Als der Katholizismus nach Hoyerswerda zurückkam

Samstag, 17. Mai 2014

Schmuck gemacht zum 100. Geburtstag. Foto: Gernot Menzel
Schmuck gemacht zum 100. Geburtstag. Foto: Gernot Menzel

Von Mirko Kolodziej

Solange eine Kirche errichtet wird, ist sie wohl auch nicht viel mehr als eine Baustelle. Zumindest legt das der Umstand nahe, dass auch Hoyerswerdas katholische Kirche „Zur Heiligen Familie“ per liturgischer Weihe in den Stand eines Sakralbaus erhoben werden musste. So etwas wird in der katholischen Kirche Konsekration genannt. Man schrieb den 25. Mai 1914, als Weihbischof Dr. Karl Augustin aus Breslau dazu in einer Kutsche des Klosters St. Marienstern in Hoyerswerda einfuhr. So berichtete es in seiner nächsten Ausgabe jedenfalls das Hoyerswerdaer Kreisblatt. „In den Altarstein wurden Reliquien der beiden Heiligen Plazidus und Pia eingelassen. Nach der Konsekration begann das feierliche Pontifikalamt, wobei der Kirchenchor die «Korpus-Christi-Messe» von Hohnerlein sang“, notierte die Zeitung damals.

Ähnlich festlich dürfte es wohl in einer Woche zugehen, wenn die heute 1 800 Gemeindemitglieder den 100. Jahrestag der Kirchweihe begehen. Diesmal wird der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt anreisen. Seinen Gottesdienst begleiten musikalisch die Dresdener Kapellknaben. Und wenn später der Gaudeamus-Chor der Gemeinde singt, wird Pfarrer Peter Paul Gregor beim Konzert einige Episoden aus der Kirchenchronik vorlesen. Dass er das kann, ist vor allem Herbert Sperling zu verdanken, der das dicke Buch vor zwei Jahrzehnten zusammengestellt hat. Wie sich sein Sohn erinnert, stieg er nicht nur auf den Boden des Pfarrhauses, um dort Dokumente zu sortieren und zu sichten. Herbert Sperling befragte auch Zeitzeugen. Später setzten dann Paul Mickel, Gunthard Süßmuth und Heimo Hentschel seine Arbeit fort.

Und so sind heute viele Details aus der Kirchengeschichte bekannt: Zum Beispiel weiß man, dass es vor allem der Wittichenauer Pfarrer Robert Krause war, der den Kirchbau vorantrieb. Man weiß, dass zwischen dem Berliner Architekten Engelbert Seiberts, einem Freund von Krause, der unter anderem auch die Matthias-Kirche in Berlin-Schöneberg entworfen hat, und dem beauftragten Hoyerswerdaer Bauunternehmer Johann Scholz nicht unbedingt bestes Einvernehmen herrschte. Und man weiß ziemlich genau über die prekäre Finanzsituation im Zusammenhang mit dem Kirchbau Bescheid. Zwar war lange vor dem Baubeginn mit der Sammlung von Spenden begonnen worden. Allein Pfarrer Krause trug in 13 Jahren mit 30 000 Mark rund ein Drittel der Bausumme zusammen. Aber exakt so hoch war dann auch der Schuldenstand, mit dem die ersten Hoyerswerdaer Pfarrer Paul Hartmann (bis 1915) und Viktor Otremba (bis 1922) zu kämpfen hatten. 1916 verlangte Baumeister Johann Scholz die ihm noch zustehenden 12 000 Mark „weil er sonst Konkurs anmelden müsste“, schrieb Otremba in einem Bettelbrief an den Breslauer Fürstbischof Adolf Kardinal Bertram.

Die Kirchweihe am 25. Mai 1914 war das sichtbarste Zeichen dafür, dass sich in Hoyerswerda nach dessen Ersterben während der Reformation wieder katholisches Leben regte. Schon Pfingsten 1913 wurde bei der Grundsteinweihe in der Zeitung vermerkt, die Gemeinde habe sich während des Festakts „als solche erstmalig geschlossen in der Öffentlichkeit vor ihren Mitbürgern“ gezeigt. In den Jahrzehnten darauf folgten diverse Begebenheiten, über die nächste Woche zu reden sein wird.

Es gab tragische Ereignisse wie im April 1945 den gewaltsamen Tod von Pfarrer Anton Kowalleck, der wohl irrtümlich von sowjetischen Soldaten erschossen wurde. Es gab später revidierte Entscheidungen wie die 1967 im Zuge der Liturgierefom nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erfolgte Demontage von als zu pompös empfundenen Einbauten. Und es gab auch freudige Ereignisse wie 1997 den Einbau von Kirchenfenstern, die Malerpfarrer Sieger Köder gestaltet hat. Der schwäbische Chagall ist zwar nächste Woche eingeladen, aber ob seines Alters (89) ist seine Anreise aus Baden-Württemberg wohl nicht zu erwarten. Es wird wohl dennoch ausreichend Festgäste geben. Denn die Gemeinde hat Einladungen unter anderem an alle verschickt, die über die letzten Jahrzehnte hier seelsorgerisch tätig gewesen sind.

Ein Konzert zum 100. Geburtstag gibt der Geiger Gernot Süßmuth schon am kommenden Freitag um 19.30 Uhr.

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