Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

28.07.2012 15:00 (Kommentare: 0)

Sachsen und der Halbblutprinz

Was haben wir nur für einen undankbaren Thronfolger!

Verrückte Zeiten! Das Verfassungsgericht erklärt unsere Demokratie für ungültig. Was sonst heißt es, wenn das Parlament „nicht rechtmäßig zusammengesetzt“ ist? Ausgerechnet in diesem für die Auflösung der Republik günstigen Moment stirbt uns Sachsen der Thronfolger weg. Mist!

Die Sächsische Zeitung überbringt die Nachricht vom Ableben Maria Emanuels Markgraf von Meissen Herzog zu Sachsen auf der Titelseite. Da stehst du morgens halb sieben schon mal am Briefkasten, reibst dir die Augen und vergleichst das Datum. Doch, stimmt. 2012! Trotz dieser höflichen beziehungsweise höfischen Zeitungsgeste kommt der Wettiner Halbblutprinz Alexander Wegzog zu Mexiko auf die Idee, uns Sachsen zu beleidigen. Er, seinereiner oder wie auch immer man den anredet -„Alex“- bescheinigt uns eine ruppige und unfreundliche Umgangsart.

Ist das der Dank? Hör mal, Alexander, du Puppenspieler aus Mexiko: Ist dir eigentlich klar, dass wir hier oben in Hoyerswerda und Weißwasser deinem schönen Sachsen zu neuer Größe verholfen haben? Wir haben darum nicht mal einen Krieg mit Preußen geführt, sondern uns mit einfachen Postkarten anlässlich einer Wählerbefragung mehrheitlich für Sachsen ausgesprochen. Damals. Verfassungsrichter würden angesichts dieses Wahlverfahrens freilich graue Haare kriegen.

Was die Etikette betrifft, könnten die Ostdeutschen einiges dazulernen“, sagt dieser Prinz von Sachsen und meint wohl, dass es einigen Zeitgenossen ausreicht, wenn sie das Etikett eines Pils‘ von dem eines Export-Bieres unterscheiden können. Ein wenig Recht geben muss ich ihm da. Aber geben wir’s doch zu: So einen König als höchstes Sachsenmaskottchen hätten wir alle gern. Ob es ausgerechnet Alexander, das Großmaul, sein muss oder überhaupt ein Wettiner, müsste man überdenken. Notfalls per Postkarte.

Denn es gibt ein paar Merkwürdigkeiten: Die Wettiner Erben streiten mit dem Land, an das wir unsere Steuern zahlen, immer noch um Ländereien. Am Sterbebett von „Emelchen“ standen neben seiner Ehefrau auch Priester der Pius-Bruderschaft – ein pikantes Detail, das mir erst die Bild-Zeitung liefert. Da darf man auf das angekündigte Requiem, die Heilige Messe für den Verstorbenen, nächste Woche in Dresden gespannt sein. Entsendet der Freistaat seine Vertreter und feilscht beim Leichenschmaus um Flurstücke?

Die Nähe zu den Brüdern des St. Pius X. dürfte die Drähte bis hoch zum Vatikan glühen lassen. Beten Mitglieder der Sekte und katholische Pfarrer ein gemeinsames „Vater unser“ zum Abschied? Innerhalb der Familie soll bereits ein Erbschaftsstreit ausgebrochen sein. Alexander war 1999 im zarten Alter von 46 Jahren von seinem Onkel adoptiert worden. Das finden nicht alle Cousins toll. Erleben wir eine fürstliche Rauferei vor laufenden Kameras?

Zugegeben, es ist interessant, mal etwas über sächsische Geschichte zu erfahren. Dazu kann ich aber ins Museum gehen. Hoyerswerda hat so eins, das sich lohnt und übrigens an heißen Tagen kühle Räume bietet. Oder Burg Stolpen. Dort war ich diese Woche zum Ferienausflug. Prinz Alexander fände dort sein Vorurteil bestätigt: Trotz Solizuschlags ist es den Sachsen nicht gelungen, endlich Fliesen ans Klo der Gräfin Cosel zu kleben.

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