Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

03.11.2012 19:57 (Kommentare: 0)

Schlauer schmieren mit Weitblick

Wer meine Stimme verdient und warum.

Heute teile ich Ihnen meine Wahlentscheidungen mit. Sie haben das Recht zu wissen, mit wem Sie es hier zu tun haben. Wählen Sie mit mir einen US-Präsidenten, einen Oberbürgermeister, eine Bundeskanzlerin und einen Landrat.

Ich mach’s kurz: Sie dürfen alle im Amt bleiben: Obama, Skora, Merkel und Harig. Sie sollten wissen, dass dies meine Entscheidung der Woche ist. Das kann Weihnachten schon anders sein. Für den Moment habe ich gute Gründe.

Beginnen wir im Weißen Haus. Als Amerikaner würde ich am Dienstag Obama wiederwählen. Aus seinem „Yes, we can“ ist zwar „Yes, we could have had“ geworden – „Wir könnten gekonnt haben!“ Aber vielleicht schafft er im zweiten Anlauf noch den Weltfrieden. Auf Knien rutschend danken dürfen wir Wirbelstürmin Sandy! So bekommen die Amis mal etwas vor der eigenen Tür zu kehren.

Die Vorwahlen zum Oberbürgermeister in Hoyerswerda hat Stefan Skora (CDU) für sich entschieden. Mir mutet es zwar an wie bei der Gruppenratswahl oder im Sportverein: „Ach, mach du mal, Stefan, du kannst das doch am besten...“ Aber vielleicht täuscht der Eindruck und das Amt ist attraktiver, als man denkt. Man kommt herum bis nach Dillingen. Hoffentlich ist die Delegation wirklich an die Saar gefahren und nicht nach Dillingen an der Donau. Man hat ja eine Weile nichts gehört von der Partnerstadt.

Solange es weder einen Gegenkandidaten noch einen Wahltermin gibt, bleibe ich bei Skora. Zumal bei einem Wechsel auch der Rathaussprecher ausgetauscht würde. Dann gäbe es keine so lustigen Pressemitteilungen mehr wie letzte Woche, als der Rathauschef genau zwei Stunden auf einer Konferenz in Schwarze Pumpe war, nichts sagte, aber hinterher zitiert wurde, als hätte er das Thema „Wirtschaftsförderung für die Lausitz aus einer Hand“ selbst auf die Tagesordnung gebracht: „Stefan Skora resümierte, dass solch eine Herangehensweise in Hoyerswerda bereits tägliche Praxis ist.“

Meine Herren! „Zügige Verwaltungsentscheidungen“ sind keine Wirtschaftsförderung, sondern das Mindeste, was Steuerzahler erwarten dürfen. Ich weiß, das ist populistisch. Aber Populus kommt vom Lateinischen „Volk“ und für das muss man sich weitaus seltener schämen als für seine - zugegebenermaßen selbst gewählten – Vertreter. Gönnen Sie mir deshalb bitte einen absolut populistischen Wutausbruch!

Genosse Großkotz, der Vortragsreisende von der SPD, regt mich auf. Für 15.000 Euro muss eine Bankangestellte sehr lange am Schalter stehen. Trotzdem erzählen die Herren Vorstände ihr gern, SIE sei zu teuer. Ich glaube, dass Steinbrück von den Banken nicht für seine Reden honoriert wurde. Der hat regelmäßig einen Vorschuss für Entscheidungen gekriegt, die noch kommen sollen. Das nenne ich schlauer schmieren mit Weitblick! Merkel bleibt. Alternativlos.

Den Landrat wollte ich noch wiederwählen. Michael Harig (CDU) hat diese Woche etwas Bemerkenswertes getan. Er hat sich öffentlich korrigiert. Das ist in der Politik so selten wie ein tropischer Wirbelsturm in der Antarktis. Hier ging es um die Zukunft der Mittelschulen in Hoyerswerda. Noch seltener sind solche Sätze: „Darauf habe ich zur Zeit noch keine schlüssige Antwort“, sagte Harig im SZ-Interview zur Frage, ob die Struktur der Wirtschaftsförderung in der Lausitz geändert werden muss. Vergleichen Sie das bitte mit drei Absätzen weiter oben!

 


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