Die digitale Revolution

Dienstag, 16. September 2014

Gert Wroblewski zeigt eines der neuen digitalen Funkgeräte
Gert Wroblewski zeigt eines der neuen digitalen Funkgeräte

Von Uwe Schulz

Altes Funkgerät raus aus dem Feuerwehrfahrzeug, neues rein und los geht es mit der schönen neuen digitalen Welt und der klaren Sprachqualität? So simpel ist es dann doch nicht. Dieter Kowark, Vize-Kreisbrandmeister und Feuerwehrchef der Stadt Hoyerswerda sowie der Gemeinde Elsterheide weiß, dass die Bedienung der neuen Funkgeräte nicht so einfach ist. Daher gibt es für alle Feuerwehrleute eine achtstündige Schulung – zwei Stunden Theorie, der Rest Praxis.

Wie immer bei solchen Dingen ist das vor allem eine Frage der Gewöhnung. In Hoyerswerda haben zwei Drittel der Kameraden ihren Kurs schon hinter sich. Der Rest kommt noch. Immerhin ist seit Freitag der komplette Feuerwehrfuhrpark von Hoyerswerda mit Digitalfunk umgerüstet. Das sind 26 Einsatzfahrzeuge, die am Standort der Berufsfeuerwehr in der Herrmann-Straße und den Depots der einzelnen freiwilligen Feuerwehren stationiert sind. Hinzu kommen noch vier in Hoyerswerda untergebrachte Fahrzeuge des Katastrophenschutzes.

Damit ist im Landkreis Bautzen die erste Feuerwehr umgerüstet. Pro Fahrzeug benötigte die beauftragte Firma Fit aus Dresden trotz des zuvor für jedes Fahrzeug angefertigten Aufmaßes ein bis zwei Tage Umrüstzeit. Neue Antennen, neue Verkabelung, neue Ladehalterungen, das dauert halt.

Mit der Umrüstung ist ein seit zehn Jahren währender Wunsch in Erfüllung gegangen. Ein Wunsch, den es deutschlandweit gibt. Die Einführung des Digitalfunks bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten dauert mittlerweile ein gutes Jahrzehnt. Zunächst mussten die Voraussetzungen geschaffen werden. Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 konnte die neue Technik in Leipzig schon mal zeigen, was sie draufhat. Und auch beim Seenlandfestival am Partwitzer See 2013 probten die Einsatzkräfte das, was jetzt Alltag wird.

Beim digitalen Funk kann man im Gegensatz zum analogen Funk nicht mehr einfach so mithören. Da es sich um ein nationales Funknetz handelt, sind die Einsatzkräfte praktisch auch deutschlandweit untereinander erreichbar, und das auch noch in guter Sprachqualität. Allein den Feuerwehren stehen statt früher 10 Funkkanälen nun 22 Funkgruppen zur Verfügung, was den Funkverkehr gerade bei Großschadensereignissen erleichtert. Und so, wie das Netz aufgebaut wurde, dürfte es zumindest im Landkreis Bautzen kein einziges Funkloch mehr geben.

„Wir haben auch schon Funktests in schwierigen Gebäuden vorgenommen“, sagt Dieter Kowark. Mit schwierig meint er große Objekte mit viel Stahlbeton und zentralen Gängen in der Mitte der Gebäude, zu denen in Hoyerswerda die Elfgeschosser ebenso gehören wie das Lausitz-Center oder das Seenland-Klinikum. Vereinfacht ausgedrückt lassen sich im Digitalfunk einfach Verstärker aufbauen, die das Signal beispielsweise in die Hochhaus-Gänge problemlos weiterleiten.

Ab sofort wird in Hoyerswerda also digital gefunkt. Aber nicht ausschließlich. Denn solange es den Umrüstungsprozess gibt, so lange wird es auch Feuerwehrleute geben, die noch mit der alten analogen Technik ausgestattet sind. Daher haben alle Katastrophenschutzfahrzeuge sowie der Einsatzleitwagen und das Hilfsgerätelöschfahrzeug der Berufsfeuerwehr sowohl digitale als auch analoge Funktechnik an Bord. So ist die Kommunikation mit allen Kräften gesichert. Erst wenn die Umrüstung komplett abgeschlossen ist, werden auch die analogen Geräte ausgebaut. Und irgendwann in ein paar Jahren wird das komplette analoge Funknetz eingestellt.

Mit den alten Geräten können die Feuerwehren jetzt nicht mehr viel anfangen. „Ein bisschen davon werden wir uns natürlich aufheben“, sagt Gert Wroblewski, der bei der Feuerwehr Hoyerswerda die Umrüstung betreut. Davon dürfte durchaus etwas im Feuerwehrmuseum landen.

Die Umrüstung an sich ist auch nicht gerade billig. Allein für die Ausstattung der Fahrzeuge und der Feuerwehrleute in Hoyerswerda wurden 255 000 Euro ausgegeben, wobei 75 Prozent über Fördermittel gedeckt wurden. Den Rest musste und muss aber jede Kommune selbst aufbringen. Es sind Ausgabepositionen, die seit Jahren immer wieder in den kommunalen Haushalten auftauchten. Jetzt bekommen die Feuerwehrleute dafür tatsächlich etwas in die Hände.

Zurück

Einen Kommentar schreiben