„Jede Kippe hat ihre Eigenheiten“

Montag, 03. März 2014

Solche Sperrschilder sind in den ehemaligen Tagebaugebieten auch noch in den nächsten Jahren leider normal.
Solche Sperrschilder sind in den ehemaligen Tagebaugebieten auch noch in den nächsten Jahren leider normal.

Von Mirko Kolodziej

Herr Richter, warum war die Freigabe dieser drei Areale möglich?
Die Bewertung der Innenkippen und deren Freigabe, die die LMBV in drei Kategorien angekündigt hatte, beruht auf deren nochmaliger Untersuchung, der Auswertung der Kippenkataster und den Einschätzungen der Sachverständigen für Geotechnik. Das hat die Freigabe dieser wenn auch kleinen Flächen möglich gemacht.

Welche Rolle spielt da die Technologie, mit der der Abraum verkippt wurde?
Insgesamt finden die Technologien Berücksichtigung in den Standsicherheitsuntersuchungen. Eine Kippe setzt sich ja immer aus mehreren Verschüttungsebenen zusammen, die auch mittels unterschiedlicher Technologien entstanden sind. Resultat der Untersuchungen war die Empfehlung, diese drei Flächen aus dem Sperrbereich wieder freizugeben.

Mit welcher Technik wird da geprüft?
Es gibt da verschiedene Techniken, die den Sachverständigen zur Verfügung stehen, um das Innere in der Kippe zu erkunden, Lagerungsdichten zu erkennen und sie zu bewerten. Man nutzt zum Beispiel Rammkernsondierungen, Drucksondierungen oder Kombidrucksondierungen sowie Laboruntersuchungen zur Festigkeit.

Wie lange werden Untersuchung, Bewertung, gegebenenfalls Sanierung und schließlich die Freigabe des übergroßen Restes noch in Anspruch nehmen?
Die LMBV ist dabei, die Planungen für die Großkippenflächen voranzutreiben. Die Erkenntnisse, die wir voriges Jahr beim Test des schonenden Sprengens mit kleinen Ladungsmengen gewonnen haben, sind erfolgversprechend. Aber man muss auch sagen, dass diese Technologie erst Schritt für Schritt Fahrt aufnehmen muss. Und die vorbereitenden Planungen durch die Sachverständigen benötigen ein gewisses Maß an Zeit, sodass wir uns bezüglich der Innenkippen in der Lausitz noch über mehrere Jahre mit Vorbereitung, Planung und Realisierung beschäftigen werden.

Welches Missverständnis begegnet Ihnen im Zusammenhang mit den Sperrungen am häufigsten?
Der über Jahrzehnte gewachsene Glaube, dass die Kippe vor meinem Ort sich nicht bewegt und auch nicht bewegen wird.

Warum ist das ein Missverständnis?
Die Kippen haben viele Jahrzehnte im Trockenen gelegen und geraten nun wieder unter Wasser. Das ist nichts Neues. Aber wir registrieren seit den verstärkten Niederschlägen 2010 ein erhöhtes Maß an Grundwasser-Neubildung, die bestimmte Prozesse beschleunigt. Im Ergebnis gab es die bekannten Ereignisse in der Lausitz, zum Beispiel in Spreetal, nach deren Bewertung die LMBV die Sperrungen vorgenommen hat. Nachfolgend waren die Sanierungs-Technologien anzupassen, um mit den Gegebenheiten in den Kippenkörpern umgehen zu können.

Heißt das, wenn es trockener wäre, wäre es weniger gefährlich?
Das kann man so nicht sagen. Jede Kippe hat ihre Eigenheiten. Der Lausitzer Sand ist nicht über die gesamte Region hinweg gleich zu bewerten. Er hat bestimmte Grundeigenschaften. Aber die Feinheiten in den einzelnen Revierbereichen sind unterschiedlich. Es gibt verschiedene Klassifizierungen, ab welcher trockenen Überdeckung es keine Gefährdung gibt. Dies muss durch die Sachverständigen pro Tagebaufeld immer einzelnen betrachtet werden.

Es gibt Unverständnis, dass im Bereich des gesperrten Radwegs Spreetal - Burgneudorf Lkw zwecks Massenverkippung unterwegs sind. Wie kann das sein?
Das Unverständnis ist begreiflich. Der Weg befindet sich aber auf einer Innenkippe. Einerseits sind die Kippen-Sperrungen dazu da, dass uns niemand zu Schaden kommt. Andererseits müssen in diesem Bereich unsere Sanierungsfirmen arbeiten, denn wir wollen ja die Kippen nach erfolgter Sanierung wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Im Bereich Spreetal geht es derzeit um die Verfüllung von Tieflagen und alten Spülräumen. Die Firmen sind klar eingewiesen und haben Verhaltensanforderungen auf Basis von Sachverständigen-Gutachten. Sie wissen, an welcher Stelle was bewegt werden kann. Dafür können wir die Verantwortung übernehmen. Jedem Dritten, der hier uneingewiesen mit dem Rad fährt, sind die Gegebenheiten nicht so klar. Er könnte sich bei bestimmten Ereignissen nicht orientieren. Wir können seine Sicherheit nicht gewährleisten.

Wie oft müssen Sie noch wegen der Sperrungen in Gemeinderatssitzungen und Bürgerversammlungen sein?
Ich denke, das wird sich die nächsten Jahre fortsetzen. Die LMBV ist ja auch daran interessiert, diese Vorgänge transparent in der Öffentlichkeit zu kommentieren. Denn wir können in der Lausitz diese Sanierungen nur mit den Menschen zusammen zu einem erfolgreichen Ergebnis bringen. Wir erachten das nicht als Last, sondern als eine Pflicht. Wir wollen um Verständnis werben, dass diese Sperrungen noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Wir sind aber bestrebt, Lösungen zu finden, an anderen Stellen so zu sanieren, dass Nutzungen, die auf Kippenflächen nicht möglich sind, dort schneller möglich sind.

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