Hoyerswerdas drittes sächsisches Zeitalter

Freitag, 02. Januar 2015

or zwei Jahrzehnten zog die Hoyerswerdaer Postmeilensäule nach einer langen Odyssee durch die Stadt wieder auf den ursprünglichen Platz auf den Markt.
or zwei Jahrzehnten zog die Hoyerswerdaer Postmeilensäule nach einer langen Odyssee durch die Stadt wieder auf den ursprünglichen Platz auf den Markt.

Von Uwe Schulz

Hoyerswerda war noch nie so richtig der Nabel der Welt. Hier wurde nicht Weltgeschichte geschrieben, aber dafür war die Stadt oft genug von den Auswirkungen großer geschichtlicher Prozesse betroffen. Der mehrfache Wechsel nach Sachsen und wieder weg davon mag dafür stehen. Und es ist ein kleiner Zufall der Geschichte, dass sich einige der bemerkenswerten Wechsel in diesem Jahr runden. Und vielleicht ist die Postmeilensäule auf dem Markt das beste Spiegelbild.

Nur wenige Teile von ihr sind noch Original aus dem Jahr 1730. Das polnische und das kursächsische Wappen zieren die Säule, hatte doch August der Starke die Städte dazu verdonnert, solche Distanzsäulen aufzustellen. Doch die Entfernungsangaben auf den vier Seiten sind nicht mehr die aus den sächsischen Zeiten, sondern wurden im 19. Jahrhundert durch preußische Meilenangaben (eine Meile gleich 7,5 km) ersetzt, da Hoyerswerda nicht länger sächsisch war.
Zählt man alle Abschnitte zusammen, in denen Hoyerswerda zu Sachsen gehörte, kommt man bis dato auf etwas mehr als 210 Jahre sächsischer Zugehörigkeit.

1448 kommt die Herrschaft Hoyerswerda erstmals in sächsischen Besitz, fällt 1490, also genau vor 525 Jahren, aber wieder an Böhmen. Mit dem Prager Frieden 1635 wird den sächsischen Kurfürsten jedoch die Ober - und Niederlausitz zugesprochen. Es sind die Zeiten, aus denen nicht mehr nur Brände sowie andere Katastrophen und natürlich auch die Eigentümerwechsel der Herrschaft überliefert sind. Denn welche Entwicklung das kleine Städtchen so nahm, das lässt sich ab Beginn des 17. Jahrhunderts recht gut nachvollziehen.

Doch erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts nimmt Hoyerswerda so richtig Fahrt auf. Das hat zum einen was mit dem Kanzler Wolf Dietrich von Beichlingen zu tun. Es ist aber vor allem die Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen, der ab 1705 die Herrschaft Hoyerswerda gehört, die dem Flecken in der Lausitz zum Aufschwung verhilft bzw. diesen fördert. Die Stadt liegt ab 1709 am Postkurs Dresden-Guben. Das Schloss wird umgebaut. Die Stadt wächst, eine Holzwasserleitung wird vom Adlerberg bis zum Marktbrunnen gelegt. 1783 gab es in der Stadt allein 75 Schuhmachermeister und 23 Schneider.

Doch ein Vierteljahrhundert später zog ein kleiner Korse Europa in den Krieg. Sachsen ging ab 1806 mit ihm und musste dafür teuer bezahlen. Nicht nur schon während des Krieges, sondern auch danach. Denn als am 18. Mai 1815 beim Wiener Kongress der Friedensvertrag zwischen Sachsen und Preußen geschlossen wurde, ging über die Hälfte der Fläche des Verlierers an den Gewinner aus dem Norden. Hoyerswerda fährt damit in den Folgejahren nicht schlecht. Die einstige Herrschaft wird zum Kreis, und nach einem kurzen Intermezzo gemeinsam mit Spremberg im Regierungsbezirk Frankfurt gehört man fortan zur Provinz Schlesien und dort zum Regierungsbezirk Liegnitz. Die Industrialisierung erreicht auch Hoyerswerda und die Lausitz. Anbindung ans Eisenbahnnetz, Glasindustrie und schließlich die Kohle sind wichtige Faktoren. Letztere prägt die Region bis heute.

1945 kommt nicht nur der Zweite Weltkrieg mit seinen Kampfhandlungen auch nach Hoyerswerda. Nach Kriegsende, da der Großteil Schlesiens nun zu Polen gehört, wird Hoyerswerda am 9. Juli dem Land Sachsen zugeschlagen. Sieben Jahre später wird die DDR im Rahmen einer Verwaltungs- und Gebietsreform jedoch in Bezirke unterteilt. Hoyerswerda wird dem künftigen Energiebezirk Cottbus zugeschlagen. Und nimmt hier ab 1955 den größten Aufschwung seiner Geschichte – als Wohnstadt für die Beschäftigten des Gaskombinates Schwarze Pumpe. Doch mit dem Ende der DDR beginnt der Niedergang der Braunkohleindustrie.

Im Frühjahr 1990 stimmt die Bevölkerung des Kreises Hoyerswerda über die künftige Länderzugehörigkeit nach der deutschen Wiedervereinigung ab. Die beeindruckende Mehrheit ist für Sachsen. Diesem Ansinnen folgen Kreistag und Volkskammer. Bis heute fragt sich mancher, was wäre gewesen, wenn wir zu Brandenburg gegangen wären? Fakt ist: Der Kreis Hoyerswerda existiert nicht mehr, die Stadt schrumpft und hat sich gleichzeitig sehr herausgeputzt. Und Weltgeschichte – nun, die wird woanders geschrieben.

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Kommentar von André Kaiser |

Der Originalschriftblock der Postmeilensäule steht im Eingangsbereich des Museums im Schloss Hoyerswerda. Auch an den heute nachgebildeten Säulen in den damals sächsischen und später preußischen Städten Luban (Lauban)/Markt und Zgorzelec (Görlitz)/Postplatz in der polnischen Oberlausitz wurden die Entfernungen in gleicher Art geändert. MfG A. Kaiser