen lässt und woanders hingeht. Die Fans der außergewöhnlichen Fortbewegungsmittel scheinen es aber allgemein schwer zu haben. Andreas Mühle hat nach eigenen Angaben mit ähnlichen Anbietern aus ganz Deutschland gesprochen. „Die wissen alle nicht mehr weiter.“ Gesetzgeber und Behörden sollten schleunigst umdenken, meint er. 
Trotzdem wird er ab kommendem Frühjahr wieder am Dreiweiberner See anzutreffen sein. Die Vorbereitungen laufen bereits. Das Unternehmen zieht eine Standortveränderung am Dreiweiberner See in Erwägung – Details stehen aber noch nicht fest, und weiter möchte sich der Geschäftsführer noch nicht äußern. 
Der Fuhrpark soll erweitert werden, um (zulassungsfreie!, kindertaugliche) Gefährte ähnlich dem Fahrrad-Stepper. Außerdem hat Andreas Mühle den Antrag gestellt,E-Trikkes als Mofas einzustufen. Das wäre unkomplizierter, zumal man für Mofas, im Gegensatz zum Trikke, keinen Führerschein braucht, sondern nur eine entsprechende Prüfbescheinigung. Und die gibt’s schon ab 15 Jahren. 
Nicht zuletzt steht die Frage nach der Ausweitung der „Trikke“-Zone im Raum. Bislang dürfen nur Lohsas Radwege damit befahren werden. Jedoch haben nach Angaben von Andreas Mühle Spreetal und Hoyerswerda bereits Ja zum Trikke auf deren Wegen gesagt. Mit Boxberg und der Elsterheide sei man noch im Gespräch – und auch mit Senftenberg. Denn die Runde um den Geierswalder See – vorausgesetzt, die Elsterheide stimmt zu – wäre an der Grenze zu Brandenburg beendet. 
„Hoffen wir mal“, sagt der Trikke-Enthusiast, „dass sich unsere Träume für nächstes Jahr erfüllen.“ 

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