Die Hoffnungen liegen auf dem Nachwuchs

Montag, 30. März 2015

Die Kindertanzgruppe Seidewinkel übt sich mit den Tänzen der Großen und erfreute die Gäste.
Die Kindertanzgruppe Seidewinkel übt sich mit den Tänzen der Großen und erfreute die Gäste.

Von Jost Schmidtchen

Zwanzig Ostereierverzierer aus der Lausitz, aus Chemnitz und Berlin konnten am Wochenende im Saal in Neuwiese begrüßt werden. Werner Böhme, der Vorsitzende des „Vereins zur Pflege der Regionalkultur der mittleren Lausitz“ weiß natürlich, dass die Künstler mit dem etwas längeren Anreiseweg ehemalige Lausitzer aus den Dörfern der Elsterheide sind. Sie bewahren die seit Generationen weitergegebenen Fertigkeiten und Motive auch in ihrer heutigen Heimat. Einen ganz besonderen Willkommensgruß richtete der Vereinsvorsitzende an die Jüngsten: Das waren Elea (6) und ihre Schwester Emilia (9) Kasper aus Seidewinkel. Ihre Mutter, eine Tante aus Zeißig und weitere Familienangehörige sorgen dafür, dass das Ostereierverzieren in der Familie erhalten und weiter gegeben wird.

Erstmals nach Neuwiese zum Ostereiermarkt kamen am Wochenende Ines Lückert und Irma Röck aus Spremberg sowie Martina Riedl aus Lübbenau. Worte des Gedenkens sprach Friedhardt Vogel hingegen für Sigrid Bolduan aus Klein Loitz. Die sorbische Volkskünstlerin, die viele Jahre den Ostereiermarkt in Neuwiese mitprägte, war Anfang Februar verstorben.
Neben dem Ostereierverzieren wurde in Neuwiese am Wochenende auch anderes sorbisches Handwerk vorgestellt. Dazu gehörte die von Carola Geppert aus Bad Muskau gezeigte Weißstickerei. Carola Geppert hat erst vor wenigen Jahren die völlig in Vergessenheit geratene wendische Bad Muskauer Tracht wiederentdeckt und belebt. Sie ist die letzte Fachfrau, die die Weißstickerei noch gewerbsmäßig betreibt. Die schneeweißen Fäden sind aus Baumwolle. Daraus entstehen Trachtenhauben und Schultertücher, Auftraggeber sind Privatpersonen und Vereine. Die Trachtenhauben in Weiß sind für Kirchgang, Taufe, Konfirmation und Hochzeit bestimmt. Je nach Muster und Kirchspiel dauert die Anfertigung eines Einzelstücks zwischen 40 und 1 000 Stunden. Carola Geppert war nicht das erste Mal in Neuwiese. Die Besucher umlagerten dennoch ihren Stand.

Zur Eröffnung des Ostereiermarktes gab es kurzzeitig sogar etwas Hektik. Erschien doch die Hoyerswerdaer Familie Böhme vor dem Osterkuchen mit einem für Palmarum unangemessenen „Fehltritt“. Maria, die Jüngste, hatte bei allem Stress doch die verkehrte Tracht angekleidet bekommen und vor allem das rote Kopftuch, das passte ja nun gleich gar nicht zu Palmarum. Doch die Wogen glätteten sich bei einer mit der Umkleidung einhergehenden kleinen Trachtenkunde schnell und den Besuchern hat diese ungewollte Einlage gefallen. Denn es hat sich längst herumgesprochen, dass sich nirgendwo so viele Lausitzer Trachtenträgerinnen treffen, wie alljährlich im familiären Flair des Ostereiermarktes in Neuwiese.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Auflage, die rein quantitativ im Vergleich zu den Vorjahren doch etwas geschrumpft war, standen aber natürlich die vielen verzierten Ostereier. Aus Schleife, Hoyerswerda, Spremberg, Seidewinkel, Zeißig, Klein Loitz, Lübbenau und wo sonst noch her – die Tische der Ostereierverzierer waren dicht umringt von den Besuchern. Auch für das Angebot des Domowina-Verlages gab es viel Interesse. Regina Bresan und Janina Mikwausch präsentierten neben dem Standardangebot auch zwei Neuerscheinungen: „Das Windrad auf dem Dach“, Jugenderinnerungen von Jurij Koch und von Benno Budar „Und immer wieder diese Angst“.

Kulturell umrahmt wurde der Ostereiermarkt von Schülern des Lessinggymnasiums, den Chören aus Seidewinkel und Lohsa und der Blasmusikkapelle „HoJaMuSch“ aus Groß Dubrau.

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