Denkmal zum Herbst ’91 vor der Aufstellung

Donnerstag, 17. Juli 2014

Martina Rohrmoser-Müller mit dem Stein für das Denkmal
Martina Rohrmoser-Müller mit dem Stein für das Denkmal

Von Mirko Kolodziej

Es war der ehemalige Bürgermeister ihrer österreichischen Heimatgemeinde Lofer im Pinzgauer Saalachtal, der Martina Rohrmoser-Müller auf das stieß, was Hoyerswerda im Herbst 1991 zu einem nationalen Symbol für Hass und Gewalt werden ließ. Der Mann besuchte die Steinmetz-Meisterin im Sommer vor zwei Jahren in ihrem neuen Lausitzer Zuhause. „Er hat gesagt: «Da war doch mal was mit Ausländern.» Dann habe ich angefangen, Leute danach zu fragen.“ Martina Rohrmoser-Müller, Inhaberin der hiesigen Steinmetzfirma Emil Israel, hörte, wie sich denken lässt, die unterschiedlichsten Schilderungen.

Etwa zur selben Zeit rief Hoyerswerdas Stadtverwaltung zu einem künstlerischen Wettbewerb auf. Ziel war ein Denkmal zur Erinnerung an die pogromartigen Gewalttage im Herbst 1991. Martina Rohrmoser-Müller erfuhr durch ihren Mitarbeiter Dietmar Wittig davon und reichte schließlich einen Entwurf mit dem Titel „Offene Tür, offenes Tor“ ein. Schon im Dezember 2012 entschied der Stadtrat, ihn zu verwirklichen. Nun soll es wirklich so weit sein. In der vorigen Woche gab es einen Vor-Ort-Termin am ausgewählten Standort neben dem Kreisverkehr in der Külzstraße. Dabei gingen alle Beteiligten davon aus, dass das Denkmal im September, also 23 Jahre nach den Attacken in den WK Ve und IX, aufgestellt werden kann. Es hatte ziemlich gehakt. Erst musste geklärt werden, ob vom mit Fördergeld hergerichteten Zentralpark ein Eckchen abgezweigt werden darf. Dann fehlte das Geld für Fundament und Umfeldgestaltung. Nun ist alles beisammen.

Auf dem Hof der Werkstatt von Martina Rohrmoser-Müller und ihrem Mann und Kollegen Marcel in Groß Särchen liegt inzwischen der skandinavische Basalt, der besagtes Tor bilden wird. Es ist, dem Anlass des Gedenkens angemessen, ein dunkler Stein. Er wird demnächst in die Werkstatt von Metallgestalter Manfred Vollmert nach Seidewinkel verfrachtet, wo ein Metallrahmen eingepasst wird. Dieser Rahmen wird der Träger für einen gläsernen Regenbogen, der Ende des Monats geliefert wird.

Über das Für und Wider bezüglich eines Denkmals ist nicht viel, aber doch vernehmbar diskutiert worden. Beispiel: Symbolik. Durch ein Tor, hieß es da, könne man Leute hereinbitten, aber eben auch hinauswerfen. „Ich habe immer ein Tor für Ersteres gesehen, für Gastfreundschaft und Empfangenwollen“, sagt die Schöpferin des Denkmals und erläutert noch einmal ihre Gedanken dazu: Die schlichte Form passt zur Moderne, die sich in der Baukunst der Hoyerswerdaer Neustadt spiegelt. Die noch einzufräsende Inschrift „Hoyerswerda vergisst nicht – wir erinnern – Herbst ’91“ steht für sich.

Und der Regenbogen ist alttestamentarisch gemeint – im Sinne des Regenbogens, der sich nach christlichem Glauben am Himmel zeigte, als Noahs Arche nach der Sintflut am Berg Ararat strandete. „Es ist also ein Symbol der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen, ein Zeichen, dass nach Schlechtem Gutes kommt“, sagt die Steinmetz-Meisterin. Und ihr Mann für Seitenblicke, wie sie ihren Mitarbeiter Dietmar Wittig nennt, ergänzt, ein ganz wichtiger Teil des Denkmals sei der sogenannte QR-Code.

Fotografiert man das auf einer Edelstahl-Platte an der Skulptur angebrachte Zeichen mithilfe eines entsprechend ausgerüsteten Mobiltelefons, gelangt man auf eine Internetseite mit Informationen zum Herbst 1991. „Das gibt der Stadt die Möglichkeit, sachlich über die Ereignisse von damals zu informieren“, sagt Dietmar Wittig. Dass das gar nicht alle wollen, ist kein großes Geheimnis. Als die Stadt im vorigen Jahr dazu aufrief, Standortvorschläge zu machen, gab es außer einer Äußerung von Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) nur drei Zuschriften. Eine lautete kurz und knapp: „Mein Vorschlag zwecks dem Denkmal ist, Hoyerswerda brauch so etwas nicht (nur Wallfahrtsort).“ Und so ist in die Überlegungen zur Gestaltung durchaus der Gedanke eingeflossen, dass es politisch motivierten Vandalismus geben könnte.

Auch deshalb ist der Basalt so fein geschliffen, dass Farbe leicht wieder abzulösen sein dürfte und der Regenbogen besteht aus beschichtetem und gebranntem Doppelglas. Ein Steinwurf würde Risse, aber keine Löcher verursachen. In der Diskussion zu solchen Fragen tauchte auch so ungefähr der Satz auf: „Ein absichtlich herbeigeführter Sprung im Glas würde zeigen, dass die Sache bis heute nicht aufgearbeitet ist.“ Zumindest für manche.

Die oft so unbequemen und nervenden Diskussionen und Fragen werden ohnehin nicht so schnell verstummen, wie es vielen lieb wäre. „Wir stehen aber dazu, dass diese rassistischen Ausschreitungen des Jahres 1991 zu unserer Geschichte gehören“, sagte OB Skora vor drei Jahren im Radio. Und das Beispiel Mölln zeigt, dass Schlussstriche nicht zu erwarten sind. Nachdem dort 1992 drei Menschen bei Brandanschlägen starben, hat man eines der betroffenen Gebäude abgerissen und 1995 mit einer Art Skulptur und Erklärungsschild versehen wieder aufbauen lassen. Es gab trotzdem Kritik von denen, die sich umfassende Erinnerung auf die Fahnen geschrieben haben. 2012 monierten sie, dass an einem anderen betroffenen Haus keine Gedenktafel hängt.

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