Hinters Blitzgerät geschaut

Donnerstag, 11. Juni 2015

Den Blitzer des Hoyerswerdaer Bürgeramtes konnte man sich gestern mal aus der Nähe anschauen. Foto: Gernot Menzel
Den Blitzer des Hoyerswerdaer Bürgeramtes konnte man sich gestern mal aus der Nähe anschauen. Foto: Gernot Menzel

Von Tobias Hoeflich

Es ist noch vor 10 Uhr, als sich schon eine große Menschentraube auf dem Hof des Hoyerswerdaer Bürgeramts gebildet hat. Offiziell beginnt der Tag der offenen Tür in der Einrichtung an der Dillinger Straße erst, wenn sich der Zeiger zur vollen Stunde neigt. Kenner wissen aber, warum sie bei dem jährlichen Ereignis früh da sein sollten: Vor dem Garagenkomplex werden auch diesmal wieder Fundgegenstände versteigert. Passend dazu trällert Helene Fischer aus den Lautsprecherboxen „Und ich vermiss dich Tag und Nacht“.

Das Personal des Bürgeramts ist aber sicher, dass die Räder niemand mehr sucht: „Sie werden ein halbes Jahr aufbewahrt“, erklärt Roswitha Petschick, die gleich bei der Auktion den Hammer schwingen wird. „Wenn kein Besitzer gefunden wurde, können wir sie versteigern.“ Solche Auktionen gibt es nicht nur beim Tag der offenen Tür, sondern drei-, viermal im Jahr.
Fast zwanzig Räder sind bei schönstem Sonnenschein auf dem Hof aufgereiht: vom rostigen Diamant aus DDR-Zeiten bis zum edlen BMX. Mehr als 30 Gäste hoffen auf ein Schnäppchen – und sind angriffslustig.

Schon der Preis des ersten Rads schnellt vom Mindestgebot 30 Euro in die Höhe. Gleich mehrere Herren haben es auf das rot-weiße BMX abgesehen. „Wir sind bei 50 Euro. Kann das noch jemand toppen?“, fragt Roswitha Petschick herausfordernd in die Runde. „55!“, entgegnet ein Mann. Bei 60 Euro ist dann Schluss: „zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“. Keine fünf Minuten später ist das Rad im kleinen Ford des Käufers verstaut. Mit offener Kofferraumklappe düst der glückliche Höchstbieter davon. „Der hat ein Schnäppchen gemacht“, schätzt die Sachbearbeiterin im Ordnungsamt ein. „Das BMX war bestimmt das Doppelte wert.“

Auch ohne das nötige Kleingeld für ein Fahrrad lohnt sich an diesem Tag ein Besuch beim Bürgeramt. Interessierte können sich hier über die vielfältigen Aufgaben informieren, mit denen sich die Mitarbeiter befassen: etwa das Wohngeld, Parken für Schwerbehinderte oder die Erlaubnis fürs Plakatieren. Zwei Bürgerpolizisten des Hoyerswerdaer Reviers gewähren Einblick in ihren neuesten interaktiven Funkstreifenwagen. Der hebt sich nicht nur optisch durch neonfarbenen Streifen auf der Karosserie ab, sondern ist auch mit einem eigens entwickelten Sonderfahrzeugassistenten ausgerüstet. Dieser steuert zum Beispiel den Digitalfunk und navigiert die Beamten bei Einsätzen.

Beliebt ist auch der Trunkenheits-Parcours der Verkehrswacht: Mit einer Brille, die 0,8 beziehungsweise 1,3 Promille simuliert, können Freiwillige eine auf dem Boden eingezeichnete, kurvige Strecke entlangtorkeln – mit mehreren Aufgaben: So soll mit verschwommenem Blick Kleingeld aus einer Geldbörse geholt und ein Schlüssel in das zugehörige Loch gesteckt werden. „Wie, hier kann man besoffen sein ohne Alkohol?“, witzelt ein älterer Herr am Rand des Parcours. „Ja, aber es ist doch bestimmt nicht so schön wie mit“, entgegnet ein anderer.

Ernster geht es da bei der Präsentation der Blitzertechnik zu. Eine gemeindliche Vollzugsbedienstete führt am Straßenrand ihr Laser-Gerät zum Tempomessen vor. Über einen klappbaren Computer steuert sie den tarnfarbenen Kasten, der über zwei Objektive verfügt. Doch schon das Einrichten über das Computerprogramm ist eine Wissenschaft für sich. „Aber sie sehen ja“, sagt die Angestellte und deutet auf die schleichenden Autos auf der Dillinger Straße: „Allein, dass wir hier stehen, bewirkt schon etwas.“ Ihren Namen will sie lieber nicht nennen, denn es hat schon Drohungen gegen Kollegen gegeben. „Wir machen eben eine Arbeit, die nicht jeden begeistert.“

Schließlich führen die Messungen zu teils heftigen Konsequenzen: Mit 127 Stundenkilometern hat sie etwa schon mal einen Raser mitten in Hoyerswerda erwischt. Ein Motorradfahrer auf der B  97 hatte sogar über 220 auf dem Tacho. „Da hat man nur gehört, dass jemand kommt. Und schon war er auch wieder weg.“

Weg sind indes auch fast alle Fahrräder. Die Auktion hat für viel Geld in der Stadtkasse und viel Platz in der Garage gesorgt. Nur vier der 18 Räder sind übrig, ebenso ein Rollator. „Und das bei der Altersstruktur hier“, scherzt Roswitha Petschick. Auch wenn ein Rad sogar 175 Euro eingebracht hat: So ganz zufrieden ist sie nicht. Sonst seien mehr Leute da gewesen, die Gebote waren im Schnitt höher. „Die Leute waren heute etwas träge“, schätzt sie ein. Aber die nächste Auktion kommt bestimmt. Sicher nicht erst 2016 beim 10. Tag der offenen Tür im Bürgeramt.

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