Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

02.02.2013 13:35 (Kommentare: 0)

Verflixt, verfitzt oder verfilzt?

Sind Baupläne Propagandamittel? Betrachtung mit 25 Fragezeichen.

Der Widerstand gegen das Zoo-Quartier wächst. Oppositionelle haben 3570 Unterschriften gesammelt. Wogegen? Geht es um Neustadt gegen Altstadt? Baumeister gegen Gröbe? Meder gegen Wolf? Hirche gegen Albrecht? Alle gegen Skora? Eigennutz, den man sich gegenseitig unterstellt, gegen Gemeinwohl, das jeder beteuert? Wochenkurier gegen Tageblatt? Ich beginne im Wochenkurier. Das ist die Zeitung, die zum Überleben Angebote der Woche von Rewe und Aldi braucht, in einer Region, in der es immer weniger Reichweite (Anzahl Menschen) und wenig Kaufkraft (Hartz IV) gibt. Jetzt wird Lic.rer.publ. Mathias Priebe MBA, dem Dipl. Ing. Thomas Gröbe mal etwas sagen: Warum Sie 2008 gegen eine Bebauung der Zoowiese waren und jetzt dafür sind, interessiert mich nicht. Ich frage mich, warum Sie auf die halbe Stadt einprügeln. Das Interview mit all seinen Klötzen hätten Sie zu Ihrem eigenen Schutz besser nicht drucken lassen.

Mich bewegt eine andere Frage: Wieso spucken Ihre CAD-Computer feinste Zeichnungen für die Zeitung aus, wenn Sie am Vorhaben von Projektentwickler Norbert Meckel "nicht direkt planerisch beteiligt" sind? In wessen Auftrag machen Sie das? Oder ist der Markt für Planungsbüros schon so verkommen wie die Werbebranche, in der sich Kunden erst die Entwürfe kommen lassen und dann entscheiden, wer den Auftrag bekommt? Wie kann man indirekt beteiligt sein? In der Honorarordnung für Architekten und Bauingenieure finde ich keine Leistungsposition für indirekte Bauplanung. Was geht vor im "planungsbüro für hochbauten dipl. ing. thomas gröbe"? (Nachdem "Architekten" nicht mehr draußen dran stehen darf, wird tiefgestapelt und besser alles klein geschrieben.) Wussten die Stadträte, dass es nicht diese Ansichten sind, über die sie im November abgestimmt haben? Waren es unverbindliche Wunschvorstellungen? Anhänge mit Propagandafunktion? Der Bebauungsplan regelt Flächenmaße und Volumen. Ist es falsch, wenn Projektgegner dieser, sagen wir, "Illustration" ihre eigene gegenüberstellen? Ist in irgendeiner Weise sicher, dass so gebaut wird, wie es die Computergrafiken zeigen? Es gibt weder Kaufvertrag noch Bauantrag, womöglich nicht einmal einen Auftrag für diese Zeichnungen. Plötzlich heißt es gar, es werde kleiner gebaut als 2008 geplant. Wie bitte? Wozu hatten wir das Gezerre im Stadtrat?

Es stinkt! Ich frage mich nur, ob es eine verfahrene Situation oder ein kalkuliertes Täuschungsmanöver ist. Ist es Fitz oder Filz? Bevor es Leserbriefe von Abgeordneten und Räten mit weiteren Nebelgranaten hagelt: Hier hilft nur eins: Vollständige Transparenz! Wer handelt im Projekt Zoowiese in wessen Auftrag? Wer zahlt beziehungsweise kassiert wofür?

Dem Tageblatt ist für den Einfall zu gratulieren, Gröbes Texte von damals und heute unkommentiert nebeneinander zu stellen. Das wirft ein erhellendes Schlaglicht. Sollte das Projekt am Bürgerwillen scheitern, so scheitert es nicht an Geschmacksfragen. Die 3570 Unterschriften beim Bürgerbegehren, die den Bürgerentscheid fordern, enthalten eine klare Botschaft: Verarscht uns nicht!

 

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