Junge Reederin nimmt Kurs aufs Lausitzer Seenland

Mittwoch, 12. März 2014

Reeder Rolf Bothen, jahrzehntelang mit der Santa Barbara unterwegs, übergibt seine alte Dame an eine junge Frau: Marianne Löwa ist die neue Reederin für den Fahrgastschiffsverkehr im Lausitzer Seenland.
Reeder Rolf Bothen, jahrzehntelang mit der Santa Barbara unterwegs, übergibt seine alte Dame an eine junge Frau: Marianne Löwa ist die neue Reederin für den Fahrgastschiffsverkehr im Lausitzer Seenland.

Von Anja Wallner

Gestern Mittag lachte nicht nur die Sonne vom wolkenlosen Senftenberger Himmel. Auch die Gesichter aller Anwesenden strahlten, als Medienvertretern am Stadthafen die neue Betreiberin für die Fahrgastschifffahrt im sächsischen Seenverbund vorgestellt wurde: Marianne Löwa, 31 Jahre alt, aus Cottbus stammend, gestandene Schiffsführerin, die von der Donau bis zur Ostsee auf allen großen Flüssen und Küstengewässern Deutschlands unterwegs war, frisch gebackene Reederei-Geschäftsführerin. In der vergangenen Woche haben die Zweckverbände Lausitzer Seenland Sachsen (LSS) und Brandenburg (LSB) mit Marianne Löwa entsprechende exklusive Betreiberverträge über zunächst 15 Jahre Laufzeit für die Fahrgastschifffahrt im Seenland unterzeichnet und damit die rund zweijährige, europaweite Suche nach einem geeigneten Seenland-Reeder beendet (TAGEBLATT berichtete).
„Wir sind froh und glücklich, heute ein deutliches Signal für die Fahrgastschifffahrt im Seenland und die weitere Entwicklung der Region setzen zu können“, sagte der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU). „Sie gehören jetzt mit zum Team Lausitzer Seenland“, hieß LSS-Geschäftsführer Daniel Just Marianne Löwa willkommen.
Die neue Reederin, die sich nach eigener Aussage sehr auf ihre neue Aufgabe freut, wird nun ein passendes Schiff bauen lassen – mehrere Werften haben sich darum beworben – und kündigte den Beginn der seenübergreifenden Fahrgastschiffffahrt für spätestens Ostern 2015 an. Ein weiteres neues Schiff soll danach perspektivisch folgen, denn der Seenverbund wächst ebenfalls: Ab 2015 wird man mit dem Senftenberger, Geierswalder und Partwitzer See auf drei verbundenen Gewässern unterwegs sein können; neun sollen es irgendwann insgesamt sein. Marianne Löwa wird zehn Anlegestellen ansteuern können, so wurde es ihr vertraglich zugesichert.
Marianne Löwa, bisher jahrelang angestellt bei zwei Schweizer Unternehmen und des Nomadenlebens überdrüssig, erkannte das Potenzial des Lausitzer Seenlands, wagte mit ihrer Reederei M. Löwa den Sprung in die Selbstständigkeit und legte den Zweckverbänden ein überzeugendes Konzept vor. „Das verdient Respekt und Hochachtung“, so Michael Harig.
Das neue Seenland-Fahrgastschiff, das anders als die Senftenberger „Santa Barbara“ von den Maßen her durch die schiffbaren Kanäle passen wird, wird ein Solarkatamaran mit großem Freideck sein und 110 Passagieren Platz bieten. Umweltfreundlicher Antrieb und die Möglichkeit der Gästebewirtung waren Kriterien für die Ausschreibung seitens des LSS. Das Boot ist als Kopflander konzipiert, das heißt, es legt mit dem Bug an, wo sich auch der Ein- und Ausstieg befinden. Das ermöglicht barrierefreien Zutritt und vereinfacht auch die Gestaltung der Schiffsanlegestellen. Wie viel sie in die Seenland-Fahrgastschifffahrt investiert, darüber wollte Marianne Löwa gestern keine Worte verlieren.
Fest steht: Zum 1. April wird sie ihren Dienst im Seenland antreten – und zunächst das Fahrgastschiff „Santa Barbara“ von der Reederei Rolf Bothen übernehmen. „Die Santa Barbara“, meinte Marianne Löwa, „die gehört einfach zum Senftenberger See.“ Mit dem „Anheuern“ der resoluten jungen Frau ist den Zweckverbänden quasi eine Punktlandung zum Start der neuen Saison gelungen. Rolf Bothen, seit 38 Jahren auf dem 41 Jahre alten Senftenberger See unterwegs, gibt zwar nun das Geschäftliche „in kompetente Hände“, wie er sagte, wird aber weiter am Steuer der „Santa Barbara“ stehen. Erstens fühle er sich mit 61 Jahren noch nicht reif für den Ruhestand, äußerte er gegenüber TAGEBLATT, und außerdem werde er seine Nachfolgerin anlernen. Die ist zwar als Schiffsführerin erfahren und besitzt mehrere Patente, war aber eher auf weniger „rustikalen“ Schiffen unterwegs, wie Bothen es beschrieb. Die Fahrgastschifffahrt auf dem Senftenberger See geht ab April wie gewohnt weiter. Längst stehen die Fahrpläne; Rolf Bothen hat die Saison vorbereitet. Es hätte ja sein können, dass sich kein neuer Reeder findet.
Ihren Anker hat Marianne Löwa übrigens bisher in Werben im Spreewald ausgeworfen. Langfristig möchte sie aber ins Lausitzer Seenland übersiedeln und sucht eine Bleibe im Brandenburgischen. Übergangsweise wohnt sie jetzt da, wo andere Leute Urlaub machen: in einem Wohnwagen im Wassersportzentrum am Senftenberger See.

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Kommentar von Joachim Schlenther |

Marianne Löwa kam als frisch gebackene Bootsmännin im Jahre 2003 in Nürnberg an Bord eines 125 Meter langen Fahrgastkabinenschiffes, ich war damals der Kapitän auf diesem Schiff. Ihr Gepäck bestand aus einem Seesack und einer Reisetasche. Sehr schnell hat sie sich zwischen den viel kräftigeren Matrosen behauptet und ständig weitergebildet. Ich bin sehr stolz auf Marianne Löwa und wünsche ihr nur Erfolge mit ihrem neuen Unternehmen. Mach`s gut "kleine"
Dein Kapitän Acki

Kommentar von Jürgen Hartwig |

Sehr geehrte Frau Löwa,
mit Interesse verfolge ich Ihren mutigen Schritt zur Investition in ein Solarboot. Da ich seit 30 Jahren im Bereich Photovoltaik tätig bin und 1995 die Solazellenfabrik ErSol in Erfurt gegründet habe, sind mir auch zahlreiche Solarboote begegnet: Müggelsee, Berlin, in Hamburg, auf dem Bodensee (durch Fa. Kopf, Korb) und in Holland.
Ich bin daran interessiert, die Jungfernfahrt Ihres Solarbootes mitzumachen und bitte Sie, mich mit dem Termin vertraut zu machen.
Herzliche Grüße und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel (sofern vorhanden) und ausreichend Sonnenschein. Sofern Sie noch einen Energiespeicher aus Li-Ion-Akkus mit einer Kapazität von 10 kWh bei 48 VDC benötigen, stehe ich Ihnen - auch kurzfristig - gern mit Rat und Tat zur Seite.
Mit sonnigen Grüßen
Dipl.-Ing. Jürgen Hartwig
Korbach/bei Kassel, 7.6.2015