Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

13.04.2013 01:00 (Kommentare: 0)

Sternhagelrosa

★★★ oder ★★★★★ für das Lausitzer Seenland?

Boxberg setzt auf Luxus. 5-Sterne-Camping im Schatten der Kühltürme am Bärwalder See. Die Seenlandroute ist ein 3-Sterne-Radweg und neulich stand in der Zeitung, dass Zuschüsse für neue Hotels mindestens 4 Sterne erfordern. Man will ja schließlich neue Gäste anlocken. Ich frage mich, was das soll. Wenn ich beispielsweise zum Marathon nach Frankfurt/Main fahre, dann suche ich gezielt nach 3 Sternen oder gar keinen Sternen aber nach guten Gästebewertungen. Manchmal mache ich ein Schnäppchen und schlafe zum 2-Sterne-Preis im 5-Sterne-Appartment. Das nehme ich natürlich mit. Ich bin dann eine Mehrauslastung, betriebswirtschaftlich ein Deckungsbeitrag aber kein Gewinn mehr für das Hotel.

Es gibt ja Menschen, die haben den Mut, im Lausitzer Seenland eine Herberge zu bauen. Die bewundere ich. Sie sind in aller Regel von hier und heißen Ittmann, Struthoff, Graf oder Koch. Die großen Investoren bauen lieber auf geschüttetem Gelände in Dubai. Risikokapital fließt nicht auf Kippenflächen in der Lausitz. Das sollten wir langsam verstanden haben. Nicht, dass in den Emiraten weniger Wüste drum herum wäre als hier. Im Gegenteil. Vor ein paar Jahren haben sie dieses Luxushotel „The Palm Jumeirah“ eröffnet (★★★★★). Die Weltpresse berichtete. Viele bekannte Gesichter waren dort. Promis gehören zur Hoteleröffnung wie der Fön ins Badezimmer.

Heißluftventilatoren wie Lindsay Lohan oder Sandy Meyer-Wölden leben davon, dass sie eingeladen werden. Mit welcher von beiden war gleich der Boris Becker damals dort? Übrigens: Würden wir konsequent abschalten, wenn diese Gestalten bei Brisant, Leute Heute oder RTL-exklusiv erscheinen, drehte sich der Spieß sehr schnell um. Manchmal glaube ich, die Menschen bekommen Hartz IV, damit die High Society, die Hautevolee, damit diese Hotelschmarotzer den Mindestabstand zur Gosse nicht verlieren. Der Sterneglanz des Palm Jumdidai ist jedenfalls so schnell verblasst, dass schon ein Jahr später Billigtrips im Aldiprospekt verramscht wurden. Boris Becker soll sogar bemerkt haben, die Besenkammern seien wie überall auf der Welt. Was ich sagen will: Man sollte nicht allzu viel Hoffnungen auf Stars und Sternchen setzen.

Mir ist das Schnuppe. Meine schönsten Urlaube hatte ich auf Bauernhöfen, auf denen mir die Empfangsdame in Gummistiefeln entgegenkam. Mit einer Schale Obst aus dem Garten auf dem Abtreter. Gastfreundschaft war noch immer das beste Argument zum Wiederkommen. Wissen Sie, was ein 4-Sterne-Hotel (förderfähig) von dem mit 3 Sternen unterscheidet? Die Rezeption ist 4 Stunden länger offen und zum Fön müssen noch Duschhaube, Nagelfeile und Wattestäbchen gelegt werden. Außerdem sind Restaurant mit Speisekarte und Hotelbar vorgeschrieben. Wenn ich deren Verluste den Zuschüssen gegenrechne, kann ich den Förderantrag gleich bleiben lassen. Wir müssten mal anfangen zu beschreiben, welche Gäste wir eigentlich haben wollen. Passen die ungarischen Kite-Surfer im VW-Bulli nicht besser zum Bärwalder See als Irmgard und Helmut aus der Eiffel mit ihrem 7-Meter-„Hobby“ hinten am Benz?

Ich zähle mich zu denen, die die Zukunft der Lausitz gern rosig sehen. Die liegt allerdings nicht in den Sternen. Es hagelt mir zu viel davon.

 

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