Vor dem Morgengrauen kontrolliert die Polizei das Licht

Freitag, 15. Oktober 2010

Polizeimeister Bernd Kunz zeigt unzureichend beleuchteten Radfahrern die rote - Kelle
Polizeimeister Bernd Kunz zeigt unzureichend beleuchteten Radfahrern die rote - Kelle

6 Uhr: Polizeimeister Bernd Kunz parkt den Streifenwagen am Einsteinhaus ein. Er und Polizeikommissar Ralf Kaschner sowie Polizeihauptmeisterin Kerstin Schmitz legen die Warnwesten mit dem Polizeiaufdruck an, prüfen ihre Taschenlampen, die Leuchtkelle. Gegenüber lockt zwar der Bäcker mit warmem Licht. Doch auf der Straße ist es frisch und noch dunkel. Die Autos fahren alle mit Licht. Genau die richtige Zeit für eine Fahrradkontrolle mit dem Schwerpunkt auf Beleuchtung. Die Beamten entscheiden sich, auf beiden Seiten der Straße zu kontrollieren.

6.07 Uhr: Die ersten beiden Radfahrer werden mit der Kelle und einer korrekten, aber unmissverständlichen Ansprache angehalten. Aber die beiden können ein ruhiges Gewissen haben. Die Beleuchtung ist in Ordnung. So wie bei zwei Drittel aller Fahrradfahrer in der Stadt, wie Ralf Kaschner einschätzt. Anders sehe das schon bei den Schülern aus. Doch die schlafen derzeit noch alle. Es sind Ferien.

6.15 Uhr: Ein Fahrrad ohne Licht nähert sich der Kontrolle. Der Mountainbiker wird herausgewinkt. Lampen sind am Fahrrad zu sehen, aber nichts davon funktioniert. Dafür sind zehn Euro fällig. Der Mann hat aber weder Bargeld noch seinen Ausweis bei sich. Er nennt Namen und Adresse. Beides wird fernmündlich im Revier abgeklärt. Der Mann wirkt glaubwürdig, erhält einen Einzahlbeleg. „Das Geld muss binnen einer Woche eingezahlt werden“, erklärt Ralf Kaschner. Ob das geschieht, wird das Bürgeramt Hoyerswerda überwachen. Wenn kein Geld fließt, schaltet sich die Bußgeldstelle ein.

6.26 Uhr: Aller paar Minuten kontrollieren die Beamten einen Radfahrer. Jetzt sogar zwei, bei denen das Licht deutlich sichtbar funktioniert. Doch sie fahren auf der falschen Straßenseite auf dem Gehweg – und müssen dafür zahlen. Das Fahren auf der falschen Straßenseite ist an einigen Stellen in Hoyerswerda ein Hauptproblem, wissen die Beamten. Vor allem auf der Bautzener Brücke, entlang der Weinert- und der Niederkirchnerstraße sowie in der Friedrichsstraße habe man es mit diesem Phänomen zu tun. Auch um Ausreden seien viele der Kontrollierten nicht verlegen. Es nützt nur wenig.

6.57 Uhr: Ein völlig unbeteiligter Fußgänger fängt an, zu schimpfen, dass sich die Polizisten lieber um den Winterdienst und die Sauberkeit kümmern sollten, als um die Radfahrer. So etwas passiert bei fast jeder Kontrolle, sagt Ralf Kaschner leicht stirnrunzelnd. Man bekommt sogar schon mal das Fahrrad vor die Füße geworfen. Das passiert heute nicht. Doch der eine oder andere ohne Licht Fahrende muss nach der Kontrolle weiterlaufen, weil entweder keine Beleuchtung vorhanden oder aber die Vorhandene nicht funktioniert. Mängelscheine wie beim Auto werden in diesem Fall nicht ausgestellt.

7.10 Uhr: Es ist so hell, dass man 300 Meter weit gucken kann. Jetzt dürfte die Polizei die Radfahrer nur noch darauf hinweisen, dass es vielleicht besser sei, mit Licht zu fahren. Die Autos haben immerhin noch alle das Licht an. Insgesamt haben die Beamten in den letzten siebzig Minuten 25 Radfahrer kontrolliert. Zwei mussten ein Verwarngeld zahlen, sechs weitere müssen es überweisen, davon drei, weil sie auf dem Gehweg fahrend erwischt wurden. Interessant dabei ist, dass das Bargeld dem Freistaat Sachsen zu Gute kommt, die Einzahler aber das Geld in der Stadt Hoyerswerda lassen …

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