Im Power-Modus durch Hoyerswerda

Dienstag, 06. Oktober 2015

Auf einem E-Bike war TAGEBLATT-Reporter Rainer Könen jetzt zwischen Hoyerswerda und Wittichenau unterwegs.
Auf einem E-Bike war TAGEBLATT-Reporter Rainer Könen jetzt zwischen Hoyerswerda und Wittichenau unterwegs.

Von Rainer Könen

Was ist denn da los? Als die Ampel auf Grün umschlägt, schalte ich in den Power-Modus, trete kurz an, und huiihhh, bin ich im Nu auf der anderen Straßenseite, wo ich nun mit satten 25 Stundenkilometern über den Radweg flitze. So ein flotter Antritt! Von null auf 25 Stundenkilometer in gefühlt zwei Sekunden. Auf dem Radweg, der mich zum Lausitzer Platz in Hoyerswerdas Neustadt führt, leite ich noch zwei Überholvorgänge ein, zische an zwei gemütlich tretenden Radfahrern vorbei und sehe die grüne Säule am Lausitzer Platz, die Elektro-Tankstelle für Autos. Ich werfe einen Blick auf meinen Tacho. Doch nicht die Geschwindigkeit interessiert mich, sondern wie viel Saft der Akku noch hat. Es sieht gut aus. Ich kann selbst in diesem Stil noch locker 80 Kilometer zurücklegen. Zwei Stunden zuvor hatte mein Selbstversuch in Wittichenau, im Radgeschäft von Nino Schwanke, begonnen. Von ihm habe ich ein rund 2 500 Euro teures E-Bike geliehen, damit ich mir einen Eindruck verschaffen kann, warum diese auch Pedelecs genannten Räder seit einigen Jahren in Deutschland in den Radgeschäften zum Renner geworden sind. Nachdem mir Nino Schwanke erklärt, dass die Bedienung eines solchen E-Bikes „eine ist, die ziemlich simpel daherkommt“, bin ich beruhigt.
Das Zweirad fährt man wie einen normalen Drahtesel. Der Unterschied: Mein Bike mit Elektromotor hat drei Anschubstufen: Eco, Sport und Power. Nach einer Proberunde, die wahre Begeisterungsstürme bei mir auslöst, drückt mir Schwanke noch seine Telefonnummer in die Hand. Für den Fall der Fälle, falls es wider Erwarten Probleme geben sollte. Dann geht’s los.

Zuerst schalte ich auf Eco, die erste Stufe. Die Unterstützung des mittig angebrachten Motors spürt man kaum. Ich habe das Gefühl, dass ich doch ernsthafter in die Pedale treten muss, als ich mir das vorgestellt habe. Also die nächste Stufe, den Sport-Modus. Welch angenehmes Fahrgefühl! Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich permanent Rückenwind habe. Trotzdem geht es mir auf dem Radweg nach Dörgenhausen ein wenig zu langsam voran. Ich schalte also auf Power, trete leicht, fliege geradezu nach vorn und schaue auf den Tacho: 23 - 24 - 25 Stundenkilometer. Als der Tacho 26 km/h anzeigt, schaltet sich der Motor ab, spüre ich wie das Treten mühsamer wird. Denn in alles, was über 25 Stundenkilometer hinausgeht, muss man selbst Kraft investieren. Ich fahre gemütlich und ohne jede Anstrengung, lasse mir den Fahrtwind um die Nase wehen und gerate, kann passieren, wenn man den Umgang mit diesen Rädern nicht gewohnt ist, mit der rechten Hand irgendwie an den Knopf, der den Elektroantrieb ausstellt. Ein Ruck, und es wird ohne Unterstützung des Motors und dazu noch mit heftigen Windböen anstrengend! Also geht es wieder in den vorherigen Modus.

Mein grau-schwarz verchromtes Rad ist mit einer Acht-Gang-Schaltung ausgerüstet, hat einen Impuls-Antrieb und ist technisch auf dem neuesten Stand. Radhändler Schwanke hatte mir vor meiner Probefahrt erzählt, warum E-Bikes so gefragt sind: „Damit fährt es sich gemütlich, man spart Kraft und für Autofahrer ist das eine kostensparende Alternative.“ Dieses Bike hat sich in den zurückliegenden Jahren von der Rentnerkäuferschaft emanzipiert. Mittlerweile haben auch jüngere Generationen E-Bikes entdeckt. In der Stadt, auf den Radwegen, kann ich nicht anders: Im Power-Modus düse ich voran. Ein Genuss! Ein kleiner Stopp an einem Imbiss. „Was is’n das für’n Rad?“, will ein älterer Herr wissen. Nach meinen ausführlichen Erläuterungen fragt er, was das Rad kostet. Ja, Qualität habe halt ihren Preis, meint er, als ich es ihm sage. Ich werfe einen Blick auf den Kilometerstand: Knapp 35 bin ich bisher gefahren. Ich fahre nun dauerhaft im Sport-Modus. Das geht nicht so sehr auf den Saft. Denn wer ein E-Bike fährt, sollte die Akku-Anzeige im Blick behalten. In Hoyerswerda steht eine Ladestation vor der Lausitzhalle. Wer ein E-Bike kauft, bekommt auch noch ein Ladegerät dazu. Daheim kann man den Akku also auch aufladen.

Auf dem Weg zurück nach Wittichenau, unterstützt vom Motor und dem Wind im Rücken, fliege ich geradezu über den Radweg. Das Fahren mit dem E-Bike hat mir riesigen Spaß bereitet. Ich habe jeden Kilometer genossen. Aber dann diese Umstellung! Als ich wieder auf meinem eignen mit einer Drei-Gang-Schaltung versehenen Normalo-Rad sitze, mich auf den Weg nach Hoyerswerda mache, sehne ich schon nach den ersten Metern das E-Bike zurück. Wäre toll, wenn ich bei diesem Gegenwind in den Power-Modus schalten könnte!

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