Faszination der robusten Technik

Montag, 16. August 2010

Horst Sturm kam mit seinem Lanz Bulldog aus Uhyst zum Schleppertreffen nach Koblenz.
Horst Sturm kam mit seinem Lanz Bulldog aus Uhyst zum Schleppertreffen nach Koblenz.

Wenn Frank Wehner mit 15 Stundenkilometern zum Baumarkt fährt, genießt der 49-jährige Lagerarbeiter den Weg durch die Dresdner Innenstadt. Entspannt sei ein solches Fahren, erzählt der Arnsdorfer. Es gebe auch keine wütenden Hupkonzerte, wenn er eine Schlange hinter sich her ziehe. Stattdessen werde er oft von Autofahrern gegrüßt. Freundliche und bewundernde Grüße an den Fahrer eines museumsreifen Gefährtes, eines Traktors. Mit dem, einem IFA 08/15, war er am Wochenende zum 7. Koblenzer Schleppertreffen nach Koblenz gekommen.

Auf dem war ziemlich oft von Australien die Rede. Ayers Rock und Kängurus waren dabei aber ohne Relevanz für die über 150 Schlepperfreunde, die mit Kind und Kegel angereist waren. Denn die eingefleischten Fans alter Zugmaschinen wissen ja schon seit geraumer Zeit, wo man „den Ferrari unter den Schleppern“, so ein Teilnehmer des Zugmaschinen-Meetings, auch bekommen kann. Zwar nicht immer preiswert, was einen echten Freak allerdings nicht stört.

Immerhin haben sich schon einige Schlepperfreunde aus der Region ihren Lanz in Australien gekauft, und diese Schätzchen wurden selbstverständlich am Wochenende dem Fachpublikum und den zahlreichen Besuchern vorgetuckert.

Wie eng eine solche Beziehung sein kann, dafür ist der Uhyster Horst Sturm ein gutes Beispiel. „Eiler“ ist der Kosename seines 1939 gebauten Zugfahrzeuges. Ein Straßen-Bulldog, für den er eigens ein Zelt aufgebaut hatte, um das grau-glänzende Prunkstück vor den Regenschauern zu schützen. 13 Stück habe er daheim stehen, erzählte der Kranfahrer voller Stolz. Der sich, wie so viele seiner Kollegen, in der Garage besser zurechtfindet als in den eigenen vier Wänden. „Ich bin froh, dass meine Familie mein Hobby toleriert“, erzählte der 50-Jährige. Im Schnitt schraubt er jede Woche bis zu 40 Stunden an seinen musealen Traktoren.

Schlepper erfreuten sich in der heutigen Zeit einer immer größeren Beliebtheit, sagt Siegfried Krahl von den Koblenzer Schlepperfreunden, die dieses Treffen ausrichteten. Auf dem auch in diesem Jahr die Schlepperausfahrt und die sonntäglichen Wettkämpfe der historischen Fahrzeuge zu den Höhepunkten des Nutzfahrzeug-Meetings gehörten. Der Reiz dieser zumeist in der Landwirtschaft benutzten Gefährte sei doch, dass „die keine Elektronik haben wie die modernen Zugmaschinen, man die folglich selbst reparieren kann“. Und mit etwas Geschick auch zusammenbauen.

 Wie das Lutz Vierköchel aus Scheckthal gemacht hat. Auf der Suche nach einem Lanz war er, natürlich, in Australien fündig geworden. Die über 60 Jahre alte Zugmaschine sei jetzt bestimmt 25 000 Euro wert, so der Metzger. Mindestens. Aber selbst wenn man ihm das Vierfache bieten würde, „der Lanz ist unverkäuflich“, so der 39-Jährige, der dieses Hobby seit der Wende pflegt.

Wer in Europa auf der Suche nach einem Lanz bisher in die Röhre guckte, hat also nach wie vor gute Chancen in Australien. Denn dort, so der Koblenzer Krahl, „stehen die doch unter den Hecken nur so herum“.

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