Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

04.05.2013 14:08 (Kommentare: 0)

Prüfstand zum TÜV!

Vor zwei Jahren erschien die erste Kolumne. Da ist eine Prüfung fällig.

Nach zwei Jahren müssen Sie mit Ihrem Auto zur Reihenuntersuchung. Haben Sie sich auch schon gefragt, wer den Prüfstand prüft? Machen das TÜV und DEKRA selber? Was passiert, wenn die Rolle für den Bremstest klemmt? Aber da fliegt die Karre durch die Garagenwand! Nun will ich hier keine bunten Plaketten verteilen aber die Kolumne heißt „Auf dem Prüfstand“. Funktioniert der noch?

Diese Frage ist heikel, denn jeder wird darin etwas anderes erkennen. So wie Gegner und Befürworter der Baupläne am Zoo in mir einen Mitstreiter gesehen haben. Fragt er sich das, weil er müde geworden ist? Dem Oberbürgermeister dieser Stadt ging’s in den Winterferien so. Macht mal Urlaub und jemand aus seinem Umfeld kolportiert, er habe keine Lust mehr. Seine Arbeit steht hier öfter zur Debatte, denn diese Zeitung steckt zumeist in Hoyerswerdaer Briefkästen. Es hat nichts mit der Person zu tun. Der oder die nächste OB kommt auch dran, beziehungsweise optional der selbe. Wie’s ausgeht, entscheiden Sie im September.

Sie entscheiden auch, wie ich meine Texte gemeint habe. Das klingt paradox, ist aber so. Ich will ein Beispiel machen. Ich könnte darüber schreiben, dass es im Stadtzentrum abends nichts mehr zu Essen gibt - es sei denn, Sie klingeln jemanden raus, der Ihnen ein Spiegelei brät. Für den Griechen gab es diesmal kein Rettungspaket. Zwischen Lausitzhalle und der nächsten Schenke liegt nun eine Durststrecke. Ich würde natürlich auf Steak ou four zu sprechen kommen, dass es seinerzeit im Café „Drei Linden“ mit Kroketten serviert und auf Wunsch am Tisch flambiert wurde, von Kellnern, die Smoking und ein weißes Tuch überm Arm trugen. Fachkräfte, die selbst Rosenthaler Kadarka kredenzten, als sei es ein 1968er Chateau Sonstwas.

Die Leserschaft zerfiele sofort in mehrere Lager. Die einen sähen darin eine Bestätigung für die These, dass früher alles besser war, vor allem die Ausbildung in der Gastronomie. Andere hielten mich für einen Miesmacher, der nicht erkennen will, dass die Broilerbar auf hat. Weitere schrieben einen Leserbrief, nach dem die da oben endlich Verhandlungen mit erfahrenen Wirtsleuten wie Alfons Schuhbeck oder Johann Lafer aufnehmen müssten, um hier zu investieren. Gewerkschafter würden Lohnforderungen daran festmachen, weil ohne Mindestlohn kein Mindestumsatz in der Kneipe zu machen ist. Am ehesten bin ich für die Schuhbeck-Nummer, denn das hielte ich für wirklich sportlich, wobei wir uns zuvor auf Horst Lichter einigen könnten. Der isst mir sympathischer.

Sie sehen, hier wackelt mein Prüfstand, denn er verfügt nicht über Messreihen und Prüfprotokolle. Soll heißen, er ist nicht objektiv. Das gibt dem Ganzen die Chance, nicht langweilig zu sein. Stellen Sie sich vor, Sie müssten hier jeden Samstag Angaben zum Zeilendurchschuss, Abweichungen im Schriftgrad oder Rechtschreibkoeffizienten in Tabellenform ertragen. Mancher misst die Qualität einer Zeitung nur danach.

Es gibt Momente, da bilde ich mir ein, einen kleinen Anteil an einer Veränderung zu haben. So erschienen Ende April neue Zeichnungen zur Zankapfelwiese, die mir gefallen. Denkanstöße, mehr kann ich nicht. Dialog am Laufen halten, mehr will ich nicht.

 

 

Kommentieren

Zurück

Einen Kommentar schreiben