Das Jugendclubhaus wird ein halbes Jahrhundert alt

Dienstag, 25. Februar 2014

An der vor gut drei Jahren von einem jugendlichen Künstler neu gestalteten „Ossi“-Fassade findet sich auch ein Verweis auf 1964 – das Jahr der Eröffnung.  Foto: Gernot Menzel
An der vor gut drei Jahren von einem jugendlichen Künstler neu gestalteten „Ossi“-Fassade findet sich auch ein Verweis auf 1964 – das Jahr der Eröffnung. Foto: Gernot Menzel

Von Mirko Kolodziej

25 Jahre DDR und 25 Jahre Bundesrepublik – so teilt sich die Geschichte des Jugendclubhauses „Ossi“ in Hoyerswerdas Neustadt. Am 30. April 1964 wurde es als Kreiskulturhaus eröffnet, wird also in ein paar Wochen ein halbes Jahrhundert alt. „Jedes Jahrzehnt im Haus hatte im Grunde seinen eigenen Charakter“, sagt Roland Wehner, der von 1975 bis 1997 an der Liselotte-Herrmann-Straße 1 beschäftigt war, dreizehn dieser 22 Jahre als Clubhausleiter. Jetzt gehört er zur Gruppe jener Leute, die die Jubiläumswoche Ende April / Anfang Mai vorbereiten. „Das Ossi ist ja so etwas wie ein Eckpunkt in der Stadt“, meint Bettina Nachtigal, die heute hier arbeitet.

Das kann man so sagen. Das „Ossi“, das ab 1967 nach dem sowjetischen Autor Nikolai Ostrowski („Wie der Stahl gehärtet wurde“) benannt war, hat Stadtgeschichte geschrieben. Im Hof steht beispielsweise noch die Kastanie, die Musiker Gerhard „Gundi“ Gundermann (1955 bis 1998) und seine Frau Conny 1983 anlässlich ihrer Hochzeit gepflanzt haben. Hier hatte schließlich ihre „Brigade Feuerstein“ ihren Anlaufpunkt. 1980 entstand in einem inzwischen abgerissenen Anbau mit dem Club „Feuersteins Musik Podium“ eine Kleinkunstbühne.

Am Jugendclubhaus leitete die Malerin Gudrun Otto zunächst einen Kinder- und Jugendmalzirkel und hatte später im Haus ihr Atelier. Tanzveranstaltungen und viele Konzerte unter anderem mit Pankow, Karussell, Alphaville oder den Lords sind mittlerweile Legende. Auch Politik wurde im „Ossi“ gemacht. 1989 wurde sein Saal zur Bühne für die „Hoyerswerdaer Gespräche“, die lokalpolitischen Debatten zur friedlichen Revolution.

Die grobe Einteilung seit 1964 geht also etwa so: Erst wurde vor allem zu Livemusik getanzt, dann prägten Zirkel und Kleinkunst das Haus. Anfang der 90er wurde es dann unruhig – auch, was das Aufeinandertreffen weltanschaulich konkurrierender Jugendgruppen angeht. Es folgte die Zeit von Roland Wehners berühmten Oldie-Partys sowie der Teenie-Discos. Seit einigen Jahren steht nun die Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Sie fußt auf der Fusion mit dem geschlossenen Schüler- und Jugendclub WK IX sowie auf der Übernahme des Hauses durch die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven RAA 2005.

„Die Altersstruktur unserer Besucher hat sich geändert“, schildert Bettina Nachtigal. Die Zehn- bis 16-Jährigen haben die ältere Jugend als Haupt-Ossi-Nutzer abgelöst. Snackbar, Billard, Kicker und Playstation sind die typischen offenen Angebote für diese Altersgruppe. Montags ist außerdem Musizierstunde, dienstags Familientag, mittwochs stehen die Jüngsten im Mittelpunkt, während donnerstags gekocht wird und freitags zum Beispiel der „Quatschclub“ offen steht. Dazu kommen Buchlesungen, Puppentheater-Veranstaltungen, Faschings-Feten, Geburtstagsfeiern, Tagungen, Tanzkurse und nach wie vor auch noch Kommunal-Politik. Mal lädt die SPD zum Neujahrsempfang ins „Ossi“ ein, mal informieren Stadt- und Kreisverwaltung hier über die Eröffnung eines Asylbewerberheims. Rund 19 000 Nutzer zählt das Haus im Schnitt jährlich. Das sind statistisch gesehen rund 50 an jedem Tag.

2010 ist im „Ossi“ letztmals umgebaut worden, auch um Veranstaltungen für behinderte Menschen zu ermöglichen – etwas, das früher eher abgeschlossen und heute im Verbund mit der Lebenshilfe eher offen auch für Nichtbehinderte praktiziert wird. Im Zuge dieser Arbeiten vor vier Jahren wurde zum Beispiel der Eingang versetzt. Anderes ist seit Langem unverändert. Den Hintergrund der Bühne ziert zum Beispiel immer noch die Skyline, die einmal der Hoyerswerdaer Künstler Helge Niegel angemalt hat. Und im Vobereitungskomitee für den halben Hundertsten wirken mit Uwe Proksch und Reinhard Ständer auch zwei Triebfedern der KulturFabrik mit. Sie haben früher einmal im „Ossi“ gearbeitet – so wie übrigens auch der heutige Irish-Pub-Wirt Thomas „Ecki“ Eckhardt. Das „Ossi“ ist eben eine wichtige Wurzel für viele kulturelle Aktivitäten in der Stadt. „Es es toll, dass es noch da ist“, findet deshalb Roland Wehner – und nicht nur er. Die Einladungsliste für die Geburtstags-Fete ist lang.

Zum Ossi im Web geht es hier .

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