Endspurt am neuen „Stern“

Donnerstag, 25. Juni 2015

Über dem Haupteingang des neuen Seniorenheims prangt der goldene Stern.
Über dem Haupteingang des neuen Seniorenheims prangt der goldene Stern.

Von Uwe Schulz

Johannes Johne ist ein alter Fuchs. Der Vorstand der Diakonie Görlitz-Hoyerswerda ist so lange im Geschäft, dass man ihm schlecht was vormachen kann. Das gilt auch beim Thema Bauen. Mehrere Projekte sind in seiner Zeit realisiert worden. Nun also das Seniorenheim in Hoyerswerda. Johannes Johne ist zweimal in der Woche hier vor Ort. Er kennt praktisch jedes Detail und wie es aussehen soll – von der Gestaltung des kleinen Platzes vor dem Haupteingang über den sonnenfarbenen Stern oben am Giebel bis hin zu den 21 Quadratmeter großen Balkonen und den 180 Fenstern, von denen ein Teil mit Jalousien ausgestattet wird. Im Erdgeschoss natürlich als Schutz gegen ungewünschte Einblicke, auf der Sonnenseite als lamellenartiger Wärmeschutz. „Damit die Hitze erst gar nicht ins Gebäude kommt“.

Auf den Balkonen sollen wiederum keine Möbel stehen, sondern sie sollen von den später 92 Bewohnern zum Beispiel im Rollstuhl genutzt werden können. Der Stern am Giebel ist wiederum eine Reminiszenz an das Hotel „Goldener Stern“, das hier einst stand und dessen Grundmauer-Reste von den Archäologen freigelegt worden waren. Teile dieser Funde sollen in Absprache mit dem Landesamt für Archäologie in einer Vitrine im Eingangsbereich gezeigt werden. Und auf dem kleinen Platz vor dem Haupteingang sollen Fahrradständer und eine halbrunde Bank ihren Platz finden. Johannes Johne freut sich, dass nebenan die Stichstraße schon gebaut wird. Das Projekt liegt in Regie der Stadt Hoyerswerda. Eine Baufirma hat die Borde gesetzt und pflastert den Randstreifen. Dann rückt bald die Asphaltmaschine an und die Zufahrt zu den etwa 40 Parkplätzen der Diakonie kann auch gleich gebaut werden.

Die Diakonie investiert hier 7,5 Millionen Euro an historischer Stelle. Eine Million stellt die Stiftung aus Eigenkapital zur Verfügung, den großen Rest hat man über Banken finanziert. Johne weiß, dass sowohl ein Eigenanteil in dieser Höhe als auch die offenbar problemlose Kreditbereitstellung nicht unbedingt selbstverständlich sind. Aber es hat geklappt. Der Bau ist ohne große Probleme hochgezogen worden. In der frühen Planungsphase war man von 140 Heimplätzen ausgegangen. „Doch das war viel zu groß“, sagt Johannes Johne. Jetzt sind es eben 92 in zwölf Wohngruppen auf drei Etagen. Der V-förmige Baukörper ist in drei Abschnitte unterteilt. Abschnitt A, direkt an der Spremberger Straße, wird als Erstes fertiggestellt sein.

Der Weg durchs Haus ist daher derzeit ein Weg an Handwerkern verschiedener Sparten vorbei. Hier wird gefliest, da gemalert, woanders werden Treppengeländer montiert, Scheuerleisten befestigt. „Jedes Gewerk hatte beim Innenausbau eine Woche Zeit, so sind wir zügig vorangekommen“, plaudert Johne und zeigt eines der Zimmer. Hell, freundlich, Fußbodenheizung, eigene Nasszelle mit ebenerdigem Duschablauf. Darüber hinaus gibt es auf jeder Etage noch ein Pflegebad. Jeder Wohnbereich hat auch einen zentralen Aufenthaltsbereich – auf der einen Seite mit einer Küchenzeile, auf der anderen mit einem Sitzbereich. Die Ausstattung muss man sich derzeit freilich noch dazudenken.

Im Erdgeschoss findet man die Küche mit dem zentralen Essbereich, in den beiden Etagen darüber Aufenthaltsbereiche, von denen einer im Stil eines Cafés, ein anderer eher in Form einer Kneipe gehalten ist. Fernseher wird es in diesen öffentlichen Bereichen aber nicht geben. „Fernsehen ist nicht kommunikativ“, sagt Johne. Wer TV gucken will, kann dies allein bei sich im Zimmer tun. Daher schließt jeder Bewohner seinen eigenen Vertrag mit der Primacom ab und kann so auch über Telefon und Internet entscheiden. Wer sein Zimmer verlässt, hat die Chance, andere Menschen zu treffen und etwas Gemeinsames zu tun.
Ende Juli fangen hier die ersten Mitarbeiter an.

Am 3. August werden die ersten Bewohner einziehen. Die Bauabnahme für den Abschnitt A ist in dieser Woche angesetzt. Und auch wenn Anfang August noch nicht alle Wohnbereiche bezogen werden, so müssen doch alle sicherheitsrelevanten Dinge im gesamten Objekt funktionieren. Vorher gibt es keine Betriebserlaubnis. Also hat Johannes Johne in den nächsten Wochen nicht nur Termine mit Baufirmen, sondern auch mit Pflegekasse und Heimaufsicht. Kopfschmerzen bereiten ihm diese Termine nicht.

Johannes Johne weiß auch, wie stark das öffentliche Interesse an dem neuen Pflegeheim ist. Jeder Baufortschritt wurde von unzähligen Leuten im Bild festgehalten. Und so ist am 30. August ein Tag der offenen Tür geplant, bei dem sich jedermann ein Bild von der Einrichtungen machen kann. Johannes Johne ist natürlich auch hier mit dabei.

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