Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

18.08.2012 20:06 (Kommentare: 0)

Sonnenblumenkinder

Die Laborergebnisse des Auszeitprojektes verdienen Beachtung

Spinnerei! Haben Sie das gedacht, als Sie von Sonnenblumenfeldern in der Neustadt gelesen haben? Denen ist wohl zu warm geworden im Auszeithaus? Das Tageblatt veröffentlichte in dieser Woche sieben Gedankenspiele, die während des Kulturprojektes im Abrissblock entstanden. Ich nenne Ihnen meine Top 3. Sie dürfen andere Favoriten haben. Am besten die Zeitungswoche zurückblättern und Lokalteile aufheben!

Je spinnert, desto besser. Vertrauen Sie darauf, dass Ideen erst dann wirklich gut sind, wenn sie spontan für absurd gehalten werden. Beim pferdelosen Wagen war das nicht anders als bei der programmierbaren Rechenmaschine. Beide Ideen gingen den Menschen anfangs mit furchtbaren Geräuschen auf die Nerven und sind längst verschmolzen. In der Zusestadt darf man dieses Argument vorab ins Feld führen.

Damit ist meine Nummer 1 bereits genannt. Ein Sonnenblumenfeld mitten in der Stadt ist machbar. Das Bild im nächsten Sommer: Hinter dem dann wieder eröffneten Centrum-Warenhaus, zwischenzeitlich bekannt als Karstadt, strahlen tausende Blüten in der Sommersonne. Wer bei Pewo, Wochenkurier oder Ludwig-Leuchten in Bergen arbeitet, hatte diesen Sommer einen solchen Anblick auf dem Weg zur Arbeit. Viel schöner als Mais und weniger schnief als Roggen in anderen Jahren. Die Sonnenblumen machen gute Laune. Das muss im Gewerbegebiet hinter dem Feld regelrecht messbar gewesen sein. Warum soll das in der Stadt anders sein? Machen!

Auf Platz 2 sehe ich das interaktive Stadtprojekt. Das Tageblatt sammelt sowieso alte Leserfotos und stellt sie teilweise online. Da QR-Codes auf ganz beliebige Inhalte verlinken können, ist es wirklich nur ein Zeitaufwand, den dieses Projekt braucht. Kurze Erläuterung: Mit internetfähigen Handys, wie sie in zwei Wochen in jeder Zuckertüte stecken werden, zeigt man auf Tafeln, die entfernt an ein schlechtes ZDF-Fernsehbild zu Olympia 1984 erinnern. Der Computer erkennt in diesem Gekrischel eine Information, die etwa zu einer Webseite führt. Man kann ehemaligen Hoyerswerdaern auf diesem Wege nicht nur ihren Hausaufgang virtuell zurückholen. Internet und QR-Codes liefern auch eine Lösung für den Umgang mit jeglicher Stadtgeschichte. Sogar zum Erinnern an die böse Jahreszahl 1991 kann die Technologie von Scan-HY dienen. Dezenter als Monumente ist sie allemal. Konzept stärker vernetzen! Darin liegt seine Stärke.

Platz 3: Die investigative Jagd zweier Lokalredaktionen auf ein Fallobst. Die Birne ist bodenständiger als alle anderen Auszeit-Ideen, denn spätestens als „Hoyerswerder Birnenschnaps“ hat dieser Vorschlag einen mehrheitsfähigen Nutzen. Zur Erinnerung: Sächsische Zeitung und Lausitzer Rundschau haben die Spur der Birne „Hoyerswerder“ aufgenommen. Im Garten des ehemaligen Oberbürgermeisters Horst-Dieter Brähmig soll nach Recherchen dieser Zeitung ein solch seltener Birnbaum stehen. Ich musste schmunzeln und „Oberbirnbaummeister“ denken. Der Kulturverein steuert zur Idee einer kultigen Stadtbirne sicher noch einen Fontane-Rezitierwettbewerb bei: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand...“ Na, wer kommt bis Strophe vier?


Kommentieren

Zurück

Einen Kommentar schreiben