Im Eimer-Taxi über die Straße

Dienstag, 13. März 2012

Hagen Rothmann vom Naturschutzbund Wittichenau an einer Kunststoffbarriere. Bei der Frühjahrswanderung fallen die Kröten in die Eimer, in denen sie über die Straße getragen werden, damit sie zu den Laichgewässern gelangen können.
Hagen Rothmann vom Naturschutzbund Wittichenau an einer Kunststoffbarriere. Bei der Frühjahrswanderung fallen die Kröten in die Eimer, in denen sie über die Straße getragen werden, damit sie zu den Laichgewässern gelangen können.

In diesen Tagen möchte man nun wirklich kein Frosch sein. Geraten doch im Frühjahr viele dieser Tiere auf den Straßen unter die Räder, weil sie von Autos überrollt werden. Selbst wenn sie nicht von den Pneus zermatscht werden, der Strömungsdruck eines schnell fahrenden Autos reicht schon aus, um die Amphibien zerplatzen zu lassen. Kein schöner Anblick. Und in der Regel ist auch keine Königstochter in Sicht, die einen in so einem Fall wachküssen könnte. Da ist es vorbei mit dem Dasein, müssen sich andere um den Nachwuchs kümmern. Aber weil immer mehr Menschen Kröten und Frösche lieber quakend in einem Teich sehen wollen statt plattgefahren auf einer Straße, gibt es hier in der Region schon seit vielen Jahren Schutzbemühungen, um den Tieren das Leben zu erleichtern. Warnschilder gehören dazu. Aber „die werden leider oft nicht beachtet“, weiß Hagen Rothmann von der Wittichenauer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu). Effektiver sind hingegen Schutzzäune.
Ende Februar sind die Zäune an einigen vielbefahrenen Straßenabschnitten im Hoyerswerdaer Umland von der Straßenmeisterei aufgestellt worden. Betreut werden sie von Mitgliedern der Wittichenauer Nabu-Ortsgruppe und der Neschwitzer Naturschutzstation. Tierschützer Hagen Rothmann weiß, dass er in den kommenden Tagen frühmorgens oder am späten Abend hinausmuss. Zu den Stellen fahren, wo die kleinen, grünen Kunststoffbarrieren stehen, die verhindern, dass die Kröten und Frösche über die Straße wackeln.

Ein Dienstagnachmittag, auf der Straße zwischen Bernsdorf und Lieske. Dort befindet sich ein knapp 1 000 Meter langer Schutzzaun. Auf der anderen Straßenseite liegen einige Teiche. Hagen Rothmann schaut in die Eimer, die in einem Abstand von einigen Metern hinter dem Zaun in der Erde eingegraben sind. „Da wird sicher noch keine Kröte drin sein“, steht für den 49-jährigen stellvertretenden Vorsitzenden der Ortsgruppe fest. Die Temperaturen passen noch nicht. Erst wenn die auch nächtens bei fünf oder sechs Grad liegen und es obendrein noch feucht ist, dann, so Rothmann, wird „hinter den Zäunen eine Menge los sein“. Vor allem sind es Erd- und Knoblauchkröten, die auf der Suche nach einem Durchschlupf in die Eimer plumpsen. Dann werden sie von Rothmann und den anderen Tierschützern in Eimern über die Straße getragen. Dann können sie weiterwandern, zu ihren Laichgewässern. Wenn die Tiere abgelaicht haben, beginnt der Rückreiseverkehr, heißt das für die Mitarbeiter der Straßenmeisterei, die Zäune in diesem Falle auf der anderen Straßenseite aufzustellen.

An vier Straßenabschnitten wurden in diesem Jahr im Hoyerswerdaer Umland Amphibienschutzanlagen aufgestellt. Neben der Straße zwischen Bernsdorf und Lieske noch auf dem Abschnitt zwischen Wittichenau und Maukendorf, in Wiednitz und an der B 97, bei Neukollm.
Bis Mitte April herrscht Betrieb hinter den Schutzzäunen. Rothmann erinnert sich noch gut an die Nacht vor einigen Jahren, als er rund 1 300 Tiere über die Straße trug. „Da hatte ich in etlichen Eimern bis zu 60 Kröten.“ Doch mit dem Hinübertragen ist es nicht alleine getan. Alle Tiere müssen erfasst werden, registriert nach Art und Geschlecht. Rothmann erzählt, dass die sogenannten Krötentunnel, Betonröhren unter der Straße, natürlich weitaus praktischer seien als der klassische Eimertransport. Doch leider scheitert der Bau eines solchen Tunnels oft am fehlenden Geld. Also müssen die Tierschützer auch weiterhin an den kritischen Straßenabschnitten in der Region nach den Fröschen schauen.
In den vergangenen Tagen hatte Hagen Rothmann häufiger als sonst in den heimischen Gartenteich geguckt. Dort leben einige Erdkröten. „Wenn die dort heftig herumwackeln“, weiß der Naturschützer, dass sie nun wieder begonnen hat – die Zeit der Krötenwanderung.

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