Bürgermeister: Letztes Problem in Pumpe gelöst

Dienstag, 20. Mai 2014

Zufrieden war Spreetals Bürgermeister Manfred Heine gestern nach dem symbolischen Spatenstich zur Elektro-Neuerschließung auf dem früheren Gaswerksgelände. Foto: Gernot Menzel
Zufrieden war Spreetals Bürgermeister Manfred Heine gestern nach dem symbolischen Spatenstich zur Elektro-Neuerschließung auf dem früheren Gaswerksgelände. Foto: Gernot Menzel

Von Mirko Kolodziej

Neue Straßen, neue Brauchwasserleitungen, neue Anlagen zur Abwasserbehandlung, neue Schienen – all das hat der Industriepark Schwarze Pumpe über die letzten Jahre bekommen, auch um ihn für Neuansiedlungen fit und damit für die Zukunft sicher zu machen. Nun wird noch ein neues Stromnetz gebaut.

Mehr als fünf Millionen Euro steckt die envia-Tochter Mitnetz im Spreetaler Teil des Industrieparks in entsprechende Anlagen. Gestern war symbolischer erster Spatenstich. Schon zum Jahresende sollen alle nötigen Arbeiten erledigt sein.
Über Jahre ist gegrübelt, geplant und dazu verhandelt worden, wie man ein immer größer werdendes Dilemma vom Tisch bekommt, das unter anderem aus dem 1995 geschlossenen Spaltungsvertrag zwischen der Laubag, der Veag (heute beides Vattenfall) und dem Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum SVZ zur Aufteilung des Gaskombinats resultiert. „Nun lösen wir das letzte Riesenproblem am Standort“, freute sich Spreetals Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) gestern beim symbolischen ersten Spatenstich auf dem früheren Gaswerks-Gelände.

Mitnetz wird zum einen durch den Einbau eines neuen Hochspannungstransformators und einer neuen Schaltanlage die Leistungsfähigkeit eines Umspannwerks deutlich erhöhen. Zudem werden sieben Kilometer Niederspannungsleitungen und auf fast gleicher Länge auch Mittelspannungsleitungen verlegt. Dazu kommen sechs Transformatoren-Stationen für den entsprechenden Spannungswandel. Diese Anlagen sind der Ersatz für ein Netz, das bis heute Komponenten aus den Anfangsjahren des Gaskombinates enthält. Damit ist ein Szenario aus der Welt, das nach der Erinnerung von Mitnetz-Geschäftsführer Ralf Hiersig schon in dramatischen Fragen gipfelte: „2011 muss es gewesen sein, da hieß es: Gehen hier die Lichter aus?“

Während der Vattenfall-Teil des Stromnetzes auf Spremberger Seite des Industrieparks nach wie vor gut funktioniert, ist das zweite sogenannte Objektnetz seit Jahren mehr als wackelig. Das hängt mit dem SVZ- Verkauf beziehungsweise der Pleite des Nachfolgers Sustec zusammen. Die technischen Anlagen zur Stromverteilung auch an andere Firmen auf Spreetaler Seite (vor allem den Gas-Riesen Linde) fielen so peu à peu in die Hände einer Infrastrukturgesellschaft (IsG) sowie des Schweizer Stromunternehmens Alpiq. Nur: Mit der Einstellung der Aktivitäten der IsG-Schwester Blue Planet, eines Methanol-Produzenten, und der Schließung des Alpiq-Gaskraftwerkes stand die Frage, wer das technisch ohnehin verschlissene Netz übernimmt.

Vattenfall kann das nicht, denn rechtlich ist seit geraumer Zeit eine Trennung zwischen Energieproduzenten und Netzbetreibern gefordert. Auf Spremberger Seite gelten dafür Ausnahmen, die allerdings mengenmäßig begrenzt sind. Schon seit geraumer Zeit wurde also über Lösungen nachgedacht. Im Gespräch waren unter anderem ein vom jetzigen Zweckverband betriebenes Kleinnetz oder die Hilfe der Städtischen Werke Spremberg, die in gewissem Umfang auch schon auf der Vattenfall-Seite tätig sind. Auch der Gedanke an die envia kam frühzeitig auf. Doch die Investitionen müssen sich für deren Netz-Tochter natürlich irgendwie rechnen. Und auch kartellrechtlich scheinen einige Hürden aus dem Weg zu räumen gewesen sein. Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) berichtete gestern jedenfalls davon, dass die Regulierungsbehörde in die Verhandlungen eingeschaltet werden musste.

„Die Investition verbessert die Versorgungssicherheit des Industrieparks und schafft ideale Voraussetzungen für die Ansiedlung neuer Betriebe“, sagte der Minister gestern. Denn Letzteres ist das Ziel. Das neue Ringnetz wird eine Kapazität von 30 Megawatt haben und erweiterbar sein. Damit gilt nun wirklich, womit Manfred Heine immer um Investoren wirbt: „Es ist alles erschlossen.“ Und größere Flächen für Neuansiedlungen gibt es in Pumpe derzeit nur noch auf Spreetaler Seite.

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