Der Notruf zieht um

Dienstag, 17. September 2013

Disponent René Zschiesche und Systemadministrator Ingo Thomas gehören zur Besatzung der neuen Leitstelle in Hoyerswerda. Heute Nacht werden die ersten Notrufe von der neuen Leitstelle aus bearbeitet.  Foto: Ulrike Herzger
Disponent René Zschiesche und Systemadministrator Ingo Thomas gehören zur Besatzung der neuen Leitstelle in Hoyerswerda. Heute Nacht werden die ersten Notrufe von der neuen Leitstelle aus bearbeitet. Foto: Ulrike Herzger

Für René Zschiesche wird der Dienst heute Abend ein besonderer. Denn wenn der Leitstellendisponent um 18 Uhr seine Zwölf-Stunden-Schicht antritt, wird er Teil eines ungewöhnlichen Umzuges. Im Laufe dieser Schicht soll der Betrieb von der alten Rettungsleitstelle in der Hauptfeuerwache auf die nebenan neu gebaute Integrierte Rettungsleitstelle umgestellt werden. Das war zwar schon vor eineinhalb Jahren geplant, doch enorme Probleme im Bereich der Software verhinderten diesen und alle anderen danach genannten Termine. Doch jetzt sollte es klappen. Immerhin ist die Schwesterleitstelle in Dresden schon vor einigen Wochen in Betrieb gegangen. Zur Beruhigung des Hoyerswerdaer Leitstellen-Chefs Volker Sanderhoff hat dort alles super geklappt und auch die Systeme laufen wohl so stabil, wie man sich das vorstellt.

Immerhin darf es bei einem solchen Leitstellen-Umzug keine Minute geben, in der der Notruf abgeklemmt ist. Deshalb werden die alte und die neue Leitstelle zumindest für einige Stunden parallel laufen. Derjenige, der in dieser Zeit einen Notruf über die 112 absetzt, dürfte davon nichts merken. Egal, wo sein Anruf entgegengenommen wird – die dann anlaufende Hilfe-Maschinerie ist dieselbe. Wenn alles perfekt läuft, kann man die alte Leitstelle schon nach zwei Stunden unbesetzt lassen. Sie wird aber wohl noch zwei Tage lang parallel am Netz bleiben, falls wider Erwarten bei der Neuen doch noch etwas schiefläuft.

Auf diesen Erfahrungen baut dann der Umzug der anderen Leitstellenbereiche der Landkreise Görlitz und Bautzen auf. „Eine gleichzeitige Übernahme aller Leitstellenbereiche ist nicht möglich, da insbesondere die Funk- und Alarmierungssysteme an die IRLS anzubinden und in der Leitstelle selber die Daten für die einzelnen Bereiche in das Einsatzleitsystem einzupflegen sind“, erklärt Gernot Schweitzer, Sprecher des Landratsamtes Bautzen.

Pro Leitstelle benötigen die Administratoren dafür etwa drei Monate. Im Sommer 2014 soll aber der letzte Bereich aufgeschaltet sein. Dann laufen in dem großen gut gekühlten Raum in der Hoyerswerdaer Herrmann-Straße die Notrufe von ganz Ostsachsen auf, werden von hier aus Feuerwehren, Rettungsdienste und sonstige Hilfskräfte alarmiert. Aber auch die Vermittlung des kassenärztlichen Gemeinschaftsdienstes und die automatische Waldbrandüberwachung werden von Hoyerswerda aus gemanagt. Die Umstellung vom herkömmlichen Analog-Funk auf Digitalfunk wird in den kommenden Monaten noch dazukommen. Ein anspruchsvoller Umstellungsprozess.

Die Disponenten finden in der neuen Leitstelle modernste Technik vor, werden von Geoinformationssystemen unterstützt. Immerhin muss der Disponent ja in der Lage sein, auch ohne persönliche Kenntnis der örtlichen Situation die optimale Hilfe organisieren zu können. Im kommenden Jahr werden 55 Disponenten und 15 weitere Mitarbeiter, die als Leitung, Dienstgruppenführer und Systemadministratoren tätig sind, in der Hoyerswerdaer Leitstelle arbeiten, wobei die Disponenten alle von den bisherigen Leitstellen übernommen werden. Eine normale Schicht soll dann aus einem Dienstgruppenführer und fünf Disponenten bestehen, die je nach Einsatzgeschehen um bis zu vier weitere Kollegen aufgestockt werden können. Im Falle einer Unwetterkatastrophe kann zudem ein extra Telefondienst eingerichtet werden, der Anrufe erst einmal entgegennimmt.

Alle Disponenten absolvieren vor dem Start in Hoyerswerda einen einwöchigen Lehrgang an der Landesfeuerwehrschule. In der neuen Leitstelle schließen sich weitere Kurse an. Und derweil die 10,5 Millionen Euro teure neue Leitstelle in Betrieb geht, wird hinter den Kulissen noch ums Geld gestritten. Denn durch die Verzögerung bei der Inbetriebnahme sind den Kreisen Görlitz und Bautzen rund 1,3 Millionen Euro Schaden entstanden. Geld, das beide Kreise vom Freistaat ersetzt sehen wollen. Die nächste Verhandlungsrunde steht demnächst an. Dann hat die Leitstelle ihre ersten Arbeitstage schon hinter sich.

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