Ein Blumengruß für den guten Zweck

Samstag, 27. Juni 2015

Schreib mal wieder! Mit diesen Karten, die Schwester Renata fertigt, kann man dem Empfänger gewiss eine Freude machen.
Schreib mal wieder! Mit diesen Karten, die Schwester Renata fertigt, kann man dem Empfänger gewiss eine Freude machen.

Von Constanze Knappe

Schierling wächst auf jeder Wiese und hat wunderschöne Dolden. Es ist eine jener Pflanzen, die Schwester Renata sammelt und verarbeitet. Wie Stiefmütterchen, Strohblumen, ja sogar Rosenblätter, Blüten von Rhododendronsträuchern oder was die Wiesen sonst noch so hergeben. „Holunder hat besonders grazile Blüten“, erklärt Schwester Renata, die seit zwei Jahren im St.-Adalbert-Stift in Wittichenau lebt. Ihr Hobby betreibt sie aber schon sehr viel länger. Sie fertigt aus den Pflanzenteilen Glückwunschkarten. Jede Einzelne ein Unikat – und ein echtes Kunstwerk.
Gebastelt hat Schwester Renata schon immer gerne.

Sie hat gestickt, Weihnachts- und Osterschmuck gebastelt. Unter ihren geschickten Händen entstanden auch Kasperlepuppen. Glückwunschkarten wären da naheliegend. Und dennoch hat es einen besonderen Grund, dass die Ordensschwester der Borromäer gerade darauf gekommen ist. Vor Jahren richtete ein Tsunami auf Hawaii, Sumatra und in anderen Gegenden verheerende Schäden an. „Im Rest der Welt war man erschüttert“, erinnert sie sich. Sie hörte damals einen Vortrag über die Zustände im Katastrophengebiet, der in der Aufforderung endete, dass jede Menge Hilfe aus aller Welt gebraucht werde.

Jeder solle doch überlegen, was er selbst beitragen könne, um den Menschen dort zu helfen. Schwester Renata musste nicht lange überlegen. Die Hilfe war ihr ohnehin ein Bedürfnis. Karten seien schnell zu machen, da habe man wenig Unkosten und brauche kaum Vorarbeiten, war damals ihre Idee.

Gedacht, getan. Sie sammelte Blätter und Blüten und fing mit dem Pressen an. „Am besten gelingt das, indem man die Blüten in Zeitungspapier einlegt. Und mit dicken Büchern beschwert“, erklärt sie. Damit nicht so Vertraute würden am Morgen sammeln, weil da die Blüten schön frisch sind. Das aber sei ein Irrtum, macht Schwester Renata deutlich. Die Erfahrung über die Jahre habe ergeben, dass man Pflanzen am besten in der Mittagssonne sammelt. Dann haben sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit gespeichert.

Vor dem Pressen nimmt sie die größeren Blüten auseinander und setzt sie später wieder zusammen. Die getrockneten und gepressten Pflanzenteile werden in kleinen Schachteln aufbewahrt. So kann Schwester Renata aus einem scheinbar unendlichen Reservoir an Vorräten schöpfen. Da sie selbst nicht mehr gut zu Fuß ist und an zwei Stöcken geht, wird das Sammeln mitunter etwas beschwerlich. Sie freut sich deshalb, wenn ihr Mitarbeiter des Adalbertstifts Blumen und Gräser zum Trocknen mitbringen. Eine bestimmte Lieblingsblume hat sie nicht. Aber es sei ihr schon wichtig, dass sich Blüten und Blätter gut arrangieren lassen. Die Idee zu einer Karte hat sie im Kopf. Mit der Pinzette ordnet sie die ausgesuchten Teile auf einem weißen Blatt Karton an und klebt sie fest.

Eine gepresste Stiefmütterchenblüte ist um die 4,5 Zentimeter groß, manche Blättchen von Blütendolden nur drei Millimeter. Da sind Augenmaß, Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Respekt, dass sie das mit ihren 88 Jahren so hinbekommt. Schwester Renata lacht. Das sei schließlich jahrelange Übung. Und was die Gestaltung angeht, entweder man habe das Talent dazu oder eben nicht. Wie viele Karten sie im Laufe der Jahre schon gefertigt hat, vermag sie nicht zu sagen. Gelegentlich macht sie Mitarbeitern des Seniorenheims damit eine Freude oder auch ihren Verwandten.

Mehr als 20 Jahre arbeitete Schwester Renata im Malteser-Krankenhaus St. Carolus in Görlitz und betreute dort zum Beispiel die Patientenbücherei. Auf dem Bücherwagen, mit dem sie dreimal die Woche ihre Runde durch die Stationen drehte, lagen immer ein paar ihrer Karten. Die Patienten waren dankbar dafür. Jetzt in der anderen Umgebung in Wittichenau sei es schwerer, die Karten zu verkaufen. Das liegt aber nicht etwa am Preis. Für 1,50 Euro sind die Blütenkarten inklusive Umschlag günstiger als manche gedruckten aus dem Supermarkt und sehen obendrein noch viel toller aus. „Heute schreibt ja kaum noch jemand“, beklagt Schwester Renata. Und wenn, dann höchstens am Computer oder auf dem Smartphone.

Den Erlös aus dem Verkauf der Karten steckt sich die rührige Ordensschwester nicht etwa selber ein. Den spendet sie an die Flüchtlingshilfe der Jesuitenmission in Nürnberg. Über ein Netzwerk unterstützt das deutsche Hilfswerk der Jesuiten an die 600 Hilfsprojekte in aller Welt. So werden zum Beispiel im Bistum Chinhoyi (Simbabwe) das Makumbi-Kinderdorf, die St. Albert‘s Highschool, Fußballschulen und Straßenkinder in Harare gefördert. In Kenia unterstützt die Jesuitenmission ein Netzwerk gegen Aids, in Peru Sozialprogramme und in Indien den Bau von Biogasanlagen. Jedes Mal, wenn sie 100 Euro zusammengetragen hat, spendet sie.

Ihre Karten mit den Weihnachtsmotiven seien besonders gefragt gewesen. „Die gingen weg wie warme Semmeln“, sagt Schwester Renata schmunzelnd. Da sei sie kaum mit der Fertigung hinterhergekommen. 250 Euro hat sie danach gespendet.

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