Im Bürgerchor kann wirklich jeder mitmachen

Dienstag, 02. September 2014

André Bischof betreibt in Hoyerswerda die Musik- und Kunstschule und hat Erfahrung mit Bühnenprojekten.  Foto: RK
André Bischof betreibt in Hoyerswerda die Musik- und Kunstschule und hat Erfahrung mit Bühnenprojekten. Foto: RK

Herr Bischof, Chorsingen wird offensichtlich bundesweit zum Trend. Hätten Sie gedacht, dass sich das Chorsingen in der heutigen Zeit zur Massenbewegung entwickeln würde?
Dass es weltweit eine Renaissance der Chormusik gibt, das liegt meines Erachtens daran, dass in der Arbeitswelt durch die Computer die Vereinsamung um sich greift. Da wollen viele Menschen in der Freizeit etwas gemeinsam tun, die Gemeinschaft leben. Um dieses Gemeinschaftsgefühl auszuleben, dafür ist die Musik, der Chor sicher auch gut geeignet. Außerdem bietet er eine solidarische Komponente.

Nun gibt es in Hoyerswerda und der Umgebung bereits einige Klangkörper. Auf welche Weise soll der neue Klangkörper die Chorlandschaft bereichern?
Wir wollen nicht in Konkurrenz zu den anderen Chören treten, uns aber anders als die anderen Ensembles präsentieren. In unserem Urlaub, den wir auf den Kanaren verbrachten, bekam ich dazu eine Anregung. Ich sah auf Teneriffa an einem Morgen Menschen, die gingen singend durch die Straßen, mit einer einfachen Instrumentalbegleitung, das war ein schönes und lebhaftes Bild, man spürte pure Freude. Diese ungezwungene und fröhliche Art möchte ich gerne vermitteln.

Ich verstehe das so, dass Sie mit diesem etwas anderen Ensemble auch Menschen erreichen wollen, die nicht so sehr das im Sinn haben, was man unter einem klassischen Chor versteht, oder?
Ja, so stelle ich mir das vor. Sicher werden wir Stimm- und Gehörbildung, Atemtechniken üben, das ist überall gleich. Da werden wir ganz traditionell arbeiten. Aber sonst werde ich hier und da andere Akzente setzen. Betonen möchte ich noch einmal, dass wirklich jeder bei uns mitmachen kann. Die Interessenten müssen auch keine musikalische Historie mitbringen. Wer Lust hat, zu singen, der ist bei uns richtig. Wir werden uns auch durch unser musikalisches Repertoire unterscheiden. Das umfasst nur Gundermann-Lieder. Jedenfalls erst einmal.

Hatten Sie die Idee, einen Bürgerchor zu gründen?
Nein, das war KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch. Er sprach mich vor einigen Wochen an, ob man zu Gundis 60. Geburtstag am 6. Februar 2015 nicht so eine Art Chor-Projekt machen könnte. Eines, das jedem offensteht und das unter dem Motto „Jeder der singen will, kann auch singen“ steht.

Wie sieht es denn da bei Ihnen aus, welche Lieder von Gundermann kennen Sie und welche können Sie a cappella vortragen?
Aus dem Stegreif könnte ich Ihnen vier, fünf Stücke vorsingen. Soll ich mal?

Schon gut, ich glaub’s Ihnen schon.
Können Sie auch. Ich habe Gundi ja auch persönlich kennengelernt. Wir haben damals das Malwina-Projekt gemeinsam gemacht. Ich weiß noch, dass wir uns nach dem Auftritt zum 20-jährigen Bestehen der Brigade Feuerstein zum Grillen verabredet hatten, wir wollten noch ein paar Dinge zur Fortführung dieses Projektes besprechen. Auf der Autobahn erfuhr ich aus dem Radio von seinem Tod. Da musste ich erst mal rechts ranfahren. Das hatte mich seinerzeit sehr mitgenommen. Sie sehen also, dass eine Verbindung zu Gundermann da ist. Wenn Sie so wollen, eine persönliche.

Anfang September findet die erste Chorprobe statt. Haben sich denn schon Interessenten angemeldet?
Wir haben bisher über zehn Anmeldungen. Angesichts der Tatsache, dass wir noch nicht sehr stark geworben haben, ist das schon in Ordnung. Einige der Interessenten kommen gar nicht aus der Region, denen habe ich ein bisschen Infomaterial über Gundermann geschickt. Ich würde mich selbstverständlich freuen, wenn es mehr werden. Ich rechne zu Beginn mit zehn, 15 Leuten. Und je mehr wir werden, umso besser.

Wie werden Sie den Bürgerchor nennen, soll er einen Namen bekommen?
Bürgerchor, das klingt doch erst mal sehr traditionell, etwa wie Französische Revolution. Nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Wenn wir das mit diesem Chor vermitteln können, das gelebt wird, wäre das nicht schlecht.

Sie haben nur ein halbes Jahr Vorbereitung, ist das nicht etwas zu wenig Zeit?
Da haben Sie recht. Wir hätten eigentlich etwas früher anfangen sollen. Aber wir werden auch in der Kürze der Zeit dennoch einen tollen Chor auf die Beine stellen können, davon bin ich überzeugt.

Ist der Sinn und Zweck des Chores auch der, dass man sich mit dem Leben und Wirken des Liedermachers auseinandersetzen soll, man so sein Andenken ständig präsent hält?
Da müsste man Uwe Proksch befragen, der die Idee für dieses Projekt hatte. Das weiß ich nicht, ich bin ja nur für das Künstlerische verantwortlich. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass man somit die Erinnerung an Gundermann wachhält. Wobei es vermessen wäre, wenn wir dies für uns alleine verbuchen würden, es gab und gibt viele Künstler, die sich um das Andenken von Gundi verdient gemacht haben.Herr Bischof, angeblich soll Singen glücklich machen.

Können Sie mir als Chor-Profi, Sie sind ja auch ausgebildeter Chorleiter, erklären, was beim Singen psychologisch passiert?
Das mit dem Profi möchte ich etwas relativieren, aber ich weiß, dass Singen glücklich macht. Möglicherweise hängt das mit den Endorphinen, den Glückshormonen zusammen, mit denen der Körper beim gemeinschaftlichen Singen überflutet wird. Man kommt beim Singen sicher leichter in den Genuss dieses Glücksgefühles, als wenn man beispielsweise ein Instrument spielt. Das muss ich ja erst einmal beherrschen können. Sicher hat es auch etwas mit Glück zu tun, wenn man nach einem Auftritt Anerkennung erhält.

Wird der neue Bürgerchor denn künftig, wie so manches andere Chorensemble bei Auftritten ...
… also, erst einmal wollen wir dieses Konzert am 6. Februar bestreiten. Und dann schauen wir weiter, ob die Leute Lust haben, weiterzumachen, und wenn ja, wie wir in Zukunft weitermachen wollen.

Ich wollte ja nur fragen, ob Sie bei dem Konzert im Februar in einem einheitlichen Outfit auftreten werden?
Och, das weiß ich nicht. Kategorisch ausschließen möchte ich das nicht. Vielleicht tragen wir alle eine Sonnenblume am Revers oder so (lacht). Das sind Dinge, über die ich mir noch keine Gedanken mache. Das entscheiden wir in der Gruppe, was wir da machen werden.

Wird es auch eine CD geben?
Wir haben hier in der Musikschule dazu die Möglichkeiten, in den Räumlichkeiten befindet sich ein Studio. Ich schließe das jedenfalls nicht aus.

Gespräch: Rainer Könen

Das erste Treffen findet am Montag, 8. September 2014, um 18.30 Uhr in der KuFa (Alte Berliner Str. 26) statt. Die Teilnehmergebühr beträgt zehn Euro im Monat. Weitere Informationen und Anmeldung erfährt man bei der Musik- und Kunstschule Bischof unter G 03571 417696 und per Mail unter musikschule.bischof@gmx.de

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