Ersatz für Unglücks-Stellwerk Hosena wird von Hoyerswerda aus bedient

Samstag, 27. Juli 2013

Weichenwärterin Heike Kallnik arbeitet derzeit am Bahnhof Hosena. Nach Bau eines neuen Stellwerkes wird sie hier nicht mehr mit der Hand ’ran müssen.
Weichenwärterin Heike Kallnik arbeitet derzeit am Bahnhof Hosena. Nach Bau eines neuen Stellwerkes wird sie hier nicht mehr mit der Hand ’ran müssen.

Wenn man bedenkt, dass heute fast jeder technische Schaltvorgang irgendwo auf der Welt von einem beliebig weit entfernten Ort ausgeführt werden kann, ist der Job von Heike Kallnik recht antiquiert. Die Weichenwärterin muss in jeder Schicht mehrfach eine Lichtrost-Treppe hinabsteigen, um einen großen Hebel umzulegen und so eine Weiche zu stellen. „Ich will es gar nicht Stellwerk nennen“, sagt Dieter Prautzsch von der Bahn-Tochter DB Netz über Heike Kallniks Arbeitsplatz am Bahnhof Hosena. Die Bahn bezeichnet das Kistchen denn auch als Bedien-Container.
Er steht an jener Stelle, an der vor einem Jahr zwei Güterzüge zusammenstießen. Drei Güter-Waggons rasierten das damalige Stellwerk W 3 weg, der Weichenwärter starb. Nun also ist Handarbeit angesagt – vorübergehend versteht sich. „Wir wollen, wir müssen das hier in zwei Jahren schaffen“, sagt Dieter Prautzsch über die Planungen zum Ersatz des Containers.
Das ist sportlich, denn sonst sind Planungs- und Bauzeiten in der Regel fünf Jahre lang – mindestens. Doch ab Ende nächsten Jahres soll das Kistchen wieder weichen können. Dann soll direkt neben dem Hosenaer Bahnhofsgebäude ein neues, elektronisches Stellwerk entstanden sein. Und das wiederum wird dann ohne Personal ferngesteuert. Hier kommt die erst vor drei Jahren am Hoyerswerdaer Bahnhof neu errichtete Stellwerks-Unterzentrale ins Spiel. Bisher funktioniert auch sie, ohne dass Personal vor Ort nötig wäre. Das wird sich ändern, erklärt Dieter Prautzsch: „Wir schaffen dort einen Bedienraum, in dem künftig Fahrdienstleiter arbeiten und von dem aus auch Hosena bedient wird.“
Die Eile, die DB Netz an den Tag legt, hat ihren Grund. Dieter Prautzsch spricht von „eingeschränkter Durchlässigkeit“ am Bahnhof Hosena. Denn trotz der bisherigen Wiederaufbau-Arbeiten lassen sich in Richtung Ruhland bis heute keine Weichen stellen. Ergebnis: Züge müssen sich quasi anstellen und warten, es gibt auch keine Überholmöglichkeiten. Fuhren in Hosena vor dem Unglück täglich im Schnitt 80 Züge, sind es heute nur 60. Und es steht zu erwarten, dass der Bedarf steigt.
Zumindest wird die Niederschlesische Magistrale in Richtung Horka so ausgebaut, dass sie locker 200 Züge am Tag passieren können. Bekanntlich wird am Bahnhof Knappenrode schon seit Monaten dafür gearbeitet. Ein – ebenfalls ferngesteuertes – Stellwerk im Hoyerswerdaer Ortsteil soll schon im Frühling des nächsten Jahres fertig sein. Doch für die nächsten Monate muss Heike Kallnik eben regelmäßig aus ihrem Bedien-Container nach unten klettern und die Zugfahrten in Richtung Brieske beziehungsweise Schwarzbach freigeben. Es geht nicht anders. 3,5 Kilometer Oberleitungen und hunderte Meter Gleise sind, wie geschehen, eben leichter zu ersetzen, als komplexe Steuerungstechnik.

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