Bühnenausgang Burghof

Mittwoch, 20. August 2014

Die Jakubzburg Mortka wird im September wieder zur Theaterkulisse. Sandra Herrmann vom Burgmanagement (links) übergab schon einmal symbolisch die Schlüssel an Intendantin Milena Vettraino. Das Buch stammt von Jewa-Marja Cornakec
Die Jakubzburg Mortka wird im September wieder zur Theaterkulisse. Sandra Herrmann vom Burgmanagement (links) übergab schon einmal symbolisch die Schlüssel an Intendantin Milena Vettraino. Das Buch stammt von Jewa-Marja Cornakec

Von Anja Wallner

Ein Herr von Stinkwitz hatte 1672 auf der Burg Mortka das Sagen, und im gleichen Jahr bekam er unverhofften Besuch eines gewissen Johann Georg III., der auf der Ortenburg Bautzen residierte… – nein, so historisch ganz korrekt ist das nicht. Letztgenannten Landvogt gab es zu dieser Zeit wirklich; allerdings weder eine Burg in Mortka noch einen Herrn von Stinkwitz. Der entstammt der Fantasie von Jìwa-Marja Èornakec, Dramaturgin am Sorbischen National-Ensemble (SNE) Bautzen. Sie haucht ihm und noch vielen weiteren Charakteren Leben ein, bei der zweiten Burgnacht auf der Jakubzburg Mortka, die seit einigen Jahren nun tatsächlich im Lohsaer Ortsteil steht.

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr mit rund 1 500 Zuschauern nutzt das SNE die Burg von Eigentümer André Jakubetz erneut als Kulisse für ein Freiluft-Musiktheaterstück. „Im letzten Jahr, das hat viel Spaß gemacht“, sagte SNE-Intendantin Milena Vettraino gestern bei der Vorstellung des Stücks in der „Radlerscheune“ auf dem Burggelände. „Es war eine Herausforderung, ein Kennenlernen.“ Nun hat man sich also so gut „angefreundet“, dass die neue Spielzeit wieder auf der Burg beginnt. Am ersten Septemberwochenende gehen drei Vorstellungen über die gerade im Bau befindliche Naturbühne. Sollte die Premiere am 5. September verregnet sein, gibt es eine Woche später einen optionalen Ausweichtermin.

„Hochzeitsnächte Herrenrechte“ heißt das Stück, das die Zuschauer in die Welt des 17. Jahrhunderts hineinziehen soll. Grundlage ist eine Ballade von Jan Radyserb-Wjela von 1874. „Es wird aber keine Geschichtsstunde“, betonte Milena Vettraino. Das Thema des Spektakels ist brisant: Es geht um die Zeit, als es Burgherren noch vorbehalten war, die Hochzeitsnacht mit der Braut ihrer Leibeigenen zu verbringen oder stattdessen einen Geldersatz zu fordern. Erzählt wird nun die Liebesgeschichte der beiden Leibeigenen Hanka und ihres Zukünftigen Mato, der natürlich nicht will, dass seine Braut das Bett in der Hochzeitsnacht nicht mit ihm, sondern mit dem Burgherrn von Stinkwitz teilt. Dafür sitzt er im Turm ein, der Galgen droht – sollte es Hanka nicht gelingen, den sagenumwobenen Schatz von Mortka zu finden und Mato freizukaufen. Und dann wäre da noch ein Kartenspiel um Leben und Tod zwischen Stinkwitz, eingangs erwähntem Landvogt und dem gewitzten Jan aus dem Dorf …

Wie die Geschichte ausgeht, das verrät Jìwa-Marja Èornakec noch nicht. Nur so viel: „Das Ende wird überraschend und lustig.“ Überhaupt, so ergänzte die Intendantin, gebe es für die Zuschauer viel zu lachen – trotz der Darstellung des düsteren Daseins der armen Tagelöhner. „Das Leben der Reichen wird aufs Korn genommen“, sagte Milena Vettraino. Der Name „Stinkwitz“ sage schon viel über den als Weiberhelden und Trunkenbold inszenierten Burgherrn. Und überdies hätten die Schauspieler komisches Talent. „Die Schauspieler“, das sind beispielsweise die Gastakteure Benjamin Kneser (Landvogt), bis vor Kurzem noch am SNE tätig, und Björn Geske aus Berlin (von Stinkwitz). Regie führt der preisgekrönte und Open-Air-erfahrene Tim Heilmann. „Wir sind sehr glücklich, dass er mitmacht“, sagte Milena Vettraino. Heilmann sei ein Regisseur, der sich mit Kulisse und Kostümen auseinandersetzt und einen dramaturgischen roten Faden spinnt. Ein Vorprogramm mit Gauklern, Feuerspuckern und Ritterspielen wird das Publikum auf die Zeitreise ins 17. Jahrhundert einstimmen.

Und wie der Begriff Musiktheaterstück schon sagt, spielen Musik und Tanz bei der Burgnacht eine große Rolle. Chor und Ballett des SNE sind auf der Bühne zu erleben. Die Musik zur Inszenierung lieferte der Österreichischer Peter Wesenauer, bekannt durch seine Kompositionen zum Brasilianischen Sommernachtsfest des SNE. „Da ging die Post ab“, so die Intendantin. Grundlage für die Musik sind sorbische Lieder, die neu gesetzt und in den Stil des Mittelalters transformiert worden sind. Sorbisch wird auch – zumindest von den Darstellern des „Volkes“ – teilweise auf der Bühne gesprochen, natürlich in den Dialogen so verwebt, dass auch der Sprachunkundige alles versteht. Aber so war das damals in der Gegend: Man sprach Sorbisch.

Der Kartenvorverkauf hat begonnen. Laut Milena Vettraino sind bisher rund 200 Karten verkauft worden. Natürlich strebt das SNE an, wieder die Zuschauerzahl der ersten Burgnacht zu erreichen. Von der Straßenbaustelle an der Ortsdurchfahrt Mortka muss sich niemand abschrecken lassen: Der Haupteingang der Burg mit dem Parkplatz wird bis dahin wieder befahrbar sein, so Sandra Herrmann vom Burgmanagement. Weitere (ausgeschilderte) Parkplätze werde es auf der Wiese hinter dem Gemäuer geben, außerdem seien Einweiser an den Abenden behilflich.

Wer vorab auf der Burg schon mal „schnüffeln“ möchte, ist gern willkommen. Eine Woche vor der Premiere finden in Mortka täglich zwischen 11 und 17 Uhr offene Proben statt.

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