Einblick in die Historie der Sühnekreuze

Dienstag, 07. Oktober 2014

Von den drei Mitarbeitern der Arbeitsgruppe GeschichtswerkstattSühnekreuze, Bernhard Donke (v.l.), Ingolf Tausch und Marko Bläsche, erhielten das Steinkreuz und der Kreuzstein im Lohsaer Ortsteil Steinitz auch eine Hinweistafel mit vielen Angaben.
Von den drei Mitarbeitern der Arbeitsgruppe GeschichtswerkstattSühnekreuze, Bernhard Donke (v.l.), Ingolf Tausch und Marko Bläsche, erhielten das Steinkreuz und der Kreuzstein im Lohsaer Ortsteil Steinitz auch eine Hinweistafel mit vielen Angaben.

Von Lieselotte Donke

Fast drei Jahre hat es gedauert, doch nun ist es geschafft: Die ersten Hinweistafeln an den Steinkreuzen und Kreuzsteinen im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft stehen. Sie geben Auskunft über die Historie des jeweiligen Steins – so neuerdings auch in den Lohsaer Ortsteilen Steinitz, Lippen und Litschen.

Vor drei Jahren hatten sich geschichtsinteressierte Männer und Frauen unter der Obhut des Fördervereins für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zu einer Arbeitsgruppe „Geschichtswerkstatt Sühnekreuze“ zusammengefunden. Sie wollten die Steinkreuze und Kreuzsteine, die sich auf dem Gebiet des Biosphärenreservats befinden, aufarbeiten. Es handelt sich um Steine, die im Volksmund oft als Sühnekreuze bezeichnet werden, weil es sich um Zeugen mittelalterlicher Rechtssprechung handelt, weil sie zur Sühne einer Untat vom Täter oder seinen Angehörigen selbst aufgestellt werden mussten.

Zuerst wurde von den Arbeitsgruppen-Mitgliedern jedes einzelne Steinkreuz und jeder Kreuzstein erfasst, seine Geschichte recherchiert und aufgeschrieben. So entstand für jeden Stein eine lebendige historische Momentaufnahme über Regionalgeschichte, Legende und Naturraum. Das war keine leichte Arbeit, denn von den meisten Steinen gibt es kaum verlässliche Aufzeichnungen. Zumeist waren die Hintergründe, warum die Steine aufgestellt wurden, in den Kirchenbüchern der jeweiligen Kirchengemeinde zu finden. Doch nicht selten waren Kirchen und Pfarrämter den kriegerischen Ereignissen in den letzten zwei Jahrhunderten zum Opfer gefallen und mit ihnen ihre wertvollen Aufzeichnungen in den Archiven.

So konnten die ehrenamtlichen Geschichtsforscher zumeist nur die Aufzeichnungen des sächsischen Steinkreuz- und Kreuzsteinhistorikers Kuhfahl aus dem Jahre 1936 beziehungsweise die der beiden DDR-Historiker Harald Quietzsch und Werner Müller aus den 1970er-Jahren zurückgreifen. Zudem wurden Bürger an den jeweiligen Standorten befragt, was sie selbst über die Steine wissen und was sie von ihren Vorfahren übermittelt bekommen haben. So konnten die Mitglieder der Arbeitsgruppe, der anfangs zehn Personen angehörten, so manche interessante Geschichte oder Legende in Erfahrung bringen, auch wenn diese historisch nicht belegbar waren. Dennoch war es eine schöne Arbeit, wie Ingolf Tausch und Bernhard Donke, die beiden zuletzt noch verbliebenen Arbeitsgruppen-Mitstreiter, finden.

Sie hatten nun die schöne Aufgabe, gemeinsam mit Marko Bläsche vom Förderverein für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, der als Gruppenleiter hinzukam, die auf Tafeln gedruckten Angaben zum jeweiligen Steinkreuz oder Kreuzstein einzurahmen und auf Pfählen aus Robinienholz zu befestigen.

Bislang wurden auf diese Weise 13 Steinkreuze und Kreuzsteine auf dem Territorium des Biosphärenreservats beschildert, darunter eben auch die in Steinitz, Litschen und Lippen. Weitere werden nächstes Jahr hinzukommen – gedacht als Informationsquelle für Touristen, aber auch für die ansässige Bevölkerung.

Der Förderverein für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft möchte übrigens eine Geocachergruppe aufbauen. Dazu werden interessierte Frauen und Männer gleich welchen Alters gesucht. Die Gruppe soll ein Rätsel entwickeln, welches über mehrere Stationen zu lösen ist. Darüber hinaus soll ein A4-Faltblatt erstellt werden, auf dem eine Übersicht über alle Steine und Kreuzsteine im Biosphärenreservat gegeben wird. Geplant sind –  je nach Vorkenntnissen – etwa fünf bis sieben Treffen in einem Zeitraum von sechs bis neun Monaten.

Wer mitmachen möchte, der kann sich ab sofort unter der Telefonnummer 035893 508571 bei Marko Bläsche melden.

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