Eine hohe Verbundenheit mit dem Klinikum

Freitag, 02. Oktober 2015

Diese im Volksmund „Ringer“ genannte Skulpturengruppe von Wilfried Fitzenreiter ziert die Seenland-Klinikum-Fassade.  Foto: Uwe Jordan
Diese im Volksmund „Ringer“ genannte Skulpturengruppe von Wilfried Fitzenreiter ziert die Seenland-Klinikum-Fassade. Foto: Uwe Jordan

Von Ralf Grunert

Mit mehr als tausend Beschäftigten inklusive der Tochtergesellschaften ist das Lausitzer Seenland-Klinikum der größte Arbeitgeber im Hoyerswerdaer Land. Zudem verfügt es als einziger Schwerpunktversorger in der Region über das größte Leistungsspektrum. Vor diesem Hintergrund war es wenig verwunderlich, dass die beiden Geschäftsführer in dieser Woche bei ihrem Besuch im Hoyerswerdaer Stadtrat etwas mehr Zeit als die vorgegebenen 20 Minuten benötigten, um über die aktuelle Situation, die Herausforderungen und die Projekte zu informieren. Angesichts des Gehörten waren die Stadträte offenbar sprachlos. Es gab zumindest keine Fragen an das Führungs-Duo. Auch nicht von OB Stefan Skora (CDU), der sichtlich zufrieden erklärte: „Es ist im Vergleich zu so manchen früheren Jahren wohltuend, einen Bericht über das Klinikum zu hören.“

Dieser Bericht war gespickt mit Zahlen und Fakten: Von Jörg Scharfenberg erfuhren die Stadträte zum Beispiel, dass die Patienten aus einem Radius von mehr als 70 Kilometern kommen. Dieser Bereich erstreckt sich von der polnischen Grenze bis in den Raum Cottbus, Meißen und Dresden. Der Marktanteil im Hoyerswerdaer Land beträgt zwischen 70 und 100 Prozent, in weiter entfernten Bereichen liegt er immer noch bei 20 bis 40 Prozent. „Wir versorgen eine Region mit 527 000 Einwohnern. Das birgt eine Menge Potenzial“, machte er deutlich. „85 Prozent der Patienten im Kernmarkt werden vom Klinikum versorgt. Das ist ein sehr, sehr guter Wert. Das findet man selten. Das drückt auch die hohe Verbundenheit der Einwohner zum Klinikum aus“, betonte Jörg Scharfenberg.

Der Geschäftsführer ließ weiter Zahlen folgen: Im Jahre 2014 wurden rund 60 000 Patienten behandelt, 21 000 stationär, 39 000 ambulant. Die Anzahl der Operationen belief sich auf 8 400. Es gab 600 Geburten, darunter waren auch zwölf Zwillingsgeburten. Ebenfalls im Jahre 2014 erfolgte die Erweiterung der Geriatrie auf 30 Betten und die Eröffnung der Palliativstation mit fünf Betten. In diesem Zusammenhang kündigte er an, dass der Neubau der Geriatrie am 2. Dezember eingeweiht wird. Seit gestern verfügt das Klinikum zudem über einen eigenen Krankenhaus-Hygieniker. „Er ist einer der wenigen, die es in Deutschland gibt. Wir sind sehr froh, dass wir ihn für Hoyerswerda gewinnen konnten.“

Lars Markewitz, der mit Jörg Scharfenberg seit diesem Jahr eine Doppelspitze im Klinikum bildet, widmete sich in seinen Darlegungen unter anderem der wirtschaftlichen Seite. So wurden im Zeitraum von 2009 bis 2014 jeweils Millionen-Summen im Klinikum investiert. Anfangs waren es bis zu neun Millionen Euro, da größere bauliche Maßnahmen umgesetzt wurden. Inzwischen hat sich das Investitionsvolumen zwischen vier und sechs Millionen Euro eingepegelt. Seit zwei, drei Jahren wird sehr viel Medizintechnik angeschafft. Als Beispiele nannte Lars Markewitz unter anderem zwei Linksherzkatheter, einen Computertomographen und Beatmungsgeräte. Die Bautätigkeit werde mit der Geriatrie weitestgehend auslaufen, kündigte der Geschäftsführer an.

Mit einem Umsatz von 69 Millionen Euro im vergangenen Jahr hat das Klinikum eine leichte Steigerung gegenüber 2009, als es 64 Millionen Euro waren, zu verzeichnen. Die Fallzahlen wurden in diesem Zeitraum von 20 602 auf 21 777 gesteigert. „Wir gehen von einer leichten Umsatzsteigerung im Jahr 2015 aus“, wagte Lars Markewitz einen kleinen Ausblick.

Die Mitarbeiterzahl im Klinikum selbst sank von 806 (2009) auf 786 (2014). Es gibt aber mehr Vollzeitkräfte, so der Hinweis des Geschäftsführers, da ein Abbau bei Teilzeitkräften erfolgte. Das Lausitzer Seenland-Klinikum mit den Tochtergesellschaften, wozu unter anderem die Reinigung, die Küche und der Schreibdienst gehören, zählte 2014 insgesamt 1 028 Beschäftigte.

Aktuell verfügt das Lausitzer Seenland-Klinikum über drei Institute und 13 Fachabteilungen. „Im nächsten Jahr werden es vielleicht 14 sein“, kündigte Jörg Scharfenberg an. Im 1. Quartal 2015 sei die Etablierung des Fachgebietes Neurologie ins Auge gefasst. Ein weiteres Projekt ist der Neuaufbau der Gynäkologie. Zum 1. Januar wird ein neuer Chefarzt erwartet. Aktuell sind in der Gynäkologie vier eigene Fachärzte und sechs Assistenten beschäftigt. „Wir kommen ab dem 1. Oktober ohne Honorarkräfte aus“, kündigte er am Dienstag an.

Mit einer Strategietagung in der vergangenen Woche begann am Seeland-Klinikum übrigens die Erarbeitung eines medizinischen Konzeptes für die nächsten fünf bis sieben Jahre. Wohin die Reise gehen soll, deutete Jörg Scharfenberg abschließend schon mal an: „In Perspektive werden wird versuchen, ein onkologisches Zentrum am Klinikum zu etablieren.“

 

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