Gefährliche Löcher am Scheibe-See werden verfüllt

Freitag, 05. Dezember 2014

Volkmar Hattula von der LMBV und Udo Steglich von der Firma BLZ sind hier an einem Bohrgerät zu sehen, das am früheren Tagebau Spreetal zur Verwahrung von Brunnen benutzt wird.
Volkmar Hattula von der LMBV und Udo Steglich von der Firma BLZ sind hier an einem Bohrgerät zu sehen, das am früheren Tagebau Spreetal zur Verwahrung von Brunnen benutzt wird.

Von Mirko Kolodziej

Ein Ausflug an den Scheibe-See hätte für einen Pilzsucher vor gut zwei Jahren böse enden können. Der Mann wollte ein schief stehendes Schild richten, als sich der Boden auftat und es verschluckte. Die Warnhinweise vor womöglich nachsackendem Boden stehen rund um den See eben nicht grundlos. Von Menschenhand in die Erde gebohrte Löcher können recht tückisch sein – selbst, wenn sie einst mit Kies zugeschüttet worden sind. „Es hat sich gezeigt, dass diese Verfüllung ehemaliger Filterbrunnen nicht ausreicht“, sagt Volkmar Hattula vom Bergbausanierer LMBV.

Ungezählte der erwähnten Brunnen haben den früheren Tagebau Scheibe während seines Betriebs vor dem Grundwasser geschützt. Im Durchschnitt reichten sie in rund 75 Meter Tiefe. Nachdem die Grube 1996 ausgekohlt war, holte man die Pumpen heraus und demontierte Steigleitungen sowie Elektrik. Die Kiesklebefilter wurden mit Sand verfüllt. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das steigende Grundwasser den Sand ausspülen kann. „Wir stellen manchmal zehn bis zwanzig Meter große Hohlräume fest“, sagt Udo Steglich von der Firma Bohrlochzementierung BLZ, die sich im LMBV-Auftrag in Bälde um die endgültige Lösung des Brunnen-Problems am Scheibe-See kümmern soll.

Die Erfahrungen des Lohsaers stammen von anderen ehemaligen Tagebauen in der Lausitz. Derzeit ist die BLZ zum Beispiel dabei, 32 Brunnen im Bereich des früheren Tagebaus Spreetal zu verfüllen. Dazu kommen hier außerdem noch gut vier Kilometer unterirdische Strecken. Diese Tunnel in 40 Metern Tiefe wurden vor der Ära der Filterbrunnen zur Tagebau-Entwässerung genutzt. Auch in Bärwalde laufen derzeit Verwahrarbeiten. Am Scheibe-See hat es immerhin schon Suchschachtungen nach jenen 390 Brunnenlöchern gegeben, die im Bereich des Rundweges verwahrt werden müssen. Statt des Sandes wird dabei nun nasse Asche aus dem Kraftwerk Boxberg verwendet. Wenn sie unterirdisch aushärtet, bekommt sie ungefähr die Festigkeit von Beton.

Die Suchschachtungen sind der zweite Schritt einer von der LMBV erarbeiteten Verwahr-Richtlinie. Zunächst haben die beauftragten Firmen anhand alter Unterlagen Vermessungen vorzunehmen, um die Brunnen zu lokalisieren. An den daraufhin markierten Stellen wird dann der Boden beiseite geschoben. Ist das frühere Brunnenloch gefunden, kommt ein Bohrgerät zum Einsatz und das Loch wird aufgebohrt. Es folgen die Verfüllung mit dem Asche-Gemisch und schließlich die Wiederherstellung der Oberfläche. Udo Steglich sagt, dass für einen früheren Filterbrunnen etwa ein Tag an Arbeit nötig sei.

Ganz selten kommt es allerdings auch vor, dass ein Brunnen nicht gefunden wird, etwa weil er einstmals aus irgendwelchen Gründen etwas entfernt von jener Stelle gebohrt wurde, die die Planungen vorsahen. In diesem Fall wird großflächig ein Kunststoff-Gitter ausgebracht. Ziel ist schließlich Sicherheit. Die Setzungsgefahr soll gebannt werden. „Das ist eine der Voraussetzungen für die Entlassung aus der Bergaufsicht“, sagt LMBV-Sprecher Dr. Uwe Steinhuber. Freilich ist die Sache, wie schon die erwähnte Verwahrrichtlinie zeigt, technologisch durchaus herausfordernd. So müssen große Mengen Asche aus Silos vor Ort mit Wasser vermischt und mit hohem Druck in die Hohlräume gepresst werden. Allerdings ist die Methode bewährt. Denn sie findet schon seit gut anderthalb Jahrzehnten Anwendung.

Am Streckenkomplex 7 in Spreetal, wo derzeit gearbeitet wird, besteht eine weitere Schwierigkeit darin, dass man teils auf Arealen tätig werden muss, die seit den Grundbrüchen 2010 gesperrt sind. Man hat der BLZ hier genaue Flächen zur Nutzung zugewiesen. Zudem gelten Sicherheitsmaßnahmen: Es darf nur im Hellen gearbeitet werden, es müssen immer zwei Kollegen im Gelände sein und Tempo oder Tonnagen von Fahrzeugen sind begrenzt. Am Scheibe-See wird solch erhöhte Vorsicht nicht nötig sein. Dank der Abraumverkippung per Bandanlage in Spreetal gibt es hier keine Kippen. Ende nächsten Jahres soll es rund um Hoyerswerdas künftigen Haus-See keine Vorfälle wie jenen mit dem Pilzsucher mehr geben können.

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