Lärmschutz an der Bahn muss noch warten

Freitag, 04. Dezember 2015

Am Haltepunkt Neustadt liegen 150 Meter zwischen Gleis und Wohnhäusern.
Am Haltepunkt Neustadt liegen 150 Meter zwischen Gleis und Wohnhäusern.

Von Mirko Kolodziej

Das Rathaus Hoyerswerda bemüht sich angesichts des Ausbaus der sogenannten Niederschlesischen Magistrale weiter um Lärmschutzmaßnahmen für das Stadtgebiet. „Zeitnah werden wir beim Bundesverkehrsministerium die Aufnahme des betreffenden Streckenabschnittes in das Lärmsanierungskonzept im Rahmen der nächsten Fortschreibung beantragen“, erklärt Verwaltungssprecher Bernd Wiemer auf Anfrage – und dabei kommt es vor allem auf die Formulierung „im Rahmen der nächsten Fortschreibung“ an.

Derzeit baut die Deutsche Bahn zwischen Knappenrode und der polnischen Grenze nicht nur ein zweites Gleis, sondern elektrifiziert die Strecke auch. Der Grund dafür ist die Erwartung eines intensiveren Ost-West-Verkehrs. Denn die Strecke ist Bestandteil einer europäischen Verbindung. Güterzüge von Paris, Rotterdam oder Hamburg nach Wroc³aw, Kraków oder Kiew müssen hier entlang – und damit auch durch Hoyerswerda. Mit dem Ausbau steigt die Kapazität. Lag sie bisher bei theoretisch 50 Zügen am Tag, sollen ab 2019 bis zu 170 Züge täglich zumindest möglich sein. Die Bahn geht allerdings realistischerweise bis 2028 von höchstens 80 Zügen am Tag aus.

Trotzdem wird es mehr Lärm geben. Nun haben allerdings nur Städte und Gemeinden entlang der Ausbaustrecke Anspruch auf Lärmschutz. In diesem Zusammenhang werden zwischen Knappenrode und Horka 13 Millionen Euro ausgegeben. Hoyerswerdas Kernstadt allerdings liegt einige Kilometer westlich der Baustellen und geht damit leer aus. Hoffnung hat die Stadt bisher auf ein freiwilliges Lärmschutzprogramm der Bahn gesetzt. Grundlage dafür ist eine sogenannte Kartierung, also bestimmte Messungen, entlang der Schienen. Die Grundlagen für Hoyerswerda stammen aus dem Jahr 2012, sprich: Man hat die Prognosen nicht berücksichtigt. „Da die damaligen Belegungszahlen bei weniger als 30 000 Zügen pro Jahr lagen, fiel «unser» Streckenabschnitt aus der entsprechenden Planung heraus“, sagt Bernd Wiemer. Im Klartext heißt das: Im gegenwärtigen Programm kann die Bahn beim Eisenbahnbundesamt auch keine Lärmschutzmaßnahmen für Hoyerswerdas Stadtgebiet beantragen.

Daher hofft das Rathaus eben auf „die nächste Fortschreibung“. Eine Anpassung der Daten ist allerdings erst 2018 vorgesehen, und damit in jenem Jahr, in dem zum Fahrplanwechsel im Dezember die aufgerüstete Bahnstrecke in Betrieb gehen soll. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: Das ist zu knapp. Zumindest für die erste Zeit nach dem Ausbau werden die Hoyerswerdaer also schlicht und ergreifend mit mehr Lärm von der Schiene leben müssen. Einziges Trostpflaster für diese Zeit: „Es sei bemerkt, dass seitens der Bahn viel unternommen wird, um durch entsprechende technische Änderungen an den Fahrzeugen die Lärmemissionen an der Quelle zu reduzieren“, sagt Bernd Wiemer. Er verweist auf sogenannte „Flüsterbremsen“.

 

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