Kolumne „Auf dem Prüfstand“


Mathias PriebeUnser Autor

Mathias Priebe ist Marketing- und Medien-Profi,
der sich hier kritisch mit TAGEBLATT-Beiträgen und
der Lokalpolitik auseinandersetzt.

 

07.07.2012 17:15 (Kommentare: 0)

Potz Blitz und Weltuntergang

Versuch einer lokalen Interpretation von Weltnachrichten

Sie müssen sich bitte an den Donnerstag-Abend erinnern. Da habe ich wie so oft noch lange gesessen, gegrübelt, gestrichen, von vorn angefangen. Dazu tobte mal wieder ein Unwetter. Beim Abendbrot machten Sätze die Runde wie: "Sowas habe ich noch nie erlebt", oder: "Früher klang der Donner irgendwie anders."

In den Hollywoodfilmen fängt der Weltuntergang so an wie der Abend vorgestern. "Armageddon", "Independence Day" oder "2012" - immer das gleiche. Es wird stockduster. Wolken türmen sich auf und Blitze zucken. Higgs! Nein, kein Schluckauf. Higgs ist die Erklärung für das tägliche Gerumpel. Die "Entdeckung" des geheimnisvollen Gottesteilchens, das die Welt im Innersten zusammenhält (hielt?), ist schuld an den Gewittern.

Bei den Nachrichten zum "größten Physikexperiment aller Zeiten" kam mir der Gedanke: Wenn der Flügelschlag eines Schmetterlings chaostheoretisch auf der Erde einen Tornado auslösen kann, was haben diese Teilchenbeschleuniger dann mit unserem Universum angerichtet? Idioten! Stürzen wir gerade in einem intergalaktischen Strudel durch die Galaxis? Ist die Milchstraße übergeschwappt? In der Zeitung stand auch, dass 96 Prozent des Universums aus Dunkler Materie und Dunkler Energie bestehen. Womit wir fast schon wieder in Hoyerswerda wären...

Roitzschjora hat es geschafft, aus den Wetterkapriolen Kapital zu schlagen. Das Nest oberhalb von Leipzig ist so etwas wie Laubusch im Bitterfelder Revier. Nur gibt es hier keine gemütlichen Besuchertage mit Blasmusik, sondern Heavy Metal. With Full Force - buchstäblich mit voller Kraft hat der Blitz 51 Hardrockfans tausendmal schneller aus den Latschen kippen lassen als der Ausschank. Nicht nur Spiegel online hat Spaß an den Texten: "«Heaven Shall Burn» spielen einen ihrer größten Hits: «Endzeit». Der Refrain wird von den Abertausenden, die immer noch klitschnass vor der Bühne ausharren, trotzig mitgegrölt: «We are, we are the final resistance!»." "Wir sind der letzte Widerstand - welch hübsches elektrotechnisches Wortspiel, zumal nur in doppeldeutiger deutscher Übersetzung möglich, da das Teil im Englischen resistor hieße.

Angeblich ist die Wahrscheinlichkeit, einen Sechser im Lotto zu treffen, geringer als die, vom Blitz getroffen zu werden. Roitzschjora dürfte den Jackpot geknackt haben. Denn mit diesem Knall wird das Konzert endgültig zur Legende. So geht Marketing! Falls jetzt jemand große Drähte in die Erde steckt, um uns ein ähnliches Spektakel für das Lausitzer Seenland zu besorgen: Das Konzert war zuerst da!

Ich gestehe freimütig, dass mir außer dem Wetter nicht viel Aufregendes begegnet ist in dieser Woche. Was war schon groß los? Das Hollywoodtraumpaar Tom Cruise und Katie Holmes lässt sich scheiden. Ob sie danach zu diesem Sherlock Holmes zurück geht? Zugegeben, das ist auch nicht sehr lokal. Es sei denn, einer von beiden taucht hier mal einfach so auf, wie Kollege Tom Hanks letzten Sommer im Radebeuler DDR-Museum. Die Filmstars aus Amerika stehen auf historische Kontraste. Wetten, dass man denen eine Abrissplatte für 4.000 Dollar/qm vermieten kann? Hauptsache originalgetreu mit Flachstrecke und Durchreiche.

So gesehen könnte Tom Cruise mal die Lausitz retten kommen. Zeit hat er ja jetzt, wo er weniger Schuhe kaufen gehen muss.


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