Beim Förster abgeguckt

Mittwoch, 13. Mai 2015

Bei Förster Uwe Schöne vom Kamenzer Revier hatten die Kinder wie das Team der „Schlauen Eulen“ aus Bautzen verschiedene Baumarten zu bestimmen. Jeder durfte jedem helfen. Die drei verschiedenen Kirschen hat trotzdem keiner erkannt.  Fotos: Gernot Menzel
Bei Förster Uwe Schöne vom Kamenzer Revier hatten die Kinder wie das Team der „Schlauen Eulen“ aus Bautzen verschiedene Baumarten zu bestimmen. Jeder durfte jedem helfen. Die drei verschiedenen Kirschen hat trotzdem keiner erkannt. Fotos: Gernot Menzel

Von Constanze Knappe

Dass Kinder der Familie Wildschwein Frischlinge heißen, wissen die Drittklässler der Krabat-Grundschule Wittichenau. Schwerer wird es bei Hirsch und Reh. Die sind nicht etwa Mann und Frau. Frau Hirsch ist eine Kuh und ihr Kind das Kalb dazu, während bei Rehs der Mann Bock, die Frau Ricke und ihr Kind Kitz genannt wird. Mitten im Wald erklärt Förster Michael Dobisch vom Revier Neukollm an großen Bildern die Familienstrukturen von Dam- und Rotwild. Die „Wilden Tiere“, wie die Gruppe mit acht Schülern der Klasse 3 a heißt, sind mit Eifer bei der Sache. Einige haben selbst Kaninchen zu Hause und wissen, dass deren Babys nackt und blind geboren werden. Dass Wildhasen, die nicht in Höhlen leben, ihre Jungen sehend und mit Fell zur Welt bringen, ist für sie dagegen eine neue Erkenntnis. Noch manches andere mehr erfahren die Kinder an diesem Tag im Wald. Schule in der Natur ist angesagt.

Die Waldjugendspiele fanden gestern und heute neben dem Waldbad Wittichenau statt. Acht Termine in vier Revieren sind im Forstbezirk Oberlausitz angesetzt. Der Ort werde jedes Jahr gewechselt, erklärt Annett Hornschuh, beim Staatsbetrieb Sachsenforst für die Waldpädagogik zuständig. Im Vorjahr fiel der zweite Tag komplett ins Wasser. Weil die Kinder deshalb traurig waren, habe man sich erneut für Wittichenau entschieden, so Annett Hornschuh. „Ist doch eine schöne Ecke“, sagt sie. Wie geschaffen für die Waldjugendspiele, um Kindern Wissen über den Wald, seine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion, zu vermitteln. Aber nicht lehrbuchhaft wie in der Schule, sondern spielerisch. Das bleibt länger im Gedächtnis. Die Idee dazu hatte vor 30 Jahren ein Forstmann in Bayern. Seit 17 Jahren gibt es die Waldjugendspiele nun auch in Sachsen.

„Man merkt, dass die Kinder aus einer ländlichen Umgebung kommen. Sie wissen gut Bescheid“, lobt Michael Dobisch die „Wilden Tiere“. Die haben in ihren Reihen einen Joker. Valentin. Der weiß, dass Jahresringe im Stamm weiter auseinander liegen, wenn der Baum viele Nährstoffe bekam, oder wie sich Eichen unterscheiden. Oder. Oder. Oder. Valentins Eltern engagieren sich sehr im Naturschutzbund (Nabu). Der Wald ist für den Jungen wie ein zweites Zuhause. Mit seinem Wissen können die „Wilden Tiere“ richtig punkten.

Beim Baumscheibenlauf ist Schnelligkeit gefragt. Da kann Cindy, schnellste Läuferin der 3a, einiges herausreißen. Beim Hirschlauf geht es um Geschicklichkeit. Mit einem ein Meter langen Stock im Genick schlängeln sich die Kinder durch den Wald – wie ein Hirsch mit großem Geweih. Max geht als Letzter auf die Strecke. Er ist die Sportskanone im Team, trainiert Basketball. Zum Laufen setzen die Kinder die Mützen ab. Jedes hat eine Kopfbedeckung dabei. „Wegen der Zecken“, sagt Hanna.

Dann folgt der Holztransport. In einer Holzschubkarre auf dickem Holzrad sind Stämme durch den Wald zu bugsieren. „Normalerweise holen Lkw die Stämme aus dem Wald“, erklärt Förster Mike Thomiczny aus dem Revier Elsterheide. Beim Nachspielen zählt Teamgeist. Max findet das cool. Zoe hätte die Schubkarre „lieber eine Nummer kleiner“. Sarah, die Zierlichste von allen, wird kräftig angefeuert. „Ist doch besser als in der Schule sitzen.“ Da sind sich die Kinder mit Revierförster Thomiczny einig. Auch Petra Exner stimmt zu. Emmas Mutti begleitet die Gruppe. „Erlebnisreich, interessant und spannend für die Kinder“, fasst sie den Vormittag zusammen. Selbst Erwachsene hätten da noch etwas lernen können. Für die kleinen Pfadfinder Ricardo und Emma aus Wittichenau sind Aktionen im Wald nicht neu. Für einige Bautzener Kinder schon. Aber auch sie sind begeistert. Ein guter Ausgleich zwischen körperlicher und geistiger Betätigung, findet ihre Lehrerin Angelika Berndt. „Selbst Kinder, denen das Lernen in der Schule schwerfällt, können sich im Wald beweisen“, sagt sie. Ihre Gruppe „Diebische Elstern“ bestimmt derweil Baumarten.

Zehn Stationen haben die Teams im Wettbewerb um Punkte und Zeiten zu bewältigen. Das Ergebnis lässt sich mit Smileys für Disziplin und Teamgeist aufbessern. Zwischen 52 und 69 Punkte stehen am Ende zu Buche. Die „Wilden Tiere“ aus Wittichenau schaffen 60, die Tagessieger „Scheue Rehe“ aus Bautzen 69. Doch gewonnen haben alle – an Spaß, Wissen und der Erkenntnis, wie toll es im Wald ist. Eine Urkunde erinnert jedes Kind daran.
97 Kinder der Krabat-Grundschule Wittichenau und der Fichtegrundschule Bautzen waren gestern dabei. Heute wetteifern 91 Grundschüler aus Oßling, Lauta und der Adler-Schule Hoyerswerda.

Zurück

Einen Kommentar schreiben