An der Seite auf dem letzten Weg

Dienstag, 27. Oktober 2015

Von Sabine Mischner (l.), Ausbildungsleiterin bei den Maltesern, und Hospizdienstkoordinatorin Lydia Tietz (M.) erhielt und erhält Ingeborg Sornick Unterstützung
Von Sabine Mischner (l.), Ausbildungsleiterin bei den Maltesern, und Hospizdienstkoordinatorin Lydia Tietz (M.) erhielt und erhält Ingeborg Sornick Unterstützung

Von Katrin Demczenko

Seit zehn Jahren werden in Hoyerswerda von den Maltesern Ehrenamtler für die Begleitung todkranker Menschen  ausgebildet. Dieser ambulante Hospizdienst ist von der CDU-Fraktion im Stadtrat nun für die Auszeichnung mit der städtischen Ehrennadel vorgeschlagen worden, die nach Tierparkgründer Günter Peters (1907 - 1987) benannt ist. Heute entscheiden die Stadträte, welcher der insgesamt fünf Vorschläge für die Würdigung von besonders starkem ehrenamtlichen Engagement angenommen werden soll.

Eine Frau, die beim ersten Kurs für Sterbebegleiter dabei war und noch heute ihr Ehrenamt ausübt, ist Ingeborg Sornick. Die ehemalige Krankenschwester blieb dem damals begonnenen besonderen Ehrenamt, Sterbende auf ihrem letzten Weg ein Stück zu begleiten, bis heute treu. Für die 76-Jährige ist die Nähe zu den Menschen ein Motiv ihrer Arbeit. Sie schenkt dem Sterbenden sowie seinen Angehörigen Zeit und Zuwendung und betont: „Man ist nicht nur Gebende.“ Wenn die Seniorin sieht, wie tapfer Sterbende mit ihrer Situation umgehen, schätzt sie eher, dass es ihr noch gut geht.

Ihre Begleittätigkeit kann wenige Tage dauern, wie bei einem jungen Mann, der im Lausitzer Seenland-Klinikum sehr schnell verstarb, erzählt Ingeborg Sornick. Manchmal entsteht aus einem Kontakt auch eine Art Besuchsdienst, wie sie ihn bei zwei schwerstkranken Seniorinnen aus dem Pflegewohnheim Lohsa versieht. Seit fünf Jahren geht die ehrenamtlich Tätige wöchentlich einmal zu den Frauen, die keine Angehörigen mehr haben. „Sie sind beide bettlägerig und sprechen nicht mehr, trotzdem sind sie mir ans Herz gewachsen“, sagt Ingeborg Sornick. Sie hält den Seniorinnen die Hand, erzählt ihnen etwas aus ihrem Alltag oder singt ein Lied vor. So entstehen Momente der Nähe und des Wohlfühlens.

Nach dem Tod eines von ihr Betreuten entscheidet Ingeborg Sornick selbst, wann sie in einen neuen Einsatz geht. Das ist wichtig, weil „eine gute seelische Verfassung des Helfers Voraussetzung für den Dienst ist“, so die Seniorin. Die Kraft für ihr anstrengendes Ehrenamt schöpft sie aus ihrem Glauben. Erholung findet sie bei Spaziergängen in der Natur, beim Basteln und Handarbeiten.

Doch auch der Malteser-Hilfsdienst bietet seinen mittlerweile 40 Sterbebegleitern monatlich Gesprächsrunden in den Räumen in Hoyerswerda an, sagt die Koordinatorin des Hospizdienstes Lydia Tietz. Dort werden Probleme im Umgang mit dem Sterbenden und seinen Angehörigen besprochen und die Ehrenamtlichen erhalten bei Bedarf seelische Hilfe. Regelmäßig kommt der evangelische Seelsorger im Seenland-Klinikum Pfarrer Hanns-Christoph Richter als Supervisor dazu, der von außen die Situation der Helfer beurteilt. Die Sterbebegleiter treffen aber auch Vertreter des für die medizinische Versorgung der Sterbenden zuständigen Palliativteams Lausitz und veranstalten in den Dienststellen Görlitz oder Cottbus jährlich den Hospizhelfertag, das Johannisfest und die Adventsfeier.

Lydia Tietz ist ständig auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen, denn der Bedarf in der alternden Stadt und der Region ist vorhanden. Am 24. November um 17 Uhr findet eine Informationsveranstaltung für die nächste Ausbildung ehrenamtlicher Sterbebegleiter statt. Der neunmonatige Kurs mit Praktikum beginnt im März und besteht aus mehreren Wochenend- sowie Abendveranstaltungen, die an „das Sterben als eine Grenzerfahrung des menschlichen Lebens“ heranführen, wie es im Flyer heißt.

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