Improvisieren am Herd

Donnerstag, 19. November 2015

Melanie Köder und Thomas Gohlke helfen in der Suppenküche bei der Zubereitung des Mittagessens. Flinke Finger sind hier gefragt.
Melanie Köder und Thomas Gohlke helfen in der Suppenküche bei der Zubereitung des Mittagessens. Flinke Finger sind hier gefragt.

Von Silke Richter

Die Zwiebeln sind gewürfelt. Jetzt geht es ans Kartoffelnschälen. Ratsch, ratsch… Den beiden Ein-Euro-Jobbern Thomas Gohlke und Melanie Köder, die in der Suppenküche im Haus der Begegnungen bei der Zubereitung von Speisen helfen, geht die Arbeit mit dem Sparschäler schnell von der Hand. Das muss sie auch. Schließlich wird hier täglich für bis zu sechzig bedürftige Menschen frisch gekocht, die für die warmen Mahlzeiten einen geringen Obolus zahlen. Der Preis liegt zwischen einem und zwei Euro pro Gericht, je nachdem ob „nur“ Suppe oder eben auch Fleischspeisen auf der Speisekarte stehen. Heute gibt es Eierragout mit Kartoffeln, Fleischpfanne mit Nudeln und Kartoffelpuffer. Als Beilage kommen noch grüne Bohnen hinzu.
Die Sauce ist bereits fertig und wurde am Vortag aus der Küche des Seenland-Klinikums geholt. Es handelt sich um fertig gekochte Reste, die übrig waren und nicht mehr verwertet werden. Natürlich befinden sich die Speisen in einem einwandfreien Zustand. „Wir sind über diese Art von Sponsoring sehr dankbar“, sagt die Leiterin des Hauses, Madlen Krenz, über die seit mehreren Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen. Heißt aber auch, dass die Mitarbeiter der Suppenküche nie genau wissen, was zur Verarbeitung zur Verfügung steht und was eben nicht. „Für ein komplettes Mittagsgericht reicht das gesponserte Essen meist nicht. Und es kommt auch schon einmal vor, dass wir gar nichts bekommen können, weil nichts übrig geblieben ist“, erklärt Küchenchefin Eveline Engler, deren Kreativität täglich gefragt ist. Denn das Zubereiten von Mittagsgerichten ist in der Suppenküche eine Kunst für sich. In den meisten Fällen gehen die Mitarbeiter dann zusätzlich noch einkaufen, um mit Kartoffeln, Bratwurst, Eiern oder anderen Lebensmitteln Gerichte zuzubereiten. Frische Kräuter kommen aus dem hauseigenen Tafelgarten. Ganz nach dem Motto: Aus dem was da ist schmackhafte Speisen zu kochen und das möglichst gesund und abwechslungsreich. In den Supermärkten soll so günstig wie möglich eingekauft werden, denn das Einkaufsgeld wird vom Verein vbff („Vereinbarkeit von Beruf und Familien fördern in Ostsachsen“), dem Träger des Hauses der Begegnungen, zur Verfügung gestellt.
Darüber beschwert, dass das Essen nicht schmeckt, habe sich bis jetzt noch keiner der Kunden, erzählt Eveline Engler, seit zehn Jahren Chefin der Suppenküche. Vorher war sie in der ehemaligen Firma „Schwanenweiß“ tätig.
Der Speiseraum wird für die Tafelkunden jeden Tag hübsch hergerichtet. Hier ist es ebenso schön sauber wie in der Suppenküche auch. Die Tische sind mit bunten Decken und Servietten bestückt. „Unsere Kunden sollen sich hier wohlfühlen. Wir versuchen, auf die Art und Weise auch Hemmschwellen abzubauen. Denn nicht jeder, dem diese Sozialleistungen zustehen, traut sich auch zu uns ins Haus“, erzählt Madlen Krenz. So könne jeder Bedürftige – dazu zählen auch Empfänger von Wohngeld und Bafög (Berufausbildungsförderung) sowie Senioren, die nur eine geringe Rente haben – die Angebote im Haus der Begegnungen nutzen. Dazu zählt nicht nur die Suppenküche, sondern auch die Tafel, bei der man Lebensmittel günstig kaufen kann. In der Umweltwerkstatt stehen gut erhaltene Gebrauchtmöbel zur Verfügung und in der die Kleiderkammer sind Babyausstattungen, Spielzeug und Bekleidung für Kinder und Erwachsene erhältlich. In der Beratungsstelle können sich Betroffene zudem über das richtige Ausfüllen von Antragsformularen informieren.

Kontakt: Haus der Begegnungen, Ulrich-von-Hutten-Straße 31/ 33 (gleich hinter der Kita „Nesthäkchen, Nähe der Gaststätte Olympia), Hoyerswerda, Tel. 03571 402992

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